Gestern Abend waren wir eingeladen. Auf dem Sportvereinsgelände von Germania Bleckenstedt gab es Steaks, Bratwurst und Bier. Und ein Konzert an dessen Ende immer wieder Leute aus dem Publikum mit Instrumenten auf die Bühne gingen.
“Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Widerstand nicht”,
ein alter Schlager aus den Anfängen des Gorleben-Protestes.
“Wenn in Lüchow das Kreishaus brennt, dam dam, dam dam …”.
Das waren andere Zeiten. Anfang der achtziger Jahre brannte es an vielen Ecken im Wendland: Die Umzäunung der Endlagerbaustelle wurde häufig nachts fachmännisch abgebaut und fand sich dann Jahre später in Bauerngärten des Landkreises wieder. Auch die Stromversorgung der Atomanlagen brach öfter zusammen – durch “Kabeldefekte”. Ein Betonwerk, das den Beton für die Zwischenlagerbaustelle lieferte, brannte tatsächlich nachts ab und wenn das Kreishaus gebrannt hätte – im Wendland wäre keiner darüber traurig gewesen. Die Bleckenstedter grölen begeistert den Refrain mit. Auch sie würden ihrem Kreishaus wohl nicht nachtrauern. Nach dieser Nacht fehlen auch im Zaun rund um Schacht Konrad 1 einige Meter Draht.
Morgens vor der Abfahrt ein Bad im Mittellandkanal und Rasur im Autospiegel. Die Schlange vor den Duschen in Ludwigs Haus ist zu lang. Ja, beim Landwirt Lassmann, der schon den Acker für das Camp zur Verfügung gestellt hat, steht die Haustür immer weiter offen. Im Camp sind mittlerweile dauerhaft über 200 Leute – vielleicht noch mehr – und für alle, die duschen oder aufs Klo gehen wollen, hat Ludwig sein Haus geöffnet. Eine Selbstverständlichkeit? Beileibe nicht! Es kann sich ja jeder selbst mal fragen, ob er oder sie über zwei Tage 200 Leute das private Badezimmer benutzen lassen würde.

(c) Andreas Conradt / PubliXviewinG - Pastor Westphal nimmt die Flagge der "Freien Republik Wendland" entgegen.
Dann verabschiedet Pastor Westphal aus Salzgitter den Treck: “Reisesegen” heißt die Veranstaltung und es sind nicht nur die sogenannten bürgerlich gekleideten, die hier aufmerksam zuhören, sondern auch junge Leute mit Rastazöpfen. Für den Pastor der erste Gottesdienst, für den er Applaus bekommt. Vom Treck bekommt er eine Fahne der Republik Freies Wendland überreicht und er verspricht, sie in seine Kirche zu hängen.
Weitere Infos und Eindrücke aus dem Treck gibt´s im Blog der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, bei der bäuerlichen Notgemeinschaft sowie im .ausgestrahlt-Blog.










