25.07.2017

Die Bäreninsel und der Fluch des Öls

Wie neue Ölbohrungen die einzigartige Natur der Arktis bedrohen

Während in Hamburg ausnahmsweise Temperaturen über 20°C herrschen und die letzten G20-Demonstrierenden die Heimreise angetreten haben, befinde ich mich auf dem Weg gen Norden. Genaugenommen Richtung Arktis. Zusammen mit sieben Kolleg*innen habe ich das große Glück, von Tromsö aus zur Bäreninsel segeln und Zeugin der atemberaubenden arktischen Natur werden zu können.Wir wollen zeigen, was die Ölindustrie durch ihre Bohrungen in der Arktis bedroht. Erst vergangenes Jahr hat die norwegische Regierung neue Bohrlizenzen für die Barentssee freigegeben. Einige davon ganz in der Nähe der Insel. Käme es zu einem Unfall, könnte das Öl die Insel innerhalb weniger Tage erreichen. Dies hätte dramatische Folgen.

Die Bäreninsel befindet sich inmitten der Barentssee, zwischen dem Nordkap und Spitzbergen. Anders als ihr Name vermuten lässt, trifft man in diesen arktischen Gefilden allerdings heutzutage statt Eisbären vor allem auf Seevögel. Den schönen Namen verdankt die Insel Willem Barents. Dieser tötete bei der Entdeckung der Insel im Juni 1596 eine Eisbärin, so entstand der Name „Beeren-Eiland“.Doch der Klimawandel hinterlässt seine Spuren, was die Lebensgrundlage der Eisbären massiv einschränkt: Hatten Willem Barents und seine Besatzung im arktischen Sommer noch mit Treibeis zu kämpfen, erreicht das Eis die Insel heute selbst im Winter nur noch selten. Zwischen 1998 und 2008 hat die Barentssee 50% ihrer Eisfläche verloren. Die Chance, dass Eisbären über das Packeis von Spitzbergen zur Bäreninsel finden, ist daher verschwindend gering.

Ein einzigartiger Rückzugsort für die Natur

Aber auch ohne Eisbären hat die fast unberührte Natur genug zu bieten: Jedes Jahr nisten hier circa 1,5 Millionen Vögel, darunter gefährdete Arten wie Lummen und Dreizehenmöwen. Als wir uns den Vogelfelsen im Süden der Insel nähern, hören wir gefühlt die Hälfte davon. Es ist laut, so laut, dass man sein eigenes Wort kaum versteht. Gleichzeitig ist die Aussicht so beeindruckend, dass es einem die Sprache verschlägt.

Einen Kontrast zu den lauten Vogelkolonien bildet das einzige Säugetier der Insel: der Polarfuchs. Auf der Suche nach Vogeleiern schleichen zwei Füchse direkt an uns vorbei. So schnell, dass es uns leider nicht gelingt, sie auf einem Foto festzuhalten.

Die Bäreninsel ist die einzige Landmasse zwischen dem norwegischen Festland und Spitzbergen und deshalb ein wichtiger Rastpunkt für Zugvögel. Bisher wurden bis zu 126 verschiedene Vogelarten gesichtet. Seevögel verbringen die meiste Zeit auf dem Wasser. Ein Ölunfall hätte deshalb selbst dann dramatische Konsequenzen für sie, wenn das Öl nicht bis zur Küste gelänge. Die Barentssee ist die Hauptnahrungsquelle der Seevögel. Gesunde Fischbestände sichern ihr Überleben und das vieler anderer Tiere.

Aufgrund ihres einzigartigen Ökosystems wurde 2002 fast die gesamte Insel zum Nationalpark erklärt. Dieser umfasst auch die umliegenden Gewässer, in denen sich Wale, Delfine und Robben tummeln. Auch wir werden kurz vor unserer Ankunft auf der Bäreninsel von zwei Buckel- und einem Zwergwal herzlich begrüßt.

Die ständige Gefahr: Neue Ölbohrungen

 

Zu Zeiten von Willem Barents konnte man hier auch noch zahlreiche Walrosse antreffen. Die kurz nach der Entdeckung der Bäreninsel einsetzende großflächige Walrossjagd hat die Tiere allerdings fast ausgerottet. Heute gibt es Walrosse nur noch nördlich der Insel. Gejagt wurden die Meeresgiganten vor allem wegen ihres Fetts, welches zur Ölgewinnung genutzt wurde. Öl war somit bereits im 17. Jahrhundert der Fluch der Arktis, wenn auch in anderer Form.

 

 

Heute jedoch erfolgt die Ölgewinnung über Ölplattformen. Diese sind viel gigantischer, als es ein Walross je sein könnte, und unserer kleines Segelboot kommt mir daneben ziemlich verloren vor. Die fatalen Folgen eines Ölunfalls hier oben mag ich mir kaum vorstellen - doch wenn ich die Plattformen so nah an der Insel sehe, fallen mir unweigerlich Bilder von ölverschmierten Vögeln ein.

 

Neue Ölquellen sind eine Gefahr für die Arktis. Und darüber hinaus. Die Verbrennung von Öl beschleunigt den Klimawandel und gefährdet somit die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen. Deshalb fordern wir die norwegische Regierung dazu auf, keine weiteren Bohrlizenzen für die Arktis zu vergeben und das Öl dort zu lassen wo es hingehört: im Boden. Unterstütze uns mit deiner Stimme.

 

Topic
Arktis


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