Greenpeace-Campaigner Michael Meyer-Krotz
19.09.2017

Wo sind all die Bojen hin?!

Gegen die Plastikflut in Manila - Teil 3

Müll, soweit das Auge reicht: Die Strände der philippinischen Hauptstadt Manila sind übersät mit Plastik. Mit lokalen Gruppen startet Greenpeace ein Projekt gegen die Müllflut. Michael Meyer-Krotz, Campaigner bei Greenpeace Deutschland, unterstützt die Kolleg*innen vor Ort und berichtet hier im Blog. Teil 3

Zu Beginn unseres Projektes  mit Greenpeace Philippinen und der #BreakFreeFromPlastic-Bewegung haben wir hier in Manila an der Mündung des Pasig Flusses vier Messbojen ausgesetzt. Wir wollten die Strömung und damit auch die Bewegungen des Plastikmülls besser verstehen. Warum ist ausgerechnet Freedom Island so belastet? Kommt der Müll aus dem Pasig? Wird er auch aus der Bucht hinaus getrieben? Diesen Fragen wollten wir nachgehen.

Abgeworfen haben wir die Bojen kurz nach Hochwasser, so dass sie mit der Ebbe – dachte ich – der Strömung des Pasig in die Bucht hinein folgen können. Zurück an Land, sah ich gespannt die ersten Daten an. Und war ernüchtert: Boje 3 war bereits eine halbe Stunde nach dem Aussetzen verschwunden. Vermutlich ein Zusammenstoß mit einem Schiff.

Knapp drei Stunden später blieb Boje 2 an einem Hafendamm hängen. Noch bevor wir sie bergen konnten, hatte sie offenbar „Beine bekommen“. Die Daten zeigten, dass sie in einer informellen Siedlung am Hafenrand von Manila verschwunden war, vor der man mich warnte: Ich sollte sie als Fremder lieber nicht betreten. Eine ärgerlich hohe Verlustrate: Nur noch zwei Bojen waren übrig.

Als in der Bucht Niedrigwasser erreicht war und die Tide sich umkehrte, änderten auch unsere verbliebenen Bojen ihre Richtung nach Norden. Dabei blieben sie am selben Hafendamm hängen wie zuvor Boje 2. Eine bekam kurz darauf ebenfalls „Beine“ und verschwand in derselben Ansiedlung. Die letzte konnte sich nach dem nächsten Tidenwechsel lösen und trieb erneut in Richtung Süden, bis auch sie am Hafendamm hängenblieb und verschwand.

Was hatten wir bis dahin gelernt? Die Bojen blieben viel näher am Land, als ich erwartet hatte. Ihre Bewegung erklärt, warum White Beach so furchtbar verdreckt ist. An dem Strand am Hafenrand vergruben vor rund 30 Jahren noch Schildkröten ihre Eier, nun sieht man nur noch Müll. Denn dieser dreht in der Bucht eine Runde und landet entweder im Nordhafen oder direkt am White Beach. Dennoch war ich nicht zufrieden und hätte die Untersuchung gerne weitergeführt. Aber ohne Bojen?! Ich war ratlos.

Etwas später: Mein philippinischer Kollege Kiko spricht mich an. Er hat Hinweise, wo die Bojen sind. „Man“ sei bereit für ein Treffen. Wir fahren in den Hafenbereich Manilas zu einem Gemeinschaftshaus der Ansiedlung. Eine andere Welt. Dicht gedrängte Wellblechhütten; zum Teil mehrgeschossig. Dass die überhaupt stehen bleiben! Durch enge Gässchen quälen sich Autos, Fahrrad- und Motorrad-Taxis neben Fußgängern. Wir warten im Auto. Neben uns treffen zwei Jungen aufeinander. Nach kurzem Wortwechsel prallen Fäuste auf Körper. Der Kleinere gibt sich geschlagen und geht. Was für ein Gewusel. Ob wir die Bojen hier wirklich wiederbekommen?  

Da sehe ich auf der Straße eines der Fähnchen unserer Bojen. Ein Müllsammler hat sie gefunden; wir nehmen sie dankend entgegen und setzen uns wieder ins Auto. Mein Blick schweift über das Treiben, bis ich den unterlegenen Kämpfer wiedersehe. Bei ihm ein größerer Junge, offenbar hat er Verstärkung geholt. Erneut fliegen die Fäuste, bis ein Polizist die Parteien trennt. Erneut kommen mir Zweifel, hier Verabredungen treffen zu können. Da passiert auf einem Fahrrad ein junges Paar unser Auto, wir sehen unser Fähnchen wippen. Wir springen aus dem Auto und freuen uns: Alle Bojen sind wieder da.

Nun können wir unsere Untersuchung fortsetzen. Voraussichtlich am Freitag werden wir die Bojen erneut aussetzen. Dieses Mal etwas weiter südlich, auf der Höhe, wo ein weiterer Wasserlauf in die Bucht von Manila einströmt. Ich bin gespannt und werde hier ergänzend berichten.

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Michael Meyer-Krotz

Michael Meyer-Krotz (*1961) – kurz genannt Mikro – ist als Campaigner für Sonderprojekte bei Greenpeace aktiv.


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