Stephie Töwe
08.06.2016

Was brutzelt denn da?

Die Grillsaison ist eröffnet. Und mit ihr eine Fleisch-Werbeoffensive der Discounter

Die Sonne scheint, die Bäume blühen, die Temperatur steigt – der Sommer ist da und mit ihm die Grillsaison. Der Geruch von Holzkohle, Spiritus und brutzelndem Fleisch zieht über die Gartenhecken, durch Parks und Grünanlagen. Doch unter der Grillmarinade versteckt sich nicht nur billig produziertes Fleisch aus der Massentierhaltung, sondern oft auch Schlachtabfall

Zahlreiche Supermarktketten werben jetzt wieder mit billigen Angeboten und peppigen Sprüchen für den Grill. Ich habe –  gegen meine Gewohnheit – in den letzten Wochen die bunten Faltblätter von Aldi, Lidl, Edeka und Co gesammelt und nicht schlecht gestaunt, wieviel Platz der „Sommersport der Deutschen“, das Grillen, darin einnimmt.

Woher kommt das Fleisch? Arte-Doku über "Die Wege des Fleisches".

Fünf Bratwürste für 1,59 Euro, 500g-Packung Grillbauch für 2,59 Euro, 600g marinierte Nackensteaks für 2,59 Euro. Doch die wahren Kosten, die die billige Fleischproduktion verursacht, erfahren die Verbraucher nicht. Sie werden im Dunkeln darüber gelassen, woher das Fleisch kommt und wie die Tiere gehalten wurden, bevor sie als Steak, Würstchen, Keule oder Brust auf dem Grill landen.

Inzwischen gibt es zwar eine zunehmende Anzahl an Siegeln für Fleisch, die immer häufiger auch die Tierhaltung miteinbeziehen, weil die Konsumenten sich immer öfter für die Herkunft des Fleisches interessieren. Aber mehr Verbrauchertransparenz bringt das derzeit nicht.

Aldi (oben) und Lidl (unten) werben mit Fleisch von glücklichen Tieren. Doch die Realität sieht anders aus.

Fleisch von glücklichen Tieren?

Aldi und Lidl werben in ihren Prospekten damit, die Initiative Tierwohl zu unterstützen. Das tun sie zwar, aber nur für einen kleinen Teil der Produktion. Die Werbung ist dreist, denn sie erweckt den Eindruck, als wäre das ganze Sortiment an billigem Grillfleisch von „glücklichen“ Tieren. Während Aldi im Kleingedruckten noch darauf hinweist, dass diese Information nicht bedeutet, dass „die erworbenen Produkte bereits vollständig aus teilnehmenden Betrieben der Initiative stammen“, druckt Lidl einfach ohne jede weitere Erklärung das Logo der Initiative ab.

Auf den Fleischprodukten der Discounters kann der Kunde nicht erkennen, ob die Bratwurst oder die Nackensteaks aus einer Produktion stammen, die auf eine bessere Tierhaltung setzt oder aus einem Massentierhaltungsstall kommt, in dem der Einsatz von Antibiotika die Regel ist und die Tiere zu wenig Platz und Licht haben. Und in dem die Tiere obendrein schlechtes Futter bekommen, denn bei konventionell erzeugtem Schweine- und Rindfleisch landet meist gentechnisch veränderte Soja im Futtertrog. Auch darüber erfährt der Verbraucher nichts.

Aus diesen Gründen wäre es notwendig, endlich eine einheitliche Haltungskennzeichnung für Fleisch zu haben, wie es sie für Eier schon lange gibt. Für alle, die nicht so lange warten wollen: Der Griff zu regionalen Bioprodukten ist meist der beste. Noch besser ist es allerdings, ganz auf Fleisch zu verzichten: Vegetarische und vegane Grill-Alternativen gibt es neben der Tofuwurst zur Genüge: zum Bespiel gegrillter grüner Spargel oder marinierte Zucchini, Schafskäse, bunte Gemüsespieße oder die klassische Grillkartoffel. Das ist lecker und zudem gesünder sowie umwelt- und tierfreundlicher. Aber Vorsicht, Grillen kann süchtig machen ;)

In meinem Blogpost kommen natürlich längst nicht alle Schattenseiten von Billigfleisch zur Sprache. Was Billigfleisch mit dem umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat und Nitrat im Trinkwasser zu tun hat, erklärt dieser Beitrag vom ARD-Mittagsmagazin.
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Analyse

Stephie Töwe

Stephanie Töwe

Stephanie Töwe arbeitet seit 1999 bei Greenpeace Deutschland als Campaignerin im Bereich Nachhaltige Landwirtschaft.


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