Rinderzucht in Brasilien
Greenpeace Gastautor
23.03.2017

Gammelfleisch-Skandal in Brasilien deckt krankes System auf

Ein neuer Gammelfleischskandal versetzt Öffentlichkeit und Wirtschaft in Brasilien in Aufruhr. Am vergangenen Wochenende deckte die brasilianische Polizei auf, dass Fleisch-Inspektoren systematisch von großen Fleischkonzernen bestochen wurden. Die Firmen, zu denen global operierende Top-Unternehmen der Branche zählen, bezahlten die Inspektoren, damit diese falsche Zertifikate ausstellen, die unbedenklichen Fleischverzehr deklarieren.

Chemikalien, Pappe und Schweineköpfe

Die Enthüllungen zeigen, dass die Fleischindustrie Chemikalien einsetzte, um den Geruch von Verwesung zu kaschieren. Dass sie ganze Schweinsköpfe in Würste presste. Und dass sie Pappe als Füllsubstanz bei der Verarbeitung von Geflügel verwendete. Lokale Medien berichten, dass auf Brasiliens ehemaligen Landwirtschaftsminister Druck ausgeübt worden sei, einen Aufsichtsbeamten zu ernennen, der den Skandal vertuschen sollte. Viele Familien haben jetzt Angst, die eingefrorenen Fleischprodukte aus ihrem Kühlschrank noch zu essen.

Mehr als dreißig Firmen hatten ihre Finger mit im Spiel - darunter auch JBS, der größte Exporteur von Rinderfleisch weltweit, und BRF, der weltgrößte Exporteur von Geflügelfleisch. Die EU, China, Chile und Hong-Kong haben bereits Importstopps von brasilianischem Rindfleisch verhängt, die gelten sollen, bis die Unbedenklichkeit der Lebensmittel nachgewiesen ist.

Schadensbegrenzung im Steakhouse

Einige Stunden, nachdem der Skandal bekannt wurde, bemühte sich der brasilianische Präsident Michel Temer bereits um Schadensbegrenzung und lud 19 Botschafter in ein Steakhouse ein. Das Signal sollte sein: Seht her, unser Fleisch ist sicher.

Doch das ist reine Augenwischerei. Das Problem kann nicht einfach durch ein Dinner im Steakhouse aus der Welt geschafft werden. Und es ist auch kein Problem, das nur Brasilien betrifft. Vielmehr ist dieser Skandal der jüngste Beleg dafür, dass das System der industriellen Fleisch- und Milchproduktion krank ist. E.Coli, Salmonellen, Listeriose, Vogelgrippe, Schweinegrippe und sogar BSE. Die Liste von Skandalen, Krankheitserregern und Epidemien, die mit der Fleischindustrie in Verbindung gebracht werden, ist lang. In Deutschland sorgte ein Gammelfleischskandal zuletzt 2005 und 2006 für Aufsehen.

Die verantwortlichen Fleisch-Multis sorgen dafür, dass sich ihr Geschäftsmodell überall auf der Welt ausbreitet. Das ganze System beruht auf einem einfachen Grundprinzip: Tiere so schnell wie möglich zu mästen und zu schlachten. Die Methoden sind egal, Hauptsache der Profit stimmt. Das bedeutet, dass Kühe, Schweine und Hühner auf engstem Raum eingepfercht sind, umgeben von ihrem eigenen Kot. In diesen Ställen können Krankheiten keimen wie in einer Petrischale.

Wir müssen "normal" neu definieren!

Wer seine Familie schützen will, muss dieses System ändern. Das heißt: Möglichst wenig Fleisch essen und wenn, dann solches aus besserer Haltung. In punkto Fleisch müssen wir neu definieren, was normal ist. Wir brauchen kein Fleisch in jeder Mahlzeit, um glücklich und gesund zu sein. Das Gute: Es gibt immer mehr fleischfreie Alternative und eine neue, kreative und pflanzenreiche Küche gewinnt immer mehr Anhänger.

Was heißt das für diejenigen, die nicht komplett auf Fleisch verzichten wollen, können oder mögen? "Besseres Fleisch" bedeutet in erster Linie: Fleisch, bei dem der Kunde weiß, wo es herkommt und wie es produziert wurde. Der Gammelfleisch-Skandal in Brasilien verdeutlicht: Besseres Fleisch kommt nicht von den großen Fleischkonzernen. Es kommt von lokalen Bauern, die nicht auf Chemikalien, sondern auf die Kräfte der Natur und Artenvielfalt setzen, um Tiere artgerecht, ohne Antibiotika, ohne Gen-Futter und ohne Express-Mästung aufzuziehen.

Gesunde Menschen und ein gesunder Planet Erde

Weniger Fleisch schützt nicht nur die Gesundheit des Einzelnen, sondern auch die Gesundheit der Erde. Der Appetit der Menschen auf Fleisch und Milchprodukte und die zunehmende industrielle Herstellung haben katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt. Diese reichen von der Zerstörung von Wäldern und Graslandschaften hin zur Verschmutzung von Wasser und Luft und zur Verschärfung der Klimakatastrophe - durch mehr als 14 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Wer weniger Fleisch isst, tut Gutes für seine Gesundheit, das Klima, die Wälder und die weltweite Nahrungssicherheit.

Ob wir uns für Vegetarismus, Veganismus oder einfach deutlich weniger Fleisch auf dem Speiseteller entscheiden: Über seinen Konsum kann jeder zur Lösung des Problems beitragen. Aber wir müssen auch unsere Regierungen anhalten, Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Menschen und des Klimas zu ergreifen, damit Skandale wie der in Brasilien endlich der Vergangenheit angehören!

Gastbeitrag von Davin Hutchins, Kampaigner bei Greenpeace International

 


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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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