Luftaufnahme brennender Torfmoor-Wälder in West Kalimantan, Indonesien
Gesche Jürgens
15.03.2017

Über Bankgeschäfte auf Kosten der Wälder

Vor ein paar Wochen lenkte Europas größte Bank nach einer Greenpeace-Kampagne ein: HSBC sagte zu, zukünftig nicht mehr in Konzerne zu investieren, die für Palmöl Wälder und Torfmoore zerstören und Menschenrechte verletzen. Ein Erfolg, aber auch nur ein erster Schritt, denn zum einen bleibt abzuwarten, wie HSBC die neuen Richtlinien umsetzt – zum anderen ist die Bank nur einer der zahlreichen Geldgeber von Firmen mit zerstörerischen Geschäftspraktiken. Andere Banken müssen nachziehen.

Waldzerstörung für Palmöl in Zentral-Kalimantan
Leider ein typisches Bild in vielen Teilen Indonesiens: Ursprüngliche Wälder werden plattgemacht, Bewässerungskanäle gezogen, um Palmölfelder anzulegen - hier in der Nähe des Tanjung Puting Nationalparks in Zentral-Kalimantan

Greenpeace legte im Januar offen, wie HSBC an der Finanzierung von Regenwaldzerstörung beteiligt ist, und benannte siebzehn weitere Banken, die ebenfalls in Geschäfte mit fragwürdigen Palmölfirmen verstrickt sind.

Auch zwei deutsche Banken nahm Greenpeace unter die Lupe: die Deutsche Bank und die Commerzbank. Beide Banken verzichten auf strenge Investment-Auflagen, die sie ausreichend davor schützen könnten, Geschäfte mit Firmen zu machen, die zu Lasten von Menschen und Wäldern wirtschaften. 

Wie sich die Banken zum Thema Palmöl äußern 

Die Commerzbank ist Mitglied beim Runden Tisch für „nachhaltiges“ Palmöl (RSPO), der nachweislich die Zerstörung von Wäldern und Torfmooren zulässt. Zahlreiche RSPO-Mitglieder sind außerdem in soziale Konflikte - z.B. den Streit um Landrechte - verstrickt. Als Voraussetzung für Finanzleistungen akzeptiert die Commerzbank eine RSPO-Mitgliedschaft. Die Bank sagt, sie würde dadurch zu einer nachhaltigen Entwicklung des Palmöl-Sektors beitragen. Diese Behauptung ist absurd. 

Der Greenpeace-Report hat auf Basis von Bloomberg-Daten gezeigt, dass die Commerzbank Geschäftsbeziehungen mit der Noble Group unterhält: Der Firma wies Greenpeace die Zerstörung von Wäldern, die Verletzung von Rechten der lokalen Bevölkerung und weitere soziale Konflikte nach - obwohl die Bank sich verpflichtet hat, Menschenrechte zu achten. Die Noble Group verfehlte auch den vom RSPO vorgeschriebenen Zeitplan für die Zertifizierung nach dessen Kriterien - offenkundig ein Verstoß gegen die eigenen schwachen Vorgaben.

Kommen wir zur Deutschen Bank: Auch die unterhält Bloomberg-Informationen zufolge Geschäftsbeziehungen zur Noble Group: Zwischen 2013 und 2016 war das Finanzhaus an vier Krediten beteiligt. Gemeinsam mit anderen Banken flossen rund 4 Milliarden Dollar an Noble. Von 2013 bis 2016 war die Deutsche Bank auch an einer Anleihe über 160 Million chinesische Renminbi an die Noble Group beteiligt.

Derzeit ist die Deutsche Bank Bloomberg zufolge noch an zwei Unternehmensanleihen an Noble über je 400 Mio. Dollar beteiligt. Eine dieser Anleihen läuft noch bis 2018, die andere hat keinen Fälligkeitstermin. Auch zur Finanzierung der Firma First Pacific, deren Tocher Salim Group / Indofood nachweislich Regenwälder zerstört, trägt die Deutsche Bank bei. Zusammen mit anderen Banken ist die Deutsche Bank an einer Anleihe über 400 Mio. Dollar beteiligt, die noch bis 2019 läuft.
 
