Schweine in einem Schweinemastbetrieb bei Sittensen
Portrait Martin Hofstetter
06.01.2017

Christian Schmidt will, dass ihr mehr Schnitzel esst

Wenn es nach unserem Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ginge, müssten die Uhren zurückgedreht werden. Statt gesünderem Essen sollte es in jeder Kita und Schulmensa in Zukunft häufiger Schweinefleisch geben. Und Lebensmittel wie Veggy-Schnitzel oder Soja-Bouletten würden gleich ganz verboten werden - zumindest unter diesen Namen, denn die - so der Minister - seien "irreführend". (Die Begriffe „Lachsschinken", "Fleischpflanzerl" und "Kartoffelwurst" scheinen ihn indessen nicht weiter zu stören).  

Was ist mit dem Mann los? Hat das Weihnachtsmenü ihm nicht nur den Magen, sondern auch den Kopf verdreht? Sind wir bereits im Wahlkampf, wo jede Dummheit verbreitet werden darf, Hauptsache die eigene Klientel (in diesem Fall die Landwirte) klatscht Beifall? 

Herr Schmidt, so geht's nicht weiter!

Nicht nur den Tieren, sondern auch den Tierhaltern geht es in Deutschland schon seit geraumer Zeit schlecht. Sie wurden jahrelang auf das Motto "Masse statt Klasse" eingeschworen: Immer größere Bestände auf immer engerem Raum.

Doch die Rechnung geht nicht auf. Mehr und mehr Menschen verlieren ihren Appetit auf Fleisch. Dadurch entstehen immer größere Überschüsse, die Preise für exportiertes Fleisch und Milchprodukte sinken.
 
Und was macht der Minister dagegen? Er verhindert jeden Versuch, die Tierhaltung in Deutschland auch nur ein kleines bisschen besser zu machen – denn sie würde dadurch ja teurer werden. Lieber fährt er nach Asien und macht Werbung für Schnitzel „made in Germany“ - worüber sich bei uns vor allem die Futtermittelfirmen und Großschlachter wie Tönnies freuen. Beim Bauern bleibt nichts hängen.

Im letzten Jahr haben fünf Prozent der Milch- und Schweinehalter aufgegeben. Weil es der Export nicht bringt, muss nun hierzulande das Geschäft mit Schweinebauch und Würstchen angekurbelt werden. Dabei ist klar: Wir essen schon heute viel zu viel Fleisch. Und gerade junge Manschen sollten sich besser ernähren, um Übergewicht und anderen Erkrankungen vorzubeugen.

Nahrungsmittel auf einem Tisch
Mehr als ein Drittel der weltweiten Treibhausgase kommen aus der Landwirtschaft, ein Großteil davon aus der Fleischproduktion. Um das Klima zu schützen, muss unser Fleischkonsum deshalb bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent sinken.

Kursbuch Agrarwende 2050: Wir brauchen eine Ernährungswende!

Greenpeace hat sich mit einem Kursbuch zur Agrarwende bis 2050 Gedanken darüber gemacht, wie in Zukunft Ernährung und Landwirtschaft ausschauen müssen, damit Böden, Gewässer und Luft nicht weiter übernutzt werden, Artenvielfalt wiederhergestellt und Klimagase reduziert werden. Und die Landwirte eine reelle Überlebenschance haben.

Herausgekommen ist dabei ein Zukunftsbild, das sich deutlich von dem von Herrn Minister Schmidt unterscheidet. Auf den Speiseplänen der Zukunft steht halb so viel Fleisch wie heute, dafür mehr Obst und Gemüse und in den Ställen stehen folglich deutlich weniger Tiere. Die Landwirtschaft müssen wir dafür insgesamt drastisch umbauen.

Auch wenn nicht alle Bauern Biobauern werden, so werden doch ökologische Kriterien in Ackerbau und Viehzucht in Zukunft bei allen Bauern eine viel größere Rolle spielen müssen.   
Die Bauern werden keine Pestizide mehr einsetzen, daraus resultieren niedrigere Erträge. Tiere bekommen mehr Platz und Auslauf. Richtig: Lebensmittel werden dadurch teurer. Und es stimmt auch, dass der Lebensmittelexport dadurch abnehmen wird.

Was ist uns wichtiger?

Wir haben die Wahl: Niedrigste Preise, verzweifelte Bauern im Hamsterrad des Wachsens oder Weichens, eroberte Weltmärkte auf Kosten geschundener Kreaturen und belasteter Böden. Oder: Gesunde Ernährung, Artenvielfalt, sauberes Trinkwasser und eine klimafreundliche Landwirtschaft. Die Entscheidung für das eine oder das andere ist mehr als eine private Angelehenheit, sie hat auch eine gesellschaftliche und politische Dimension. Der einzelne Verbraucher kann dabei helfen, aber das Problem allein nicht lösen.

Wir können nicht so lange warten bis Politiker wie der jetzige Agrarminister - eher Lobbyist der Fleischindustrie als wirklicher Wählerverteter - darauf die richtige Antwort findet! Es ist Wahljahr: Unterstützen Sie die Politiker, die eine gute Zukunft für uns alle im Fokus haben.

 



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