Portrait Jannes Stoppel
16.06.2017

Umweltgipfel, der Klimaschutz und wir

Es ist 25 Jahre her, dass sich in Rio die Mächtigen der Welt auf Ziele für eine nachhaltigere Entwicklung und mehr Klimaschutz einigten. Die UN-Konferenz von 1992 war bedeutsam, weil Umwelt und Entwicklung erstmals vor einem großen Publikum zusammengebracht und -gedacht wurden. 

Damals war ich noch sehr jung. Aber ich engagierte mich schon in einem Greenteam. Ich sammelte, bis zu den Knien im Sumpf, Müll aus dem Wald. Kein Spaß – aber ich glaubte an die gute Sache. Während ich Müll sammelte hielt tausende Kilometer von mir entfernt die 12-jährige Severn Suzuki auf der UN-Konferenz eine beeindruckende Rede.

Mehr Vorsorge

Viele Menschen hofften, dass die Delegierten des Erdgipfels endlich auf die fortschreitende Zerstörung der Natur und die wachsende Ungerechtigkeit in der Weltgesellschaft Antworten finden. Ein Ergebnis der Konferenz war die Rio Deklaration: Die Geburtsstunde des Vorsorgeprinzips und einer umfassenden Definition von nachhaltigem Handeln.

Zudem unterstützte die Rio-Deklaration erstmalig, dass die Zerstörer und Verschmutzter der Natur für ihr Handeln haftbar gemacht werden sollten. Heute sind diese Prinzipien teil vieler Umweltgesetzgebungen und Firmenrichtlinien.

Dicht bewaldetes Flussufer am Rio Negro/Amazonas, Brasilien.

Haben wir ausreichende Antworten gefunden?

Leider nur teilweise. Nach der Konferenz einigte man sich auf ein 350 seitiges Papier - die Agenda 21. Es war ein Plan zur Rettung der Welt. Niemand sollte mehr hungern und die Umwelt, die Regenwälder sollten vor weiterer Zerstörung geschützt werden.

Heute, nach 25 Jahren, leben wir immer noch mit dem größten Artensterben seit Millionen von Jahren, die Erde erhitzt sich rasant, der Klimawandel bedroht das Leben zahlreicher Menschen und die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen. Die Verantwortlichen dafür sollten dringend mehr Verantwortung zeigen. Aber tun sie das?

Nur bedingt: Trump steht für all jene, die nicht bereit sind, verantwortungsvoll und nach den Prinzipien zu handeln, auf die man sich 1992 geeinigt hatte. Ich finde, solche Klimazerstörer gehören eigentlich auf die Anklagebank. Sie gefährden maßgeblich die Zukunft unserer Kinder. Gut ist allerdings, dass sich Klagen gegen Kohle- und Öl-Giganten mehren und durch Druck der Öffentlichkeit, durch medienwirksame Kampagnen auch große Firmen und Konzerne umdenken müssen.

Protest in Berlin gegen Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klima-Abkommen.

Es gibt noch einiges zu tun!

Doch die wirtschaftliche Elite, egal ob in den alten Industrienationen oder den Entwicklungs- und Schwellenländern bereichert sich weiter auf Kosten der Natur, des Klimas und der Armen dieser Welt. Deshalb brauchen wir ein neues Bewertungssystem. Menschen, die die natürlichen Lebensgrundlagen aller und zukünftiger Generationen fördern, sollten belohnt werden. Diejenigen, die die Lebensgrundlagen zerstören, sollten bestraft werden.

Politische Errungenschaften, wie das Pariser-Klimaschutzabkommen, sind positiv zu bewerten aber wie die Länder es umsetzten, muss sich noch zeigen. Es liegt an uns allen. Jeder einzelne Mensch kann mithelfen, sich für eine positive Zukunft im Sinne des Rio-Gipfels einzusetzen. Geht auf die Straße, engagiert euch im Kleinen wie im Großen. So werdet ihr zur Antwort auf die Trumps dieser Welt, die unserem Ökosystem Erde den Finger zeigen.

Wir müssen es endlich ernst nehmen, was uns die Wissenschaft sagt. Es steht uns ein radikaler Wandel unserer Lebensweise bevor. Der will positiv gestaltet werden - von jedem von uns. Beispielsweise müssen wir auf erneuerbare Energien umstellen und Energie sparen. Kohle und Öl sind genauso Geschichte wie das Zeitalter des Verbrennungsmotors.

Alter Buchenwald im Spessart.

Mehr Grün für Planet Erde

Zusätzlich muss unser Fleischkonsum abnehmen, um unseren globalen Fußabdruck zu verringern. Doch mit all dem nicht genug. Wir müssen Kohlenstoff, also ein Teil unserer globalen Kohlendioxid-Emissionen, wieder aus der Atmosphäre speichern und der Biodiversität mehr Raum zum Leben geben. Wir brauchen also mehr Wälder, vor allem mehr alte Wälder, die mehr Kohlenstoff speichern. Wir müssen die Erde wieder grüner machen - überall.

Ihr seht, wir haben noch viel zu tun. Aber jeder kann mithelfen. Ich habe z. B. mein Auto verkauft, kaufe nur Bio-Lebensmittel und habe mir vorgenommen mehr Bäume zu pflanzen – ganz im Sinne von Rio und zum Schutz zukünftiger Generationen. 

Topic
Wälder

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Jannes Stoppel

Jannes Stoppel, MA International Development Studies, schrieb seine Masterarbeit zu Klimaschutzinitiativen in Boliviens Wäldern.


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Ich bitte mich nicht falsch zu verstehen, wenn ich folgende Frage nach Möglichkeiten zur Verlangsamung des Klimawandels stelle. Ich möchte nicht die Dringlichkeit der Reduktion von Treibhausgasemmisssionen bezweifeln. Ich sehe aber viele Bereiche, die in der Diskussion zu kurz kommen. So der Ausstoss durch Flugzeuge, so der Eintrag aus der Landwirtschaft. Nicht nur Methan, sondern auch besonders Lachgas. Besonders scheint aber die Reduktion bereits in der Atmosphäre befindlichen CO2's über globalen Humusaufbau in Kunstdünger freier Landwirtschaft möglich. Sollte dies in dem berechenbaren Umfang möglich sein, so wäre hier eine Hoffnung, die Situation zu wenden, denn die Verringerung des Ausstosses ist erforderlich, aber nicht ausreichend. Gibt es Ansätze für eine PROHUMUS -Kampagne?