Fahrrad Kopenhagen
Greenpeace Gastautor
12.06.2017

Das Fahrrad, es lebe hoch

Das nachhaltigste Verkehrsmittel feiert seinen 200. Geburtstag. Ein Beitrag von Benjamin Stephan.

Wie sich Karl Freiherr von Drais wohl gefühlt hat, als er am 12. Juni 1817 die erste Fahrradfahrt der Welt von Mannheim nach Schwetzingen unternommen hat? Hatte er ein ähnliches Grinsen im Gesicht, wie all die Knirpse, die heute mit ihren Laufrädern über Spielplätze und durch Parks flitzen und sich über ihre neu gewonnene Bewegungsfreiheit freuen? Dank Drais feiern wir heute den 200. Geburtstag des effizientesten und nachhaltigsten Fortbewegungsmittels der Welt:

  • Allein durch Einsatz unserer Muskelkraft erlaubt uns das Fahrrad ein vielfaches der Distanzen zurückzulegen, die wir zu Fuß überbrücken können
  • Für die Herstellung eines Rades braucht es kaum Ressourcen.
  • Regelmäßiges Radfahren ist auch noch gut für unsere Gesundheit

Drais Ur-Fahrrad unterscheidet sich kaum von heutigen Kinder-Laufrädern. An Pedale hatte er noch nicht gedacht. Die kamen erst ein halbes Jahrhundert später - direkt ans Vorderrad. Die Entwicklung des Hochrads, bei dem die Fahrer*in über einem überdimensionierten Vorderrad saß, machte Radfahren noch populärer. Da die Fallhöhe groß und Stürze nicht selten waren, gehörte zum Radfahren Mut und Risikobereitschaft. Erst die Entwicklung des “Safety Bicycles” - des modernen Fahrrads mit Diamantrahmen bei dem Pedale über eine Kette das Hinterrad antreiben - machte Ende des 19. Jahrhunderts das Fahrrad zu einem Fortbewegungsmittel für alle.

Draisine: Die "Laufmaschine" wurde 1817 vom Badener Karl Freiherr von Drais in Mannheim erfunden (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported).


Deutschlands Städte können (noch) nicht Fahrrad

Das wir heute wieder den Mut und die Risikobereitschaft von Hochradfahrern brauchen, wenn wir uns in Städten aus Mangel vernünftiger Radwege zwischen Autos in den Verkehr stürzen müssen, ist traurige Ironie der Geschichte. Es hält viele Menschen davon ab täglich auf’s Rad zu steigen. Das Greenpeace Städteranking zu nachhaltiger Mobilität, das die 14 größten deutschen Städte vergleicht, unterstreicht, dass dort wo zumindest einigermaßen sichere Infrastruktur existiert auch deutlich mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen. Während in Bremen mehr als 23% der Wege mit dem Rad zurückgelegt werden, sind es in Essen (immerhin 2017 Umwelthauptstadt Europas!) lediglich 5%. Ein Blick zu unseren europäischen Nachbarn verrät jedoch, dass selbst die Städte, die an der Spitze des Rankings noch massiven Nachholbedarf haben.
 
Radfahren bringt Kohle!

In Kopenhagen werden bereits 62% der Wege zur Arbeit oder Schule mit dem Fahrrad zurückgelegt. Kopenhagen tut dies nicht allein, weil ihnen Klimaschutz so wichtig ist. Die Abkehr vom Auto hat die Lebensqualität in der Stadt massiv gesteigert und sie spart bares Geld - nicht nur für die einzelnen Radler*innen sondern die Gesellschaft als Ganzes: Addiert man die direkten und indirekten Kosten durch Luftverschmutzung, Staus etc., so schlägt in Kopenhagen ein Kilometer Autofahrt mit Kosten von 9 Cent zu Buche während ein Kilometer Radfahren Einnahmen von 16 Cent generiert.
 
Und jetzt? Verkehrswende selber machen!

Mittlerweile sollte es also auch der letzten Bürgermeister*in klar geworden sein, dass wir eine Mobilitätswende in unseren Städten brauchen. Der sofortige, massive Ausbau des Radverkehrs ist der erste Schritt. Wo Bürgermeister*innen noch nicht den Mumm haben das auch anzugehen, ist es an uns ihnen klar zu machen, was auf dem Spiel steht. Der Volksentscheid Fahrrad in Berlin hat uns eindrucksvoll gezeigt, wie dies möglich ist. Auch in Hamburg, München, Stuttgart, Bamberg und einigen anderen Städten haben sich in den letzten Monaten Initiativen gegründet, die in ihren Städten den Radverkehr voranbringen wollen. Mitmachen! Und wenn es in Eurer Stadt noch nichts gibt, dann selbst eine Gruppe ins Leben rufen. Jetzt aber erstmal mit einem Gläschen Sekt oder einem Radler (für die Norddeutschen: Alsterwasser) auf den 200. Geburtstag anstoßen! Den passenden Geburtstagsmix findet Ihr hier.

Topic
Klimawandel

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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