12.10.2016

Reparieren statt Wegwerfen

Auf dem ersten Greenpeace Repair-Café werden Displays ersetzt, Batterien ausgetauscht und erforscht, was in unseren Smartphones alles drin steckt

Nach diversen Unfällen mit entflammbaren Akkus in seinem neuen Smartphone-Modell zieht der Elektronikhersteller Samsung die Notbremse: Die Produktion des Galaxy Note 7 wird eingestellt. Schon im September hatte der südkoreanische Hersteller angekündigt, alle bisher ausgelieferten 2,5 Millionen Geräte zurückzunehmen und auszutauschen – ein gigantischer Ressourcenverbrauch, der viele Fragen aufwirft: Welche Folgen hat unser Hunger nach immer neuen schnelleren, größeren Smartphones? Brauchen wir immer neue Smartphones? Und welche Alternativen gibt es?

Die Alternative: Reparieren statt Wegwerfen!

Am vergangenen Sonntag kamen in Hamburg viele Menschen zusammen, die nach einer echten Alternative zum nächsten Smartphone-Kauf suchen: Beim ersten Greenpeace Repair-Café wurde mehr als zwanzig altersschwachen Geräten neues Leben eingehaucht. Zusammen mit Experten konnten Besucher Defekte an ihrem Smartphone diagnostizieren, kaputte Displays reparieren und alte Akkus austauschen.

Wir können es uns nicht leisten, jährlich 2-3 Milliarden Smartphones zu produzieren

Gründe, zum Werkzeug zu greifen, gibt es genug. Die Produktion von Smartphones und vergleichbaren Elektronikgeräten verbraucht Unmengen Energie, nutzt gefährliche Chemikalien und benötigt wertvolle Rohstoffe, die oft unter furchtbaren Bedingungen gewonnen werden. „Wir können es uns nicht leisten, jährlich zwei bis drei Milliarden Smartphones zu produzieren“ meint deshalb Matthias Huisken, der beim Repair-Café einen Vortrag über die Reparierbarkeit von Smartphones hält. Matthias arbeitet für iFixit.com – einer Plattform, die sich auf Reparatur-Anleitungen für technische Geräte spezialisiert hat und diese als Videos und Schritt-für-Schritt-Anleitungen kostenlos bereitstellt. Ein anderer Anbieter in dem Bereich ist idoc.eu.

Auch Tina Trinks hält am Sonntag einen Vortrag über ein ganz besonderes Projekt, bei dem sie seit Jahren mitwirkt: Fairphone. Das Unternehmen wurde gerade mit dem deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Die Idee ist einfach: Tina und ihre Mitstreiter wollen zeigen, dass sich ein Smartphone unter fairen und nachhaltigen Herstellungsbedingungen entwickeln und verkaufen lässt. Notwendig ist dafür eine möglichst transparente Lieferkette und Bedingungen, die man an Zulieferer und Entwickler stellt.

Das Fairphone misst sich an dem Anspruch, den das Fairphone-Projekt auch an die Produktion von Smartphones anderer Hersteller stellt. Das modulare Design sorgt dafür, dass auch Hardware-Upgrades und Reparaturen von Kernkomponenten möglich sind. Die durchscheinende Rückseite wirkt wie eine Aufforderung: Transparenz! Andere Hersteller verfolgen bereits einen ähnlichen Ansatz wie Fairphone: Auch das Shiftphone wirbt mit Nachhaltigkeit, Transparenz und fairen Herstellungsbedingungen.

Tina Trinks von Fairphone

Wo kann ich mein Smartphone selber reparieren?

2009 wurde erstmals ein Repair-Café geöffnet, auf denen Haushalts- und Alltagsgegenstände vom Mixer bis zum Smartphone wieder instand gesetzt werden. Auch in Deutschland gibt es hunderte von Initiativen und regelmäßige Treffen von Ehrenamtlichen, die beim Reparieren helfen.

Das nächste Repair-Café von Greenpeace ist für den 12.11. geplant. Dann soll nicht nur in Hamburg, sondern in ganz Deutschland zum Reparieren eingeladen werden.

Format
Fundstücke

Michael Dettbarn

Michael Dettbarn (*1983) hat in Berlin und Barcelona Neuere Deutsche Literatur, Philosophie und Psychologie studiert.


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