Hanno Groth
13.09.2016

Wie finde ich Outdoor-Bekleidung ohne gefährliche Chemie?

Wie man die Natur auch ohne gefährliche Chemie in Kleidung genießen kann.

Ich bin gerne draußen. Ich mag das Gefühl von Wind und die Wärme der Sonne. Sogar Regen mag ich: Sein Schleier am Horizont, das Klopfen auf Dächern und Blättern, Tropfen auf der Haut. Der Lärm, die Luft, der Stress von Großstädten befeuert in vielen von uns die Sehnsucht nach Natur. Deshalb kaufen wir Produkte, die uns Natur und Freiheit versprechen. Zum Beispiel Outdoor-Kleidung. Immer häufiger sehe ich Menschen in den bunten Jacken von Mammut, Jack Wolfskin und Co auf der Reeperbahn oder an den Landungsbrücken. Mit der Kleidung können Extremsportler den Mount Everest besteigen, jetzt sind sie fester Bestandteil der Großstadtmode.

Obwohl die meisten von uns selten auf Berge steigen, steht Outdoor-Bekleidung hoch im Kurs. Mit neuen Farben und Schnitten machen Firmen Hightech-Mode alltagsfähig und erschließen neue Zielgruppen wie Kinder. Der Markt boomt. Doch der Trend hat eine Schattenseite. Viele Hersteller verwenden sogenannte per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Einige PFC kommen in der Umwelt nicht natürlich vor und stehen im Verdacht, die Fortpflanzung zu schädigen, das Tumorwachstum zu fördern und schon in geringsten Mengen den Hormonhaushalt zu stören. Weil sie sich nicht natürlich abbauen, kann man diese Stoffe mittlerweile in Eisbären am Nordpol, in Pinguinen am Südpol oder in Muttermilch finden. Greenpeace-Messungen haben in der Luft von Outdoor-Läden eine bis zu 60-mal höher PFC-Konzentrationen als in Vergleichsräumen wie Büros oder Seminarsälen nachgewiesen.

Doch immer mehr Hersteller entwickeln ein Bewusstsein für das Problem. Einige verzichten bereits auf ganz auf PFC oder bieten PFC-freie Produkte an. Andere behaupten weiter, Kunden und ihren Ansprüchen seien der Grund für die Verwendung von gefährlichen Chemikalien. Absurd: Denn immerhin werben viele Marken großflächig mit Natur, ohne den Einsatz dieser Stoffe zu erwähnen. Dabei wären giftfreie Produkte für viele Kunden ein Kaufkriterium. Und so klingt es wie Ironie: Ausgerechnet unser Wunsch nach mehr Natur belastet die Umwelt. Worauf du beim Einkauf achten kannst, haben wir in dem interaktiven Video unten zusammengefasst.

Mich persönlich wundert, dass ich bei extremen Wetter draußen so wenigen Menschen begegne. Fast alleine jogge ich bei starkem Wind, Sturm und Regen um die Alster. Geht es nach den Aussagen der Hersteller, wurde Outdoor-Kleidung hierfür gemacht. Aber vielleicht sollten wir uns – statt den Werbeversprechen der Hersteller zu folgen – fragen: Was brauche ich wirklich? Auf Berge und durch Unwetter kommt man auch ohne PFC. Ich jedenfalls.

 


Hanno Groth

Hanno Groth

Hanno Groth hat Politik studiert und arbeitet seit 2012 als Web-Campaigner bei Greenpeace Deutschland.


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Ich habe vor einiger Zeit - unter anderem auf Basis der GP-Artikel - versucht herauszufinden, das Thema auch auf Sportartikel-Anbieter auszuweiten, leider kommt man da als "Privatmensch" nicht sonderlich weit. Zwar lassen sich einige Daten und Fakten auch von Outdoor-Kleidung auf Sportkleidung übernehmen, aber es ist schwierig zu sagen, welcher Anbieter da empfehlenswert ist. Vielleicht wisst Ihr da mehr?

Mein Artikel: http://sportbleibtmord.de/chemie-laufkleidung-wie-ist-der-stand/

Danke!
Danke für die Nachfrage und für den schönen Artikel. Wir haben tatsächlich immer wieder Sportartikelhersteller im Blick und testen öfter ihre Produkte. Vor zwei Jahren (zur WM) haben wir Fußballschuhe getestet (www.greenpeace.de/themen/adidas-gift-im-wm-schuh). Unter anderem Adidas und Puma haben beteuert, in Zukunft giftfrei zu produzieren. Zum Stand der Firmen haben wir vor Kurzem eine Übersicht veröffentlicht: www.detoxcatwalk.de. Da Test recht teuer und aufwendig sind, sich außerdem Sortimente ständig ändern, können wir nur Stichproben nehmen. Deshalb fehlen einige Hersteller in unseren Untersuchungen. Allerdings gibt es mittlerweile wenige Ausreden für Marken, nicht eigenständig zu handeln. Das Problem mit PFC & Co muss allen bekannt sein. Umso wichtiger, dass wir als Kunden in Läden, über Social Media oder mit eigene Artikeln immer wieder nachfragen. Das hilft uns ungemein bei unserer Arbeit!