18.05.2016

Weltnaturerbe Wattenmeer: einzigartig und bedroht

Was für ein Kampf: Wir haben uns aktiv für das Weltnaturerbe Wattenmeer engagiert. Mit Erfolg. Doch jetzt bedrohen Ölbohrungen das einzigartige Naturschutzgebiet. Wir geben nicht auf!

Ein Gebiet, das "sehr besonders" ist, kommt auf die Weltnaturerbe-Liste der UNESCO. Nach Angaben des Weltnaturerbekomitees wird für eine Anerkennung außerdem verlangt, dass es "einzigartige Naturwerte besitzen, intakt und durch gute Schutzmaßnahmen gesichert“ sein muss.

Aufgrund seiner Einzigartigkeit hat die UNESCO das Wattenmeer 2009 in die Liste der Weltnaturerbe aufgenommen; es gehört damit wie 197 andere Regionen auf dieser Erde zu den besonders wertvollen Ökosystemen. Das ganze Wattenmeer? Nein, nicht ganz: Drei Gebiete wurden (vorsorglich) ausgespart, da hier der Ölkonzern Dea erneut nach Öl suchen will. Ja, richtig gelesen.

Um den prestigeträchtigen Status eines "UNESCO-Weltnaturerbes" zu ergattern, hatten sich die Antragsteller (Bund, Schleswig-Holstein und Niedersachsen) einen Trick einfallen lassen. Drei sogenannte "Enklaven", in denen gebohrt werden soll, wurden aus dem Antrag zunächst ausgeklammert und sollten dem Schutzgebiet erst nach dem Ende der Bohrungen zugefügt werden. Übersetzt heißt das, eigentlich besitzt das Gebiet „einzigartige Naturwerte“ und ist „besonders“, aber eigentlich auch nicht, weil es da ja noch die Interessen der Industrie gibt, die berücksichtigt werden wollen.

Eine solche Enklave wurde um die Plattform „Mittelplate“ gelegt. Die Plattform am südlichen Rand des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer hat bereits im Jahr 1986 den Betrieb aufgenommen. Sie ist ein Erbe aus einer Zeit, in der der Schutzgedanke für einmalige Naturräume noch nicht so ausgeprägt war wie heute. Mit dieser Plattform darf der Ölkonzern Dea noch bis zum Jahr 2041 Öl fördern.

Das in seiner Größe und ökologischen Besonderheit einmalige Gebiet des Wattenmeers gehört damit zu den knapp 50 Prozent aller weltweiten anerkannten Naturerbe, die durch Aktivitäten der Industrie bedroht sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich vom WWF veröffentlichte Studie.

Januar 2008: Zehn Greenpeace-Aktivisten hissen ein Banner mit der Aufschrift "Tu Watt, Ole - JA zum Weltnaturerbe Wattenmeer" am Leuchtturm Roter Sand in der Außenweser. Die Aktivisten protestieren damit gegen die Umweltpolitik des Ersten Bürgermeisters von Hamburg Ole von Beust (CDU), der sich gegen eine Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe durch die UNESCO ausgesprochen hat. Gemeinsam mit der Bundesregierung, den Niederlanden, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wollte Hamburg den Antrag bei der UNESCO einreichen.
Aktion zum Schutz des Wattenmeeres 2008: Greenpeace-Aktivisten protestieren mit dem Schiff Beluga II im niedersächsischen Teil des Wattenmeeres gegen Pläne des Energieunternehmens RWE Dea AG, im Nationalpark Wattenmeer nach Öl zu bohren. An der Sandbank Hoher Knechtsand bringen die Aktivisten eine Boje mit der Aufschrift: "Keine Ölförderung im Wattenmeer!" aus.
März 2016: Mit dem Greenpeace-Schiff Beluga II protestieren Greenpeace-Aktivisten im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer gegen die Ölförderung im Wattenmeer mit der Dea-Plattform Mittelplate.

Die Zeit ist überfällig, dass sensible Gebiete wie das Wattenmeer den Schutz bekommen, den sie verdienen. Ölsuche und Ölförderung gehören sicherlich nicht zu den akzeptablen Ausnahmen. Denn ein Unfall mit Ölaustritt würde dieses Ökosystem massiv bedrohen und für zahlreiche Tiere und Pflanzen den sicheren Tod bedeuten.

Unterstütze unseren Protest für den Schutz des Wattenmeers: Schreibe eine Protest-Email an Robert Habeck!

Topic
Meere

Jörg Feddern

Jörg Feddern, Meeresbiologe, ist Task-Force- und Meeres-Campaigner sowie Experte für Öl.


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