Hennen in konventioneller Tierhaltung
Stephie Töwe
24.03.2016

Nicht das Gelbe vom Ei

Pusten bis das Gesicht rot anläuft und das Gelbe und der Glibber aus dem Ei in die Schüssel spritzen! Ostern steht vor der Tür. In Kindergärten und an Küchentischen wird in diesen Tagen viel gepustet, um Eier mit bunten Farben, Glitzer und Aufklebern zu verzieren.

Nicht nur zu Ostern werden viele Eier verzehrt: 18 Milliarden Eier werden in Deutschland jährlich konsumiert. Ein Drittel davon wird importiert, zum großen Teil aus den Niederlanden. Um zu erkennen, woher das Ei kommt und wie die Tier gehalten werden, gibt es in Deutschland die Eierkennzeichnung. Über einen Code lässt sich schnell erkennen, ob es sich um Eier aus Bio-Produktion handelt oder um Eier aus Boden-, Freiland- oder Käfighaltung. Wer es genau wissen will, kann es hier nachlesen.

Augen auf beim Eierkauf

Es ist wichtig, neben der Haltungsform auch auf die Herkunftskennzeichnung zu achten. Viele der in Deutschland im Einzelhandel verkauften frischen Eier werden bereits ohne gentechnisch verändertes Tierfutter produziert. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik: Bei 98 Prozent der deutschen Handelsmarken wird bewusst auf Gen-Futter im Trog verzichtet. In vielen anderen Produktionsländern wird auf dieses Kriterium immer noch viel zu wenig oder gar kein Wert gelegt.

Eine ähnliche Kennzeichnung wie beim Ei wäre auch für andere tierische Produkte wie z.B. Fleisch dringend notwendig. Bisher kann der Verbraucher beim konventionellen Steak oder Schweinebraten nicht erkennen, wie die Tiere gehalten, wo sie genau aufgezogen und wie sie gefüttert wurden.

Wenn Tiere nur Produkte sind

Auch beim Ei ist nicht alles das Gelbe vom Ei: Die Käfighaltung ist zwar zurückgegangen und der Anteil der Bio-Eier wächst, doch über 50 Millionen Küken und somit die Hälfte aller geschlüpften Küken werden in Deutschland jährlich getötet, weltweit circa 2,5 Milliarden. Sie haben das Pech, als Männchen geschlüpft zu sein. Weil sie keine Eier legen können und auch auf dem Fleischmarkt nicht „rentabel“ sind, sind sie für die Industrie wertlos.

Frontal21-Reportage: Der Millionentod der Eintagsküken

Das Schreddern von Küken hat längst Einzug in die Debatte um Massentierhaltung und artgerechte Tierhaltung gehalten. Ist es gerechtfertigt so mit Lebewesen umzugehen, nur um möglichst billig Eier und Fleisch zu produzieren? Ich bin der Meinung: Nein. Hier offenbart sich, wie kaputt das System der industrialisierten Landwirtschaft ist. Es wird nur noch auf wenige Rassen gesetzt, die in kürzester Zeit fett gemästet werden können oder möglichst viele Eier in einer Brutperiode legen – das Tier wird zur Maschine. Ein Verbot des Kükentötens ist dennoch nicht in Sicht. Erst letzte Woche lehnte der deutsche Bundestag ein solches Verbot ab. 

Küken als Spielzeug

Lösungen werden diskutiert, aber nur halbherzig von der Politik und dem Handel vorangetrieben. Die einen befürworten eine Methode, mit der das Geschlecht der Hühnerembryonen bereits vor dem Brüten bestimmt werden könnte. Andere wie der deutsche Tierschutzbund fordern Hühnerrassen, die beides können: Weibchen, die Eier legen und Männchen, die sich mästen lassen. So wie es früher einmal war.

Wenn tierisches Leben unter dem Gebot der Gewinnmaximierung als reines Produkt betrachtet wird, führt das auch zu völlig pervertierten Praktiken wie dem "Colouring": In manchen südamerikanischen und asiatischen Ländern wird so aus Küken buntes Spielzeug gemacht:

Wer nun keinen Appetit mehr auf’s Ei hat, hier gibt's vegane Osterrezepte. Frohes Fest!

 


Stephie Töwe

Stephanie Töwe

Stephanie Töwe arbeitet seit 1999 bei Greenpeace Deutschland als Campaignerin im Bereich Nachhaltige Landwirtschaft.


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