Lebendiger Protest in Teluk Meranti

17. Februar 2010

Wie steht es eigentlich um das Wald- und Klimacamp auf Sumatra? Genau 100 Tage ist es her, dass mich die indonesische Polizei gezwungen hat, es nach wenigen, aber sehr aufregenden Tagen zu verlassen. Gerade habe ich auf einem internationalen Meeting einige meiner indonesischen Kollegen wiedergetroffen. Meine erste Frage galt dem Camp und den Menschen aus Teluk Meranti, mit denen wir uns letztes Jahr gemeinsam gegen die Abholzung der wertvollen Torfwälder auf der Kampar Halbinsel engagiert hatten.

Und was mir Bustar, Zul und Joko erzählten, hat mich sehr froh und zuversichtlich gestimmt: Der Protest der Bevölkerung in Teluk Meranti geht weiter! Erst am Freitag haben sich mehrere hundert Menschen – lokale Bündnisse und Frauengruppen – anlässlich des Besuchs des indonesischen Forstministers vor dem Gebäude der Provinzregierung versammelt und mit Bannern und Plakaten gegen die Konzessionen des Papierkonzerns April protestiert. In einem Gespräch zwischen Forstminister und der Gemeinde konnten sie dem Minister sehr deutlich sagen, dass sie keine Akazienplantagen auf ihrem Land wollen.

Es muss wohl sehr emotional zugegangen sein. Allein in dem Dorf Teluk Meranti hatten über 1.000 Menschen gegen die Umwandlung ihres Waldes in Holzplantagen unterschrieben, im Nachbardorf Teluk Binjai wurden ebenfalls Unterschriften gesammelt. Vertreter der Gemeinde übergaben alle Unterschriftenlisten an den Minister. Immerhin hat der Minister bestätigt, dass die Regierung weiterhin an einem vorläufigen Stopp der Urwaldzerstörung auf der Kampar-Halbinsel und der Überprüfung der Konzessionen festhält. Es gäbe keine „endgültige Erlaubnis für April“.

Unterdessen versucht der Papier- und Zellstoffkonzern April mit allen Mitteln, die Leute umzustimmen und von den großen Vorteilen der Akazien-Monokulturen zu überzeugen. Dazu wurden extra T-Shirts bedruckt und verteilt, auf denen zu lesen ist „Holzplantagen bringen Wohlstand für alle“. Zum Glück fallen die Menschen in Teluk Meranti auf so plumpe Propaganda nicht herein. Von den 2.500 „Geschenken“ werden nur rund 100 wirklich getragen.

Und das Camp? Das ist seit Dezember 2009 offizielles Eigentum der Gemeinde von Teluk Meranti. Momentan hält sich dort niemand permanent auf, einige Dorfvorsteher schauen zur Kontrolle immer mal vorbei. Es gibt Überlegungen, dort ein Zentrum für Naturschutz oder Renaturierung von Torfwäldern einzurichten und dort auch internationale Weiterbildungen zu veranstalten. Das ist jedoch noch nicht entschieden. Vorerst bleibt das laute Quaken der Frösche bei Nacht also noch ohne schlafloses Publikum.

Alle Beiträge zum Thema lest ihr in meinem Blog zum Wald- und Klimacamp.


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Galerie der Schande

27. November 2009
(c) Corinna Hölzel/Greenpeace - Greenpeace-Aktivistinnen in der KfW

Greenpeace-Aktivistinnen in der KfW

Gestern haben ca. 20 Greenpeace-Aktivisten eine Ausstellung im Foyer der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufgebaut, die Bilder von Urwaldzerstörung in Indonesien zeigt. Sie wollten die KfW und ihre Tochter DEG mit den Folgen ihrer Kreditvergabe konfrontieren. Die drastischen Fotos wurden auf Glaswände und Fußboden geklebt und ein großes Foto in einem Metallrahmen wurde draußen auf dem Bürgersteig verankert.

