Kitkat-Fanseite – zur digitalen Lücke degradiert

19. März 2010

Nestlé habe seine Fan-Seite bei Facebook eingestellt, heißt es kurz und knapp in einer Mail, die mich am frühen Morgen erreicht.
Stimmt, stelle ich wenig später fest. Die Seite mit den rund 700.000 Fans existiert nicht mehr. Dort, wo noch vor kurzem Loblieder auf den Kitkat-Riegel gesungen wurden, klafft inzwischen eine digitale Lücke. Über Nacht hat da offenbar jemand den Stecker gezogen, fühlte sich vielleicht auf einmal zu exponiert in der Öffentlichkeit. Doch deswegen gleich die eigenen Kunden rüde vor die Tür setzen, das ist schon arg und im Zeitalter des Web2.0 meines Wissens beispiellos.

Screenshot der Kitkat-Fanseite auf Facebook

Screenshot der Kitkat-Fanseite auf Facebook

Es erstaunt mich, dass ein Konzern lieber die direkte Kommunikation zu 700.000 Kunden abbricht als sich mit der Kritik an seiner Einkaufspolitik bezüglich Palmöl auseinanderzusetzen. Warum nimmt Nestlé die Krise nicht als Chance wahr und stellt die Produktion von Kitkat um, so dass nur noch nachhaltig angebautes Palmöl verwendet wird?, fragt denn auch zu Recht die Netz-Gemeinschaft und die Diskussion geht munter weiter.

Inzwischen greifen auch traditionelle Medien die Geschichte auf und berichten über Kitkat, Greenpeace und Palmöl.
Hier und da schafft es die PR-Abteilung von Nestlé sogar, dass ihre grüngewaschenen Zertifikate erwähnt werden. Und gelegentlich findet sich auch der PR-Hinweis der KitKater, dass direkte Verträge zu Produzenten in Indonesien bereits gekündigt seien.

Doch in der Summe wird auch in den traditionellen Medien deutlich: Nestlé bezieht das Gros seines Palmöls indirekt über Zwischenhändler und aus Urwaldzerstörung. Und solange dies so ist, wird es im Netz noch einiges an Diskussionsstoff geben.

Welche Auswirkungen eine Einkaufspolitik, wie die von Nestlé hat, konnte ich selbst 2007 erleben. Zwei Wochen lang war ich im Greenpeace-Urwaldcamp auf Sumatra, habe zerstörten Urwald gesehen, Dämme gegen Entwässerungskanäle gebaut und einen Blog geschrieben, auch ein Video aufgenommen.

“Kohle zerstört das Klima, Frau Merkel”

23. September 2009

Kurz vor Sonnenuntergang ist es dann soweit. Die Botschaft hängt am Kühlturm und ist weithin sichtbar: “Kohle zerstört das Klima, Frau Merkel”. Nach über 20 Stunden ist die Aktion beendet.

Ursprünglich wollten die Kletterer noch das Konterfei von Bundeskanzlerin Angela Merkel über der Botschaft am Kühlturm bringen. Doch Sicherheit geht vor. Die Temperaturen oben auf der Brüstung liegen zwischen 40 und 50 Grad. Christian beschrieb es in einem Telefonat als permanenten Wechsel zwischen Sauna und Herbstwind – je nach Windrichtung. Deswegen und weil die Botschaft nun hängt, steigen die Aktivisten in diesen Minuten vom Turm ab.

(c) Christiane Eisler/Greenpeace - Projektion auf Schwedisch

Projektion auf Schwedisch

Wir nutzen gleich noch die Abendstunden, um eine Projektion auf Schwedisch an einen anderen Kühlturm zu werfen. Vattenfall ist schwedischer Staatskonzern und agiert mit unterschiedlichen Umweltstandards. Hier in Deutschland wird die besonders klimaschädliche Braunkohle verfeuert und in Schweden gibt sich der Konzern gerne klimafreundlich. Das wollen wir gleich mit ein paar deutlichen Worten klarstellen und so im besten Sinne Licht in die Sache bringen.

Und dann freue ich mich auf eine heiße Dusche, einen Teller Eintopf und ein Bett…

Besuch vom Polizeiheli

22. September 2009
(c) Björn Jettka - Polizeihubschrauber, durchs Fernrohr fotografiert

Polizeihubschrauber, durchs Fernrohr fotografiert

Der Polizeihubschrauber kam kurz bevor die Aktivisten das Banner an den Turm gehängt haben. Ok, noch ist es nicht entrollt. Es gleicht zur Zeit eher einer rund 20 Meter langen Wurst, die paralell zur oberen Kante zwischen zwei Kletterern hängt. Es fehlen jedoch nur noch wenige Handgriffe und die Botschaft wird weithin sichtbar sein. Die Botschaft der Polizei ging dagegen im Rotorengeräusch ihres eigenen Hubschraubers verloren. Weder am Boden noch auf dem Turm konnten wir verstehen, was sie uns mitteilen wollten. Nach ein paar Runden flog der Heli dann davon… Und so hat das Christian oben auf dem Kühlturm erlebt:

“Die Sonne ist nun einmal halb um unseren Kühlturm gewandert und wir sind immer noch oben. Aber von wegen kühl: Hier oben ist’s alles andere als kühl – die Luft hier oben auf der dünnen Plattform ist wassergesättigt und je nach Windlage wechselt es zwischen Sauna und Herbstwind. Einmal bekamen wir sogar Besuch: Der Polizeiheli kam vorbei und wollte uns was sagen. Aber seine Rotoren waren lauter als sein Megaphon…
Eigentlich haben wir hier eine ganz schöne Aussicht. Viele kleine Seen rundherum – doch viele stammen aus dem Tagebau von Kohle, also trügt der idyllische Schein.”

Christian hat mir unterdessen mitgeteilt, dass unsere Leute oben auf dem Turm inzwischen sehr erschoepft sind. Kein Wunder. Fast 24 Stunden ohne richtigen Schlaf, dazu die Anspannung und die schwere Arbeit…