25.04.2016

Wie Mikroplastik die Meere vergiftet

Plastik in Kosmetik? Die kryptischen Angaben auf den Verpackungen helfen selten weiter.

Wenn ich wissen will, was in Duschgel oder anderen „Wellness“-Produkten drin steckt, helfen mir die kryptischen Angaben auf der Rückseite nicht weiter. Komplett in Großbuchstaben geschrieben, wirkt es wie ein Buchstabensalat: „AQUA, SODIUM LAURETH SULFATE, ETHYLEN-VINYLACETAT-COPOLYMER, POLYETHYLEN, POLYETHYLENTEREPHTHALAT,...“ Okay, AQUA verstehe ich noch. Aber der Rest erinnert mich eher an meine Chemie-Prüfung in der Uni als an Wellness. Kann das gut für mich und die Umwelt sein?

Es ist offensichtlich, dass wir Konsumenten nicht verstehen sollen, woraus die Gels, Cremes, Peelings und Sprays in unserem Badezimmer bestehen. Während genug Platz auf der Packung für Versprechungen aller Art ist - die Haut zarter, die Zähne weißer und die Falten kleiner – verbirgt sich im Kleingedruckten die unschöne Wahrheit, dass allerlei Chemie und Plastik auf unserer Haut und im Abwasser landet. 

Beispiel Peeling: Die Kunststoffe Polyethylen und Polypropylen sorgen in Form von Plastik-Kügelchen für den Abrubbel-Effekt. Abgestorbene Hautzellen werden entfernt und die Haut strahlt wieder. Über den Abfluss fließt das Plastik in die Kanalisation und über die Kläranlagen in Flüsse. Denn dieses Mikroplastik ist für die meisten Kläranlagen zu klein, um herausgefiltert zu werden. 

Vermüllung der Meere nimmt zu

Wie auch aus großem Müll Mikroplastik wird, erklärt dieses Video ganz hübsch:

Mal abgesehen davon, dass ich weder flüssiges Plastik noch Plastik-Kügelchen auf meiner Haut haben will, will ich noch weniger, dass es im Magen von Fischen, Walen, Robben und Vögeln landet. Und das ist leider längst Fakt.

Von 633 Arten im Meer ist laut Studie vom Umweltbundesamt bekannt, dass sie unter der Vermüllung der Ozeane durch Plastik leiden. Mikroplastik führt zu Verletzungen des Verdauungstrakts, zur Verstopfung des Magens und des Darms, zu Verhungern bei vollem Magen. Die Größe des Problems liegt an der Winzigkeit seiner Teilchen von unter 5 Millimetern.

Und so läuft das ab: Kleinste pflanzliche Organismen im Meer sammeln sich an den Kunststoffteilchen an. So entsteht ein winziges, mit Plastik verunreinigtes Nahrungsklümpchen. Auch Zooplankton, kleinste Krebstierchen, schlucken das Plastik. So findet der Kunststoff Eingang in das pflanzliche und tierische Plankton, die Grundlage der Nahrungskette der Meere.

Gemeinsam mit dem Plankton schwimmen die Plastikpartikel durch die mächtigen Ozeane unseres Planeten. Fischlarven schnappen nach ihnen, Muscheln filtern das Meerwasser und nehmen sie in sich auf, gigantische Blauwale und die größten Fische der Erde, die Walhaie, schlucken das Mikroplastik.

Gewaltige Strömungen tragen das Plastik tausende von Kilometer weit bis enorme Mengen von großen Plastikmüll-Teilen und den sehr, sehr kleinen Teilen in den fünf großen Ozeanwirbeln zirkulieren. Dass diese natürlichen Meereswirbel mittlerweile nur noch als „Müllstrudel“ bezeichnet werden, ist das traurige Ergebnis einer jahrzehntelangen Verdreckung der Weltmeere.


Einige engagierte Wissenschaftler und Aktivisten wie der Niederländer Boyan Slat arbeiten an Gerätschaften, mit denen sich größerer, treibender Plastikmüll aus dem Meer sammeln lässt. Angesichts der unglaublichen Menge von mindestens 150 Millionen Tonnen Kunststoff im Meer gleicht das einer Sisyphosaufgabe, denn jährlich kommen etwa 13 Millionen Tonnen neu hinzu.

Plastik abschminken!

70 Prozent des Mülls ist zudem bereits auf den Meeresgrund gesunken, wo er ganz langsam in immer kleinere Teile zerfällt und seinerseits zu Mikroplastik wird. Mikroplastik kann man nicht so einfach aus dem Meer sammeln. Es ist so klein, dass man gleich das Plankton mit herausfiltern würde. Und das ist, wie gesagt, die Nahrungsgrundlage des Lebens im Meer. Umso dringender darf die Menge an Plastikmüll, Plastik-Pellets und Peeling-Kügelchen nicht mehr größer werden.

Ich werde mir den Spaß machen, ab jetzt alle möglichen plastikfreien Alternativen im Alltag auszuprobieren. Meine ersten Versuche, Peeling, Duschgel und Deo selber zu machen, haben so gut geklappt, dass ich an dieser Stelle nun regelmäßig Rezepte zum Selbermachen veröffentliche. Denn so wie viele kleine Plastikteile zu einem großen Problem, führen viele kleine Veränderungen zu einer großen.

#Wellemachen für Meere ohne Plastikmüll: www.greenpeace.de/wellemachen

Topic
Meere

Lisa Maria Otte

Lisa Maria Otte (*1982) ist Digital Campaignerin bei Greenpeace. Sie schreibt über die Themen Ernährung und Tierschutz.


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