21.12.2016

Warum Ethoxyquin nichts im Speisefisch zu suchen hat

Chemie gehört nicht in Fische. Schon gar nicht in Speisefische. Trotzdem hat das von uns beauftrage Labor einiges davon in den 54 Stichproben gefunden, die wir auf Ethoxyquin untersuchen haben lassen. Alle 38 Fischproben aus konventioneller Aquakultur enthalten den umstrittenen Wirkstoff. Davon enthielten 32 Proben mehr als 50 Mikrogramm (µg) pro Kilogramm. Bei Fleisch sind diese 50µg/kg die erlaubte Höchstmenge und wurden von uns als Vergleich herangezogen, da eine Höchstmenge für Fisch nicht existiert.

Schlimm genug, dass Ethoxyquin überhaupt noch eingesetzt werden darf, nachdem es als Pflanzenschutzmittel schon 2011 aufgrund einer Reihe von Bedenken bezüglich seiner Wirkung auf Umwelt und Gesundheit von der EU-Kommission nicht mehr zugelassen wurde. Für Fisch gibt es aber noch nicht einmal eine Höchstmengen-Regelung. Es gibt sie für alle möglichen Nahrungsmittel von Krokodilfleisch bis Froschschenkel - aber nicht für Fisch.

Nun war es genau diese nicht vorhandene gesetzliche Höchstmenge, die auch dem Bundesverband der Deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels e.V. sauer aufgestoßen ist. Nur leider nicht aus Sorge um die Gesundheit der Menschen. Anders als der Bundesverband des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels, BVLH, der in einer Stellungnahme das Fehlen eines Ethoxyquin-Grenzwertes für Fisch bedauert und dafür wirbt “diese Regelungslücke“ dringend zu schließen, fordert der Bundesverband der Deutschen Fischindustrie eine Korrektur der Bewertung. Diese sei nicht korrekt, da Greenpeace die Werte für Ethoxyquin und das sogenannte Ethoxyquin-Dimer addiere. Weil wir solche Bedenken ernst nehmen, haben wir uns die Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zum gesetzlichen Höchstwert noch einmal angesehen. Dort heißt es, dass die „Rückstandshöchstmenge auch für Rückstände des Wirkstoffs oder seiner Metaboliten, die sich aus der Verwendung des Stoffs als Futtermittelzusatz ergeben­­­­­­­­­­“, gilt.  Auch wenn man nur den Metaboliten Ethoxyquin-Dimer heranzieht, bleibt das Ergebnis gleich: Alle 38 Fischproben aus konventioneller Aquakultur sind belastet. Davon liegen 32 Proben deutlich über dem Grenzwert für Fleisch. Die am höchsten belastete Probe liegt mehr als das 17-fache über der gesetzlich erlaubten Höchstmenge.

Auch der Toxikologe Prof. Edmund Maser bestätigt, dass die Bewertung der Laborergebnisse korrekt ist:  „Aufgrund der unsicheren Situation über die Erkenntnisse zur Toxizität von Ethoxyquin und seines Hauptmetaboliten, des Ethoyxquin-Dimers, und aufgrund der viel längeren Halbwertszeit des Ethoxyquin-Dimers müssen aus Gründen des vorbeugendem Verbraucherschutzes bei der toxikologischen Bewertung beide Verbindungen berücksichtigt werden.“

Ungeachtet aller Spitzfindigkeiten: Ethoxyquin hat nichts in Speisefisch verloren. Es muss als Futtermittelzusatz verboten werden. Eine Meinung, die nicht nur Greenpeace vertritt: Auch die Europäische Kommission diskutiert ein entsprechendes Verbot: „Derzeit wird in Brüssel ein von der Europäischen Kommission vorgelegter Vorschlag diskutiert, wonach die Zulassung von Ethoxyquin als Futtermittelzusatzstoff dauerhaft ausgesetzt werden soll […]“, so die Stellungnahme des Umweltministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Es geht nicht um Rechenaufgaben, sondern um die Verantwortung gegenüber Umwelt und Verbraucher.

 

* In der Verordnung heißt es unter Artikel 9, Absatz 7: „Könnte die Rückstandsmenge eines Zusatzstoffs in Lebensmitteln, die von mit diesem Zusatzstoff gefütterten Tieren stammen, sich nachteilig auf die menschliche Gesundheit auswirken, so werden in die Verordnung Höchstmengen für Rückstände des Wirkstoffs oder seiner Metaboliten in den entsprechenden Lebensmitteln tierischen Ursprungs aufgenommen. In diesem Fall wird der Wirkstoff im Sinne der Richtlinie 96/23/EG des Rates (3) als unter Anhang I der genannten Richtlinie fallend betrachtet. Wurde für den betreffenden Stoff bereits eine Rückstandshöchstmenge in den Gemeinschaftsvorschriften festgelegt, so gilt diese Rückstandshöchstmenge auch für Rückstände des Wirkstoffs oder seiner Metaboliten, die sich aus der Verwendung des Stoffs als Futtermittelzusatz ergeben.“

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