27.03.2017

Endlich: Samsung will Millionen von Galaxy Note 7 sinnvoll weiternutzen

Seit November 2016  haben wir von Samsung gefordert, sein wegen Explosionsgefahr zurückgerufenes Sorgentelefon, das Galaxy Note 7, nicht einfach nur zu entsorgen, sondern die nutzbaren Komponenten weiter zu verwenden und alle anderen Bestandteile fachgerecht zu recyceln. Weltweit haben tausende Menschen Aktionen durchgeführt und Samsung gezeigt, dass man 4,3 Millionen Smartphones nicht einfach wegwerfen kann.

Vor einem Monat auf der MWC 2017 in Barcelona haben wir den Druck nochmal erhöht. Auf Samsungs eigener Pressekonferenz haben wir vor laufenden Kameras gefordert, Konsequenzen aus dem Note 7-Desaster zu ziehen.

Doch leider passierte: nichts. Bis jetzt:

Fünf Monate später, nachdem diverse Artikel geschrieben wurden und viele tausend Menschen Aktionen rund um den Globus durchgeführt haben, hat Samsung endlich den Kopf aus dem Sand gezogen:

Samsung folgt unseren Forderungen

Das Unternehmen hat angekündigt, alle produzierten Galaxy Note 7 Geräte, ca. 4,3 Millionen, weiter zu verwenden oder zumindest fachgerecht zu recyceln. Das ist eine fantastische Nachricht für hundertausende von Menschen weltweit, die sich mit uns engagiert haben!

Samsung hat sich auf die folgenden Punkte verpflichtet:

  • Alle Geräte, die produziert aber nicht verkauft wurden, werden mit neuen, auf ihre Funktionsfähigkeit geprüften Akkus versehen und komplett weiter verwendet.
  • Ca. 2.3 Millionen Geräte wurden verkauft und weltweit zurückgerufen. Bestandteile, die nicht im Verdacht stehen zu den Bränden beizutragen, darunter hochwertige Kameras, Chips, Vibrationsalarme, Mikrofone usw. werden ausgebaut und in zukünftigen Samsung-Geräten wieder verwendet.
  • Aus den restlichen Komponenten und Geräten werden bei zertifizierten Recyclern Rohstoffe extrahiert. So können z.B. Kupfer, Nickel, Gold und Silber sowie einige Seltene Erden effizienter zurückgewonnen werden, als wenn sie einfach nur eingeschmolzen würden.
  • Außerdem will Samsung an neuen Forschungsprogrammen der Europäischen Union teilnehmen, die zum Ziel haben, umweltfreundliche Technologien beim Smartphone-Recycling zu entwickeln.

Ohne dich wären die Smartphones im Müll gelandet

Wenn nicht so viele Aktivitäten stattgefunden und sich nicht so viele Menschen weltweit beteiligt hätten, dann wäre es uns nicht gelungen, Samsung davon zu überzeugen, die Umwelt an erste Stelle zu stellen.

Jetzt muss Samsung den Worten Taten folgen lassen. Und wir werden ihnen dabei genau auf die Finger schauen. Wir wollen nicht nur Samsung davon überzeugen, dass ein zukunftsfähiges Unternehmen Schritte hin zu einer Kreislaufwirtschaft machen und sein Geschäftsmodell erneuern muss.

Aus dem Note-7-Desaster können alle lernen

Es macht keinen Sinn hochwertige Geräte zu produzieren, deren Nutzungsdauer in der Regel kaum mehr als 2 Jahre beträgt. Apple, Huawei, Samsung oder Lenovo und co. müssen Telefone und Tablets produzieren, für die Soft- und Hardware-Upgrades erhältlich sind, die sich reparieren lassen und deren Komponenten weiterverwendet werden können.

IT-Konzerne haben schon so oft gezeigt, dass die Kombination aus Technologie und Kreativität  überholte Geschäftmodelle überwinden kann, jetzt muss es zum Wohle der Umwelt auch im Smartphone-Sektor gelingen. Wir hätten nichts dagegen, demnächst andere Firmen loben zu können, z.B. weil sie ihre Lieferkette zu 100% mit erneuerbaren Energien versorgen oder keine gefährlichen Chemikalien einsetzen. Oder weil es endlich gelingt, ein modernes Produktdesign mit modularer Bauweise zu verknüpfen, so dass Komponenten repariert bzw. ausgetauscht werden können.

Mal sehen, wann es soweit ist.

 

Format
Analyse

Michael Dettbarn

Michael Dettbarn (*1983) hat in Berlin und Barcelona Neuere Deutsche Literatur, Philosophie und Psychologie studiert.


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