Wer sich in der Demokratischen Republik Kongo mit der Holzwirtschaft anlegt, riskiert schnell seine Freiheit, seine Gesundheit und sogar sein Leben. Mein kongolesischer Kollege René Ngongo berichtete mir jetzt, wie es den Vertretern eines Dorfes erging, die mit einer ausländischen Holzfirma über deren soziale Pflichten verhandeln wollten. Zu den dramatischen Ereignissen haben meine kongolesischen Greenpeace-Kollegen am letzten Montag auch gemeinsam mit mehreren Vertretern von Nichtregierungsorganisationen wie der “Réscau Ressources Naturelle” in Kinshasa eine Pressekonferenz abgehalten.
In der Provinz Oshwe gab es Ende Januar Verhandlungen im Rahmen eines sogenanntes Cahier de Charge – das ist ein soziales Plichtenheft der Holzkonzessionäre gegenüber den lokalen Gemeinden. Außerdem würden über die unklaren Grenzen zwischen den Gemeinden Bokongo und Mbidjankama gesprochen. Dabei kam es zwischen dem Holzunternehmen Sodefor und der betroffenen Gemeinde Bokongo zu Streitigkeiten.
Die Verhandlungsdelegation der Gemeinde Bokongo wurde nach dem Treffen mit Sodefor (NST) von der herbeigerufenen Polizei kurzerhand verhaftet und in ein 300 Kilometer entferntes Gefängnis verbracht. An den Folgen der brutalen Vorgehensweise der Polizei und den katastrophalen Zuständen im Gefängnis der Provinz ist einer der Dorfbewohner gestorben und viele der anderen Inhaftierten waren nach der Inhaftierung in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. Die tatsächlichen Umstände der Verhandlungen, der Inhaftierung und des Todesfalles werden momentan weiter untersucht, unter anderem auch von “Anwälte ohne Grenzen“.
Sodefor ist Teil der in Lichtenstein ansässigen Firma NST, zu der auch CFT, Forabola und Soforma gehören. Die Eigentumsverhältnisse des Unternehmens sind sehr undurchsichtig. NST gehört zu den größten Holzfirmen im Kongo und hat dort auch neue Einschlagsflächen mit einer Größe von mehr als 6 Millionen Hektar Regenwald bekommen, obwohl es eigentlich seit 2002 ein Moratorium auf die Vergabe von Konzessionen gibt. Der größte Teil davon ist noch intakter Urwald. Trotzdem versucht Soderfor, die Mitgliedschaft im Global Forest Trade Network (GFTN) zu erhalten. Das ist ein Netzwerk, das vom WWF ins Leben gerufen wurde, um die Entwicklung der Holzindustrie zur Nachhaltigkeit zu unterstützen.
Das Beispiel aus Oshwe zeigt, dass die aktuelle Situation in Politik und Forstwirtschaft der Demokratischen Republik Kongo und das aktuelle Modell der Holzwirtschaft im Kongo nicht nachhaltig ist und die internationalen Holzfirmen wirtschaften auf Kosten der Zivilbevölkerung.
Meiner Meinung nach ist eine finanzielle Unterstützung des kongolesischen Forstsektors durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht akzeptabel, auch nicht über Umwege wie die Initiative GFTN solange, wie die betroffenen Unternehmen nicht ihre sozialen Verpflichtungen erfüllt haben und sich der Verantwortung stellen, die fortschreitende Zerstörung der intakten Urwälder zu beenden.