Die Deutsche Bank ist kein RSPO-Mitglied, hat ihre Anforderungen für palmölverwandte Investitionen aber zumindest in einer detaillierteren Policy (PDF) dokumentiert. Inhaltlich lässt das Dokument jedoch sehr zu wünschen übrig: Der Schutz von Wäldern und Torfmooren wird von Geschäftspartnern nicht eingefordert, sondern lediglich „erwartet“.

Null-Netto-Entwaldung: Der Teufel steckt im Detail

Das Bekenntnis der Deutschen Bank zu „Null-Netto-Entwaldung“ klingt zunächst vielversprechend, aber auch hier steckt der Teufel im Detail. Dieses Ziel lässt weiterhin die Zerstörung riesiger Waldflächen zu – wenn an anderer Stelle aufgeforstet wird. Dass so Urwald unwiederbringlich zerstört werden kann, nimmt die Bank offenbar in Kauf.

Lediglich die Finanzierung von Kinder- und Zwangsarbeit ist für die Deutsche Bank ausdrücklich tabu. Doch selbst hier ist fraglich, dass das Ziel eingehalten wird. Die Deutsche Bank unterhält Geschäftsbeziehungen mit einem Konzern namens Indofood, der zur Salim Gruppe gehört. Indofood wird neben der Zerstörung von Urwäldern auch die Tolerierung von Kinderarbeit vorgeworfen. Wie die Deutsche Bank damit umgeht? Über ihre Kunden hüllt sich die Bank in Schweigen…  

Wer mit wem? Keine Klarheit über Geschäftsbeziehungen

Und hier kommen wir zu einem spannenden Aspekt – der Intransparenz über Geschäftsbeziehungen. Viele Banken schieben hier rechtliche Restriktionen vor. Dabei geht es, wenn man nur will: Kunden der HSBC-Bank etwa müssen zukünftig vor Vertragsunterzeichnung einwilligen, dass die HSBC die Geschäftsbeziehung öffentlich erwähnen darf. Wer Geld von der Bank will, muss bereit sein, Gesicht zu zeigen. 

Wir warten gespannt, ob nun endlich auch andere Banken die Notwendigkeit sehen, die Finanzierung von ökologisch und sozial verantwortungslos handelnden Unternehmen zu stoppen und transparenter mit ihren Geschäftsbeziehungen umzugehen. Um einige von ihnen daran zu erinnern, erscheint in der heutigen Financial Times eine ganzseitige Anzeige – finanziert von mehr als 3500 Greenpeace-Unterstützern. 

Tierpfleger mit Orang-Utan in Ost-Kalimantan
Ein Tierpfleger in Ost-Kalimantan in Indonesien kümmert sich um ein Orang Utan-Junges. Das Tier wurde aus einem Waldstück gerettet, das einer Palmölplantage weichen musste.

Die Bank zu wechseln ist einfacher denn je

Der Appell ist klar: Banken sollten einen genauen Blick auf ihre Kunden werfen und prüfen, ob diese mit zukunftsfähigem Wirtschaften vereinbar sind. Dabei geht es nicht nur um Wälder und Menschen, sondern auch generell um den Erhalt der biologischen Vielfalt und den Klimaschutz.

Ein aufmunterndes Wort zum Schluss: Es ist nicht so, dass man ganz bei Null anfängt: Einige Banken haben ihre Geschäfte bereits an strengen ökologischen und sozialen Kriterien ausgerichtet. Kleiner Hinweis am Rande: Die Bank zu wechseln, ist seit 2016 deutlich einfacher.  

Tags
Palmöl, Urwald
Topic
Wälder

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens

Gesche Jürgens (*1979) ist studierte Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit Juni 2011 bei Greenpeace als Kampaignerin für Wälder.


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