Atomkraft und PR-Arbeit

21. Juli 2009 · von Benjamin Borgerding

LobbyControl informiert mit einem lesenswerten Blogeintrag über die PR-Methoden der Atomlobby. Im Werkzeugkasten der Atom-Propagandisten finden sich demnach schöngefärbte Wikipedia-Artikel und atomgeile Leserbriefe ebenso wie eingefilzte Politiker.

LobbyControl schreibt, die AtomLobby betreibe

über die Kerntechnische Gesellschaft ein eigenes Netzwerk von atomfreundlichen Leuten, die Leserbriefe schreiben, in Hauptversammlungen auftreten, Pro-Atom-Webseiten betreiben oder Pro-Atom-Argumente in Wikipedia vertreten.

Besonders ekelhaft: Der Verein Bürger für Technik, der sich als großer Aufklärer verstanden wissen will, aber auf unheilvolle Weise mit der Atomlobby verquickt ist. Dementsprechend lesen sich die Titel der Beiträge auf der Homepage des Vereins: Kosten Wind/Sonne 2005 Jährliche Kostenbelastung durch Wind und Solarstrom heißt es hier, Kernenergie und Demagogie da.

LobbyControl erwähnt auch die Mischpoke aus Politik und Atomlobby, etwa den Fall des Schattenministers Rainer Knauber, einem Vattenfall-Lobbyisten, der vom saarländischen Ministerpräsident Heiko Maas seinerzeit als „Manager“ eingesetzt worden war:

Knauber gehörte Anfang 2006 zu den Unterzeichnern eines “Diskussionspapiers” von SPD-Mitgliedern, das eine neue Offenheit gegenüber der Atomenergie einforderte. Allerdings entpuppten sich die SPD-Mitglieder beim genaueren Hingucken vor allem als Energielobbyisten mit SPD-Parteibuch, siehe Stern und taz.

Gestern hat eine dpa-Meldung die Story aufgegriffen und den Fokus auf die Manipulationen bei der Mitmach-Enzyklopädie Wikipedia gelegt. Die selbstreinigenden Kräfte von Wikipedia sollen eigentlich dafür sorgen, dass tendenziösen Artikeln keine Überlebenschancen beschieden sind. Eigentlich. Der Verdacht liegt jedoch nahe, dass etwa im Wikipedia-Eintrag zum AKW-Biblis unliebsame Angaben über Störfälle geändert worden sind – von RWE-Mitarbeitern.

Auch in anderer Hinsicht weisen Wikipedia-Artikel über AKW Mängel auf. Die dpa zitiert Axel Mayer, Geschäftsführer der BUND-Regionalstelle in Freiburg, der auf das Fehlen von Infos über Radioaktivitätsabgaben im Normalbetrieb oder zu Krebserkrankungen hinweist.

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