Gesche Jürgens
10.02.2017

Lebendige Demokratien schützen vor Umweltzerstörung

Greenpeace Waldcampaignerin Gesche Jürgens berichtet über die Protest in Rumänien, die auch ein Kampf gegen Korruption und Umweltzerstörung sind.

Seitdem ich mich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen in Rumänien für den Schutz der verbliebenen Urwälder und gegen illegalen Holzeinschlag einsetze, verfolge ich die aktuelle Entwicklung in dem Karpatenland mit anderen Augen.

Letzte Woche drehten sich unsere Gespräche einmal nicht vorrangig um das Thema Wald. Denn als die kürzlich ins Amt gewählte Regierung ein Gesetz erlassen wollte, welches Korruption und Amtsmissbrauch bis zu einem gewissen Maß legalisiert hätte, war die Empörung bei meinen Kolleginnen und Kollegen groß. Und nicht nur bei ihnen: Die Rumänen gingen auf die Straße und zeigten der Regierung, was sie von ihren Plänen hielten. Hunderttausende Menschen protestierten allabendlich in Bukarest und weiteren Städten des Landes gegen Korruption und Vetternwirtschaft – und für eine aktive Zivilgesellschaft und partizipative Demokratie.

Mit dabei natürlich meine Kollegen: Mit den Slogans #resist und „Democracy is the cleanest environment“ machten sie darauf aufmerksam, dass die geplanten Gesetzesänderungen auch für unseren Einsatz zum Schutz der Umwelt drastische Folgen gehabt hätte. 

Denn gerade wenn es um den Schutz der Wälder geht, sind wir in Rumänien auf einen funktionierenden Rechtsstaat angewiesen. Der illegale Einschlag von Holz und die Missachtung der bestehenden Gesetze sind immer noch ein immenses Problem. Die Zerstörung ökologisch höchst wertvoller Waldgebiete, der Schwund an Artenvielfalt und die Zerschneidung von Lebensräumen bedrohter Tierarten wie Bär und Luchs sind die traurigen Folgen. Doch auch wirtschaftlich ist insbesondere der illegale Holzeinschlag ein großes Problem: Geschätzte 8,8 Millionen Kubikmeter Holz „verschwinden“ jährlich aus Rumäniens Wäldern.

Zurück zu den Protesten: nach fünf Tagen, in denen hunderttausende Menschen die friedlichen Proteste fortsetzten, lenkte die Regierung schließlich ein und zog die geplante Gesetzesänderung zurück. Auch der Justizminister musste seinen Hut nehmen.

Ich bin beeindruckt und berührt. Die Proteste in Rumänien haben gezeigt, was wir erreichen können, wenn unsere demokratischen Prinzipien bedroht werden und wir sie gemeinsam verteidigen. Die Welt blickten in den letzten Wochen vor allem nach Amerika, aber auch nach Rumänien: mit Bewunderung für den zivilgesellschaftlich organisierten Protest und den Einsatz der Menschen für eine weiterhin demokratische Zukunft ihres Landes.

Was in der vergangenen Woche in Rumänien passierte, sollte uns alle inspirieren. Denn es zeigt zwar, dass wir – selbst in Europa – leider immer noch um fundamentale Rechte kämpfen müssen. Doch es zeigt ebenso, dass wir diesen Kampf gewinnen können. Es gibt höchst beunruhigende Entwicklungen in der Welt, aber auch viele ermutigende Zeichen. Gerade jetzt  müssen wir weltweit zusammenstehen und uns noch stärker dafür einsetzen, den Weg in eine friedliche Zukunft einzuschlagen: eine Zukunft, in der wir im Einklang mit unserem Planeten leben – und nicht einen ständigen Kampf gegen ihn führen. Der friedliche Widerstand in Rumänien und der direkte Austausch mit meinen Kollegen haben mir jedenfalls einen ordentlichen Kraftschub dafür gegeben. Count me in!
 


Gesche Jürgens

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens (*1979) ist studierte Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit Juni 2011 bei Greenpeace als Kampaignerin für Wälder.


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