08.02.2017

Auf Expedition am Amazonas-Riff

Sandra Schöttner, Greenpeace-Meeresexpertin und Korallenspezialistin, ist mit Wissenschaftlern an Bord des Greenpeace-Schiffs Esperanza im Amazonas-Delta unterwegs.

Gemeinsam mit Wissenschaftler sind wir auf dem Greenpeace-Schiff vor der Küste Brasiliens unterwegs. Unser Ziel: Die ersten Unterwasserfotos des neu entdeckten Riffs. Denn dieses einzigartige Riffsystem, das niemand dort vermutet hätte, wird bereits bedroht von den Plänen der Ölindustrie. Hilf uns, das Riff zu schützen: www.greenpeace.de/amazonas-riff

 

Update Tag 8 (Donnerstag, 9.2.)

Blick nach vorne. Auch gestern, am allerletzten Tag, waren keine Tauchfahrten möglich – der rauhen See sei „Dank“. Da half auch alles Zetern nichts. Leider mussten wir diesen Teil der Expedition heute beenden, ohne eine einzige Tauchfahrt zum nördlichen Teil des Amazonas-Riffs gemacht zu haben. Natürlich bin ich enttäuscht. Doch wir sind ja Stehaufmännchen. Das Team schmiedet gerade schon heftig Pläne, wann und wie wir das alles „nachholen“ bzw. sogar noch ausbauen können. Denn Teil 1 der Expedition im südlichen Teil des Amazonas-Riffs hat erste Erkenntnisse gebracht, die wir zusammen mit den Forschern unbedingt weiterverfolgen wollen. Man darf also gespannt sein. Ich bin jedenfalls glücklich, an Bord dabei gewesen zu sein – auch ohne Unterwasserfahrt war es etwas Besonderes! 

 

Update Tag 6 (Dienstag, 7.2.)

Murphy’s Würgegriff. Strahlender Sonnenschein, ruhige See, ein vielversprechender Tauchplatz – und ein repariertes Tauchboot. Endlich! Doch es sollte nicht sein. Erst stellte sich der CTD-Sensor (Salzgehalt- Temperatur-, und Tiefenmesser) an der DropCam tot. Kaum war er repariert, versagte das Videokabel für die Bildübertragung der DropCam. Ohne Bild ist aber keine Entscheidung möglich, ob wir an dieser Stelle abtauchen. Also ging wieder wertvolle Zeit für Reparaturen verloren. Schließlich konnte dann doch der Test-Launch des Tauchboots mit Pilot und Techniker eingeleitet werden. Klopfenden Herzens gingen wir am Helikopter-Deck in Position, unser RHIB kreuzte schon durch die Wellen. Der „Dual Deep Worker“ baumelte am Haken, wurde über Bord gekrant…. – und pendelte dann unerwartet stark aus, wie  an einer Riesenschaukel! Die logische Konsequenz: Abbruch. Diesmal war es also nicht die Elektronik. Inzwischen war einfach der Seegang zu stark geworden, die Wellen zu hoch für einen sicheren Launch. Tja, was soll ich sagen…. Aber es blieb den ganzen Tag so.

Update Tag 4 (Sonntag, 6.2.)
 
Fehlersuche: Nach dem unfreiwilligen Aufstieg gestern stand der heutige Tag ganz im Zeichen der Fehlersuche beim „Dual Deep Worker“.  Es gilt: Safety first. Wir fahren derweilen ein paar mehr DropCams, um den Meeresboden von hier oben aus auszuspionieren. Und was machen eigentlich Tauchboot-Piloten wenn ihr liebstes Spielzeug in 100 Einzelteile zerlegt auf dem Helikopter-Deck liegt und sich abzeichnet, dass es auch heute nichts mit dem Abtauchen wird? Ganz einfach: Sie verschanzen sich in der Schiffs-Lounge und werfen ihre Lieblings-DVD ein.
 
Ernten, was man sät: Für mich stand der heutige Tag aber auch ganz im Zeichen der Pressearbeit. Denn in der deutschen Medienlandschaft tauchen nun einige Berichte zu unserer Expedition im Amazonas-Riff auf und zur drohenden Gefahr durch die Ölbohrpläne von u.a. Total und BP. Ein schönes Gefühl! Und wichtig – denn unser Ziel ist es auch, die Existenz und Schutzbedürftigkeit dieses einzigartigen Riffs weltweit bekannt zu machen.

Update Tag 3 (Samstag, 5.2.)
 
Kuscheln unter Plastiktüten: Endlich sind wir im Riffgebiet. Hier lassen wir an jeder anvisierten Tauchstation immer erstmal die DropCam zu Wasser. Das ist live per Videoübertragung auf dem Schiff zu sehen – und immer ein kleines Ereignis. Für Außenstehende mutet das bestimmt skurril an: Da kuscheln sich Grüppchen von Leuten bei sengender Mittagssonne in den Tropen ganz dicht zusammen und halten sich teilweise dunkle Plastikplanen oder Klamotten über den Kopf. Tja, was tut man nicht alles für ein gutes, kontrastreiches Videobild auf den Monitoren. Sobald Schwämme, Korallen, Kalkalgen oder andere interessante Strukturen zu erkennen sind, fällt dann die Entscheidung zu tauchen. 
 

