Bäume im Great Bear Rainforest
Sandra Hieke
02.02.2016

Großer Erfolg für den Great-Bear-Regenwald

Es gibt nur einen einzigen Ort auf dieser Welt, wo weiße Schwarzbären – so genannte Geisterbären – durch die Wälder streifen, wo über tausendjährige Rotzedern Bärte aus Flechten tragen und Küstenwölfe in den Jagdgründen der Orcas schwimmen: Der Great-Bear-Regenwald ist einer der größten noch verbliebenen gemäßigten Küstenregenwälder der Erde und zugleich einer der schönsten Orte auf diesem Planeten. Wie ein Märchenwald erstreckt er sich nördlich von Vancouver Island an der Westküste Kanadas entlang. 

 

Seit 1997 hat sich Greenpeace für den Schutz dieses einzigartigen Ökosystems vor der mächtigen kanadischen Holz- und Papierindustrie eingesetzt. Nach fast 20 Jahren Kampagnenarbeit für seinen Schutz, zähen Verhandlungen und unzähligen Aktionen in aller Welt sind endlich 85 Prozent der bewaldeten Fläche des Gebietes frei von industriellem Holzeinschlag

Warum wir fast 20 Jahre für diesen Wald gekämpft haben? Mein Kollege Eduardo Sousa, Wald-Experte im kanadischen Greenpeace-Büro, hat seine persönlichen Top 7 der vielen guten Gründe dafür zusammengestellt:

1. Der Geister- oder Kermodebär ist einmalig auf der Welt. Er ist eine Unterart des nordamerikanischen Schwarzbären, ein Teil der Tiere hat weißes Fell. Seine Heimat ist einzig der Great-Bear-Regenwald. Vielen der hier lebenden indigenen Gemeinschaften ist er heilig. 

Geisterbär

  
2.  Warum die Bäume in den Urwäldern des Great Bär Regenwaldes so gigantisch groß werden? Weil Bären die Reste der von ihnen verspeisten Lachse im Wald liegen lassen. Die Nährstoffe aus diesen Resten gehen in die Erde über und werden von den Bäumen aufgenommen. In manchen alten Bäumen konnte sogar Lachs-DNA nachgewiesen werden.

Baumriese und Oliver
Mein Kollege Oliver Salge neben einem der Baumriesen des Great Bear-Regenwalds.

3. Der bedrohte Marmelalk baut kein Nest, sondern macht es sich im Moos aus (und auf) den Baumkronen alter Bäume gemütlich.

Marmelalk
Der Marmelalk ist auch ein Wasserfreund

4. Im Great-Bear-Regenwald liegen die traditionellen Gebiete von mindestens 26 First Nations - so werden die werden die indigenen Völker Kanadas genannt.

First Nations in Kanada

 
5. Manche Gedenkstätten der First Nations sind über 10.000 Jahre alt.

Malereien der First Nations

 
6. Die Zedern des Great Bear Regenwaldes sind seit Jahrtausenden eng mit dem kulturellen und spirituellen Leben der First Nations verknüpft.

Rote Zeder im Great Bear Forest

7. Es gibt Webcams, die jederzeit live ein Stück dieser faszinierenden Waldlandschaft an jeden Ort der Welt bringen (hier und hier).

Tags
Kanada
Topic
Wälder
Format
Analyse

Sandra Hieke

Sandra Hieke

Sandra Hieke ist Diplom-Forstwirtin und setzt sich für den Erhalt und Schutz von Wäldern, sowie eine ökologisch und sozial verträgliche Waldbewirts


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Hallo, da Nachrichten über das Abkommen zum Great Bear Rainforest gerade in einem großen Kanada-Forum aufgekommen sind, habe ich ein paar geografische Fragen dazu. Ich gehe mal davon aus, dass Haida Gwaii geografisch nicht zum GBR zählt, obwohl das Archipel auf einige Karten mit dazu gezählt wird. Wie ist dann der aktuelle Schutzstatus der gemäßigten Regenwälder dort und auch auf Vancouver Island? Und gibt es schon irgendwelches Kartenmaterial, welches die "85%" genauer zeigt? Welchen Einfluss hat das Abkommen dann auf eine leider wieder aktueller werdende "Northern Gateway Pipeline" und den "Tankerhafen", da Kitimat ja nicht im GBR liegt, die Fjorde dorthin allerdings doch? Auf die anfänglichen Aussagen von Trudeau kann man ja leider auch keinen großen Wert mehr legen.
Gruß
Can Borges