Sonnenuntergang am Tapajós-Fluss in Amazonien.
Portrait Jannes Stoppel
22.07.2016

Abschied vom Tapajós-Camp

Vor fünf Wochen bezogen Greenpeace-Aktivisten aus der ganzen Welt die „Tapajós Rescue Station“ in Sawré Muybu am Tapajós Fluss mitten im Amazonas-Regenwald. Sie wollten den virtuellen Widerstand gegen den Bau des Sao-Luiz-do-Tapajós Staudamm auch direkt vor Ort unterstützen. Gemeinsam mit den Munduruku wiesen sie symbolisch deren Land aus. Es ging immer wieder mit Booten und zu Fuss in den Regenwald, um das Land mit Schildern auszuweisen. Dabei haben die Aktivisten und Aktivistinnen mit den Indigenen das von ihnen beanspruchte Land markiert. 

Munduruku markieren ihr angestammtes Land.

Die verwendeten Schilder sind nach der Vorlage der offiziellen Schilder der brasilianischen Regierung gestaltet: eine absichtliche Provokation gegen die Regierung. Diese sträubt sich schon viel zu lange, das Land der Munduruku - Sawré Muybu - offiziell anzuerkennen. Der Hintergrund: Sollte es den Munduruku gelingen ihre Landrechte zu gewinnen, wird es schwieriger, das geplante Staudamm-Projekt gegen die brasilianische Verfassung durchzusetzen. Auch die wirtschaftlichen Interessen von Konzernen wie Siemens dürften weniger beachtet werden.

Bis zu 60 Aktivisten und Vertreter internationaler Medien lebten über fünf Wochen mit den Munduruku zusammen. Sie halfen und berichteten über den Kampf der Indigenen. Das ist eine logistische, aber vor allem eine interkulturelle Meisterleistung gewesen, die auf die wunderbare Arbeit meiner Kollegen in Brasilien zurückgeht. Sie haben lange mit den Munduruku gemeinsam geplant und diskutiert. So ist eine vertrauens- und respektvolle Zusammenarbeit aufgebaut worden.  

Während des Camps ist mit den Munkuruku auch eine Solaranlage installiert worden.

Nach der erfolgreichen Demarkierung und einem sehr spannenden, partizipativen „Community Mapping“-Prozess haben wir uns schweren Herzens von den Munduruku verabschiedet. Vorerst! Wir haben viel von ihnen gelernt - über ihre traditionelle Lebensweise und darüber, wie nachhaltig sie mit ihrem Lebensraum umgehen. Paulo Adario, unser brasilianisches Greenpeace-Urgestein, beschrieb den Abschied von den Munduruku als den emotionalsten seiner langjährigen Arbeit als Aktivist und Waldexperte. Paulo wurde übrigens von der UN mit dem „Forest Hero Award“ ausgezeichnet.

Es gab ein großes Herzen und Küssen, als sich die Aktivistinnen und Aktivisten auf den Weg nach Hause machten. Die letzten Wochen werden sicher nicht vergessen. Auch mich berührt tief, dass ich Teil dieses ersten großen Projektes mit den Munduruku sein durfte. Ihr Land im Herzen des Amazonas muss geschützt werden. Es wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir zusammen mit den Indigenen Firmen wie Siemens in die Verantwortung nehmen.

Winkende Munduruku unter einem Demarkatiosschild.
Munduruku winken zum Abschied unter einem Demarkatiosschild.

Der Protest gegen die Zerstörung des Amazonas hat auch global seine Muskeln spielen lassen. Fast 1,2 Millionen Menschen haben sich in wenigen Wochen zu einer virtuellen Menschenkette formiert. Sie haben sich an die Seite der Munduruku gestellt, damit ihre Heimat im Herzen des Amazonas nicht durch ein riesiges Staudamm-Projekt zerstört wird. Sawré Muybu ist ihr Leben und ihre kulturelle Heimat, die erhalten werden muss.

Langfristig sollen über 40 Staudämme den Tapajós für den Soja- und Maisexport schiffbar machen - so der Plan der brasilianischen Regierung. Die Folgen der Industrialisierung für die noch intakte Urwaldregion, könnten katastrphal sein. Deshalb haben Greenpeace-Aktivisten weltweit in rund 20 Ländern gegen eine mögliche Beteiligung von Siemens am Sao-Luiz-do-Tapajós Staudamm protestiert. 

Eine Nachricht an Siemens: Schütze das Herz des Amazonas!

Siemens war an den letzten vier Staudamm-Projekten im Amazonas-Regenwald beteiligt. Alle diese Projekte hatten Menschenrechtsbeschwerden zur Folge. Deswegen waren wir am Freitag nochmal bei Siemens in München. Die Aktivisten forderten den Konzern erneut auf, dem zerstörerischen Staudamm-Projekt eine klare Absage zu erteilen. Doch Siemens bleibt stumm. Wir warten noch immer auf die angekündigte Stellungnahme von Herrn Kaeser, dem CEO von Siemens.

Topic
Wälder

Portrait Jannes Stoppel

Jannes Stoppel

Jannes Stoppel, MA International Development Studies, schrieb seine Masterarbeit zu Klimaschutzinitiativen in Boliviens Wäldern.


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