Kohlekraftwerk Grevenbroich plus Windräder
Greenpeace Gastautor
25.04.2016

Verlangen Sie jetzt Klimaschutz!

Ein Gastbeitrag von Volker Quaschning

Im Dezember 2015 wurde in Paris ein neues UN-Klimaabkommen verhandelt, das am 22. April 2016 in New York feierlich unterzeichnet wurde. Das Abkommen ist dringend nötig: Die Folgen des Klimawandels sind kaum noch zu übersehen. Bei „business as usual“ erwarten die aktuellen Klimaberichte für das Jahr 2100 einen Temperaturanstieg um 4 bis 5 °C. Langfristig dürften dadurch die Meeresspiegel um rund 10 Meter steigen. 

Vor dem Pariser Klimaabkommen zielten noch alle Treibhausgasreduktionen auf eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 2 °C hin. Da hierbei auch schon der Untergang tiefliegender Inselstaaten droht, soll nun die 1,5-Grad-Marke eingehalten werden. Dazu müssten die Klimaschutzmaßnahmen nun eigentlich deutlich verschärft werden. 
Klimaschutzziele der Bundesregierung stammen aus den 1980er-Jahren.

Die aktuellen Klimaschutzziele der deutschen Bundesregierung sehen eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 und um 80 Prozent bis 2050 im Vergleich zu 1990 vor. Diese Ziele wurden schon in den 1980er Jahren formuliert und seit dem nur unwesentlich verändert. Damals ging man allerdings von einer deutlich geringeren Steigerung der globalen Emissionen aus und hatte auch nur eine Stabilisierung des globalen Temperaturanstiegs auf 2 °C im Blick. Wollen wir die globale Erwärmung - wie aus guten Gründen in Paris vereinbart - auf 1,5 °C begrenzen, dürften wir etwa ab dem Jahr 2040 gar keine anthropogenen Kohlendioxidemissionen mehr freisetzen. 

Anpassung der Reduktionsziele auf Pariser Klimaschutzbeschlüsse nicht geplant

Doch über eine Anpassung der Reduktionsziele wird nicht nachgedacht. Regierung, Opposition und Think-Tanks machen weiter, als hätte es gar keine neuen UN-Klimabeschlüsse gegeben. Die Regierung arbeitet mit Hochdruck an einer Drosselung des Windenergiezubaus, obwohl bereits mit dem jetzigen Energiewendetempo ihre eigenen laschen Klimaschutzziele unerreichbar sind. Dafür feiert sie das Pariser Klimaschutzabkommen als historischen Erfolg zur Rettung des Planeten. Ein krasser Widerspruch!

Die Grünen träumen derweil offenbar von Schwarz-Grün bei der nächsten Bundestagswahl und wollen den Koalitionspartner in spe nicht verprellen. Mehr als eine Verdopplung des Photovoltaikzubaus ist da für die Parteispitze nicht drin. Und der von der European Climate Foundation getragene Agora-Think-Tank macht sich für einen sanften Kohleausstieg bis 2040 stark. Für das 1,5-Grad-Ziel wird beides nicht ausreichen.

Echter Klimaschutz erfordert 100 Prozent erneuerbare Energien in 25 Jahren

Meinen wir es mit dem Klimaschutz, dem Überleben der Inselstaaten und der 1,5-Grad-Grenze endlich ernst, darf bereits in etwa 25 Jahren gar keine Kohle, Erdöl oder Erdgas mehr verbrannt werden. Gelingt das nicht, müssen wir das zu viel emittierte Kohlendioxid mit so genannten technisch aufwändigen und teuren CCS-Verfahren nachträglich wieder aus der Atmosphäre holen und Untertage endlagern. Doch CCS ist in Deutschland aus guten Gründen politisch kaum durchsetzbar. Daher brauchen wir einen Kohleausstieg bis spätestens 2030.

Berücksichtigt man Produktlebensdauern und Verbraucherschutz, dürften neue Öl- und Gasheizungen bereits in fünf Jahren nicht mehr zulässig sein und neue Autos mit Benzin- und Dieselmotoren in spätestens fünfzehn Jahren Geschichte werden. Dafür ist ein echtes Klimaschutzgesetz dringend erforderlich. Der Klimaschutz gehört außerdem ins Grundgesetz, damit die Bevölkerung endlich auch juristische Möglichkeiten bekommt, der Politik Dampf zu machen.

Nutzen wir die Chance zum Klimaschutz!

All das erscheint ambitioniert und erfordert von den Befürwortern viel Mut und Durchhaltevermögen. Wenn wir aber das Klima wirklich retten und unseren Enkelkindern keinen zerschundenen Planeten hinterlassen wollen, genügen keine große Worte oder Abkommen mehr. Dafür müssen endlich große Taten her! 

Fragen Sie sich doch einfach mal Ihre Abgeordneten, Ihre Lieblings-Oppositionspolitiker, Ihren Energieversorger, VW und andere deutsche Automobilkonzerne sowie andere Industrieunternehmen, Verbände oder Thinktanks, ob sie das Pariser Klimaabkommen befürworten. Ich bin mir sicher, in fast allen Fällen werden Sie ein klares „Ja“ bekommen. Und dann legen Sie nach: Lassen Sie sich erklären, welche schärferen Maßnahmen ihre Gesprächspartner planen, um die 1,5-Grad-Grenze aus dem Pariser Klimaabkommen einzuhalten. 

Nur wenn wir jetzt alle richtig Druck machen, haben das Pariser Klimaabkommen, der Klimaschutz und alle nachfolgenden Generationen eine echte Chance.

 

Der Autor Volker Quaschning (www.volker-quaschning.de) ist Professor für regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin.

Topic
Energiewende

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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In eine bestehende Wechselstrom Trasse soll von Ultranet ein Gleichstromkabwl verlegt werden. Dieses zusätzliche Kabel geht von Nord nach Süd durch Deutschland. Das Thema Elektrosmog darf bei der Energiewende nicht ausgeblendet werden. Greift ihr das auf bevor es zu spät ist?????
Danke für eine Antwort