Protest in Genf zum  Kernwaffenteststopp-Vertrag
Greenpeace Gastautor
29.08.2017

Atomwaffen: Kommt die Welt noch zur Vernunft?

Im Rückblick war es wohl einer der wichtigsten Momente meines beruflichen und privaten Lebens. Es war der 17. Mai 1985: Ich war 24 Jahre alt, stieg von einem schaukelnden Boot und betrat die Hauptinsel von Rongelap, einem kleinen Atoll im Pazifik.

Trügerisches Paradies

Auf den ersten Blick wähnte ich mich im Paradies; es gab Strände mit Kokospalmen und kristallklares Wasser. Doch in Wirklichkeit war nichts, wie es sein sollte.

Am Strand wartete die mit Blumen geschmückte Inselbevölkerung auf uns. Auf einem Banner der Frauen war zu lesen: "Wir lieben die Zukunft unserer Kinder". Ich und die Crew eines Greenpeace-Schiffs waren hier, um dabei zu helfen, die Bewohner umzusiedeln. Ihre geliebte Insel machte sie krank.

Begrüßung der Frauen von Rongelap
Einheimische Frauen begrüßen mich (rechts im Bild) bei meinem Eintreffen auf den Rongelap-Inseln.

Im März des Jahres 1954 bekam das Atoll eine gewaltige Menge Strahlung ab, als die USA ihre stärkste Atomwaffe testeten.

Auf die Insel ging tagelang ein radioaktiver Fallout nieder. Er löste sich in den Wasserspeichern und kontaminierte den Boden. Die Zahl der Krebskranken ging massiv in die Höhe, viele Kinder wurden mit Missbildungen geboren. Die Menschen hatten keine Wahl: Sie mussten die Insel verlassen; Hoffnung, jemals zurückzukehren, gab es kaum.

Atomkrieg: Tabu gebrochen

Am 29. August ist der internationale Tag gegen Atomtests. An diesem Tag sollten wir uns mit den Lehren aus der Vergangenheit beschäftigen.

Im Jahr 1996 verhandelten einige Länder über den Kernwaffenteststopp-Vertrag, der jede Art von Kernwaffentests, ob für zivile oder für militärische Zwecke, untersagt. Obwohl der Vertrag niemals in Kraft trat, sorgte er dafür, dass die Zahl solcher Tests drastisch reduziert wurde. Das einzige Land, das im 21 Jahrhundert Atomtests durchgeführt hat, ist Nordkorea - und zwar insgesamt fünf Tests in den vergangenen elf Jahren.

Dennoch scheint in Anbetracht der letzten Monate ein Atomkrieg nun nicht länger undenkbar. Ein Tabu ist gebrochen worden.

Nordkorea hat damit gedroht, das US-Territorium in Guam im Pazifik anzugreifen. US-Präsident Donald Trump, der in letzter Instanz über das riesige US-Atomarsenal kommandiert, hat Nordkorea daraufhin eine Antwort mit "fire and fury" (etwa: "Feuer und Zorn") in Aussicht gestellt. Die leichtfertig dahingesagte Drohung mit Atomwaffen ist in dem Konflikt zum Druckmittel geworden. Beide Seiten flirten auf gefährliche Weise mit etwas, über das - sobald es tatsächlich in Gang gesetzt ist - niemand genau sagen kann, wohin es führt.

Protest gegen Atomtests in Genf 1996
Greenpeace-Aktivisten protestieren 1996 in Genf gegen Atomtests anlässlich der Konferenz zum Kernwaffenteststopp-Vertrag

Lösung für die Krise ist einfach: Verhandlungen und Diplomatie

Es war ein historischer Meilenstein: Im Juli sprachen sich 122 Länder bei den Vereinten Nationen in New York dafür aus, Atomwaffen mit einem neuen Abkommen zu ächten. Im September soll die Ratifizierung des Abkommens starten, kurz darauf soll es dann in Kraft treten.

Staaten mit Atomwaffen und ihre Verbündeten boykottierten das Abkommen und taten alles, um sein Zustandekommen zu unterlaufen. Zwar ist ihnen das nicht gelungen, doch ihr Widerstand ist bedeutsam: Wenn ein Land das Abkommen nicht ratifiziert, muss es sich auch nicht daran halten.

Trotzdem ist das Abkommen enorm wichtig: Den Befürwortern von Atomwaffen wird es schwerer gemacht, sie als legitimes und nützliches Instrument zur Friedenssicherung hinzustellen. Das Abkommen legt das Fundament für eine Welt, in der Atomwaffen als Sicherheitsrisiko gelten - und nicht als Mittel, um Sicherheit zu erlangen.

In diesen Zeiten, in denen ein Atomkrieg plötzlich wieder denkbar ist, müssen die Regierungen auf der ganzen Welt das Abkommen zum Anlass nehmen, zur Vernunft zu kommen - und abzurüsten.

Die Autorin Bunny McDiarmid ist Geschäftsführerin von Greenpeace International

 

Topic
Klimawandel

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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