Erste Tauchfahrt…. Notaufstieg: Endlich war es soweit - das Tauchboot samt Insassen wurde erstaunlich schnell und sanft von Bord ins Wasser gehievt, ausgeklinkt und dann in die blaue Tiefe entlassen. Doch dann: Systemausfall im Tauchboot – in 185 Meter Tiefe. Nur noch die Sauerstoffversorgung und die Kommunikation mit der Basis. Es blieb nur ein Notaufstieg mittels Pressluft. Dazu mussten wir aber erstmal unser Schiff, die MY Esperanza, aus der „Schusslinie“ bewegen. Eine  halbe Ewigkeit war endlich vorbei, als das kleine rote Tauchboot ca. 300 Meter von uns entfernt an der Wasseroberfläche auftauchte. Erleichterung! Pilot und Wissenschaftler ging es jedenfalls gut – sie stiegen sogar scherzend aus ihren Kapseln und gingen erstmal schweißgebadet, aber gemütlich zum Mittagessen. Nur die drei Tauchboot-Techniker mussten noch bis tief in die Nacht auf Fehlersuche gehen…

 

Update Tag 2 (Freitag, 4.2.)
 
 
Flaue Gefühle: Irgendwann letzte Nacht verließen wir den Amazonas-Flusslauf und trafen auf den Atlantik. Das war natürlich zu spüren. Aber was die Seefahrt angeht, bin ich ja aus vollem Herzen Wiederholungstäterin – gerne und immer wieder!

 
Tauchboot-Geheimnisse: Mir blieb auch nichts anderes übrig, als meine Lebensgeister irgendwie wachzurütteln. Denn: An Deck wartete schon Jeff, um mich in die Geheimnisse des Tauchboots „Dual Deep Worker“ einzuweihen. Ein Moment, auf den ich mich schon seit Wochen gefreut hatte! Das Teil besteht aus zwei zusammengeschweißten Kapseln – eine für den Piloten, die andere für den Beifahrer – und geht auf 600 Meter tief. Wer jetzt aber denkt, man kann als Beifahrer alles getrost dem Piloten überlassen, der irrt gewaltig! Gefühlte „tausend“ verschiedene Ventile, Schalter, Riegel und Knöpfe, die ich richtig bedienen können muss, um überhaupt meinen eigenen Sauerstoff und Druck in der Kabine zu haben. Auch die wasserdichte Verriegelung der Haube macht nicht der Techniker von außen, sondern allein ich von innen. Und natürlich gibt es noch sämtliche Notfall-Abläufe, die eingeübt werden müssen, falls unter Wasser etwas nicht so ist, wie es sein soll. 

 

Update Tag 1 (Donnerstag, 3.2.)

Leinen los! Nach einem relativ entspannten ersten Morgen an Bord, an dem wir (wie üblich) in die Geheimnisse der morgendlichen Putz-Routine  eingeführt wurden, legten wir heute gut gelaunt in Belem ab. Ziel: nördlich-zentraler und nördlicher Riffsektor – also dort, wo die Auswirkung des Amazonas-Stroms am heftigsten und die Riffstruktur deshalb am außergewöhnlichsten ist. Das macht übrigens auch die Tauchfahrten dort zu einer Herausforderung: heftige Strömung, schlechte Sicht wegen hohem Sedimentgehalt – und ein Übergang vom Süßwasser oben ins Salzwasser darunter. Wir werden übrigens auch den Äquator überqueren. Und für einige von uns wird das noch sehr unangenehme Folgen haben.

Microbiology rules! Der Entdecker des Amazonas-Riffs, Fabiano L. Thompson, war beim ersten Teil unserer Tour dabei – aber bevor er von Bord ging, hatte ich noch die Chance, ihn in ein kleines Fachgespräch zu verstricken. Bei ihm dreht sich alles um die unsichtbaren Herrscher des Planeten: Bakterien und andere Mikroorganismen. Deshalb war es besonders spannend, mit ihm darüber  zu diskutieren, dass in diesem ungewöhnlichen Riff anscheinend auch Chemosynthese (anstatt nur Photosynthese) eine Rolle spielt. Das kennt man sonst typischerweise nicht aus Korallenriffen, sondern aus Tiefsee-Ökosystemen wie z.B. Hydrothermalquellen.
 

Update Tag 0  (Mittwoch, 2.2.)
 
 
Hektischer aber gelungener Start: Angekommen in Belem: Unsere brasilianischen Kollegen sind der absolute Hit! Ich wurde extrem herzlich von allen aufgenommen und betreut. Und sie haben heimlich eine kleine Überraschung organisiert: Ich durfte am Mittwoch Vormittag spontan zu einem zweistündigen Foto-Überflug abheben. Was soll ich sagen: Ich bin jetzt noch total geplättet – es war fantastisch!!! 1000 Shades of Green. 
 

Großes Hallo an Bord: Nach dem Überflug ging es dann direkt zum Hafen: Esperanza samt Crew begrüßen und an Bord einchecken. Wissenschaftler, Kampagnen-Team, Crew – alle schwebten auf Wolke 7, denn die  bisherigen Tauchgänge haben die weltweit ersten Fotos und Videos des Amazonas-Riffs geliefert. Außerdem gab es ein recht herzliches Wiedersehen mit einigen Crew-Mitgliedern, die letztes Jahr unsere Meereskampagne an Bord der Arctic Sunrise mitgemacht hatten. 

Tags
Meer, Amazonas
Topic
Meere


Weitere Beiträge zum Thema


Diskutiere mit uns

Bitte einloggen oder registrieren, um Kommentare zu schreiben.