Budapest: 70.000 protestieren für eine freie Gesellschaft.
12.04.2017

Ungarn und der Frieden, für den ich stehe

Katalin Rodics, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace Ungarn erklärt, wieso es jetzt so wichtig ist, die Stimme für die Demokratie zu erheben.

Die ungarische Regierung plant derzeit ein Gesetz, das Nichtregierungsorganisationen massiv schaden könnte: Organisationen, die mehr als 7,2 Millionen Forint (23.200 Euro) jährlich von ausländischen Geldgebern erhalten, sollen sich künftig bei Gericht registrieren lassen. Zudem soll bei allen Medienauftritten und Publikationen die Bezeichnung „auslandsunterstütze Organisation“ angeführt werden. Diese diskriminierenden Methoden kannte man bis jetzt vor allem aus Russland und Israel. 

"Im Winter 2017 erhielt ich einen Anruf von einer Kollegin. Sie erzählte mir über eine kleine Gruppe von Leuten auf dem Land, die weit weg von den chaotischen Straßen Budapests, Hilfe benötigten. Eine lutherische Organisation startete gerade ein Projekt, um Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt zu integrieren. Wir entschlossen uns, das Projekt zu unterstützten."

Katalin Rodics spricht auf der Kundgebung in Budapest.
Katalin Rodics spricht auf der Kundgebung in Budapest.

"Diese Entscheidung haben wir nicht bereut: Gemeinsam mit Greenpeace Ungarn plant die Gruppe jetzt einen öffentlichen ökologischen Garten im Budapester Stadtzentrum. Um Hilfe wurde ein Netzwerk von Biobäuerinnen und Biobauern gebeten, das wir über ganz Ungarn aufgebaut haben. Mit biologischen Pflanzen und anderen Materialien werden sie uns helfen, den Garten blühen zu lassen. Bald werden mehr als 100 Menschen mit Behinderung an diesem Projekt arbeiten - und zeigen, dass nachhaltige Landwirtschaft machbar ist."

"Das ist das Ungarn, das ich liebe und auf das ich stolz bin – aufstrebend und integrierend. Ich wünsche mir, dass alle Kinder in einer Gesellschaft aufwachsen können, in der sie den Mut haben, für das einzutreten, an das sie glauben. Das ist das Ziel, das ich anstrebe. Jeden Tag kämpfen zivilgesellschaftliche Organisationen dafür, egal ob groß oder klein. Sie wollen dieses Land sicherer, sauberer und zu einem ökonomisch pulsierenden Ort machen. Doch all das ist in Gefahr, wenn die jetzige Regierung ihren Kurs beibehält."

Demozug zieht über die Donau
Demozug zieht über die Donau.

"Kürzlich wurde ein neues Gesetz ins ungarische Parlament eingebracht. Dieses bedroht die Arbeit von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs)massiv, die sich für unsere Rechte und Umwelt einsetzen. Das Gesetz würde jede Gruppe, die mehr als 23.200 Euro von Personen außerhalb Ungarns erhält, als „ausländischen Agent“ abstempeln und möglicherweise mit Geldwäschern oder sogar Terroristen in Verbindung bringen." 

"Greenpeace ist eine Organisation, die bereit ist, Regierungen und Unternehmen herauszufordern, wenn diese unsere Umwelt verschmutzen – sei es die Luft, die Gewässer oder den Boden. Sich für relevante Dinge einzusetzen, ist wichtig, wenn man in einer freien Gesellschaft lebt. Aber die ungarische Regierung signalisiert, dass sie bestimmte zivilgesellschaftliche Organisationen, schwächen will.

Greenpeacer mit Transparenten auf der Demo in Budapest.
Auch viele Greenpeace-Aktivistinnen und Aktivisten beteiligten sich an der Demo für mehr Demokratie.

"Am vergangenen Wochenende haben sich 70.000 Menschen vor dem ungarischen Parlament versammelt, um für eine freie Gesellschaft und Meinungsfreiheit einzutreten. Mütter, Väter, Schwestern, Brüder, Studenten, Lehrer, Aktivisten - eine Gruppe aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten kam zusammen. Wir werden niemals aufhören unsere Universitäten, Organisationen und unsere freie Gesellschaft zu verteidigen. Gemeinsam stehen wir für eine grünere und friedlichere Welt. 



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