Kurz nach Beginn dieser Installation hat die KfW auf unseren Gesprächswunsch reagiert. Wir hatten ein eineinhalbstündiges Gespräch mit Vertretern von KfW mit Telefonzuschaltung von DEG-Vertretern. Dieses Gespräch fand in offener Atmosphäre statt. Wir haben unsere Forderungen und Argumente sehr deutlich gemacht.

Ergebnisse des Gesprächs:

  1. Zu unserer Forderung nach der vorzeitigen Kündigung des Kredits: Die DEG will das jetzt prüfen. Dazu fahren sie Anfang Dezember nach Indonesien und sprechen mit ihrem Vertragspartner, PT Smart (eine von Sinar Mas gegründete Firma). Weitere Gespräche werden mit Greenpeace Indonesien, dem WWF und anderen NGOs stattfinden. Sie werden kontrollieren, ob das Unternehmen die Nachhaltigkeitskriterien tatsächlich einhält. Wir haben der DEG bereits Beweise geliefert, dass Sinar Mas das nicht tut, sondern Torfwälder rodet, die auf über drei Meter dicken Böden stehen. Das verletzt nicht nur die Nachhaltigkeitskriterien sondern auch indonesisches Recht. Wir haben die DEG aufgefordert, nicht bloß in Jakarta Gespräche zu führen, sondern auch auf die betreffende Konzession nach Westkalimantan zu fahren und sich die Situation vor Ort anzusehen. Meine Greenpeace-Kollegen können sie dabei auch begleiten. Gut ist, dass die DEG hier grundsätzlichen Handlungsbedarf erkannt hat. Es sollte jetzt nur eine Frage der Zeit sein, bis der Kredit gekündigt wird.
  2. Unsere Forderung, keine Großkonzerne wie Sinar Mas mehr zu fördern, wurde sehr verhalten aufgenommen. Die KfW sagte zumindest, sie würden diese Option diskutieren. Das klingt erst mal wenig enthusiastisch. Wir werden dran bleiben und nachfragen, was die Ergebnisse dieser Prüfung sind.
  3. Keine Einigung gab es zu unserer Forderung, aus dem Palmölgeschäft weltweit auszusteigen. Die DEG hat lediglich jede weitere Finanzierung von Palmölprojekten in Indonesien bis auf Weiteres gestoppt.

Insgesamt waren die Greenpeace-Aktivisten gestern von 9 bis 15 Uhr bei der KfW und haben insgesamt rund 1.300 Flugblätter an die Mitarbeiter und Passanten verteilt. Die meisten Reaktionen waren positiv, die Menschen waren empört, dass deutsche staatliche Kredite an große Palmölproduzenten fließen. Mit Laura und mir waren auch zwei Personen dabei, die aus eigener Erfahrung aus dem Greenpeace-Camp in Indonesien und von der Urwaldzerstörung auf Sumatra berichten konnten.

Ortswechsel – aber die Kampagne geht weiter

23. November 2009
Besuch im Camp (c) Greenpeace / Corinna Hölzel CC-Lizenz BY-NC-ND

Besuch im Camp

Das regnerische Hamburg hat mich wieder. Seit ein paar Stunden bin ich wieder zurück aus Indonesien und erzähle meinen Greenpeace-Kollegen hier von meinen Erlebnissen. Und es gibt gute Neuigkeiten aus Riau! Seit bereits zwei Tagen sind ausländische Greenpeace-Kollegen aus der Schweiz und aus Indien im Camp. Sie sind Freitag nacht von der Polizei unerkannt nach Teluk Meranti gefahren und von dort mit dem Boot ins Camp. Da die Polizei offenbar ein freies Wochenende einlegt, sind sie noch nicht aufgefallen.

Gemeinsames Singen (c) Greenpeace / Corinna Hölzel CC-Lizenz BY-NC-ND

Gemeinsames Singen

Die Dammbau-Aktivitäten gehen weiter und die Unterstützung der indonesischen Dorfbevölkerung wächst. Immer neue Leute kommen ins Camp, helfen tagsüber Sandsäcke schleppen und singen und musizieren abends gemeinsam.
Die nächsten Tage werden sicher noch sehr spannend.