Nestlés schockoladenweiche Reaktion

17. März 2010

Heute Nachmittag verteile ich erneut Flyer über Kitkat und Regenwaldzerstörung an über 400 Nestlé-Mitarbeiter in Hamburg. Plötzlich reagiert der Schoko-Konzern auf die Greenpeace-Forderungen, kein Palmöl aus Regenwaldzerstörung zu verwenden. Nestlé teilt den Medien mit, dass die direkten Palmöl-Lieferverträge mit dem Hersteller Sinar Mas aus Indonesien ausgesetzt sind.

Ein Erfolg? Nein! Diese Reaktion ist unzureichend. Nestlé gibt zwar zu, dass mehr getan werden muss, um die Regenwaldzerstörung zu stoppen. Die notwendigen Schritte leiten sie jedoch nicht ein. Das Unternehmen wird auch weiterhin Palmöl von Sinar Mas verwenden. Das Palmöl kommt dann schlicht über Zwischenhändler.

Auch diese müssen Sinar Mas klar sagen, dass die Zerstörung der Regenwälder in Indonesien beendet werden muss. Auch diese müssen die Verträge mit Sinar Mas kündigen. Greenpeace wird daher weiter auf Nestlés Verantwortung für die Menschen vor Ort, die Regenwälder und die Orang-Utans hinweisen und seine Kampagne zum Schutz der Regenwälder Indonesiens ausweiten.

Und wie ich eben gerade erfahren habe, hat Nestlé die englische Version unseres Kitkat-Videos auf Youtube sperren lassen. Begründung: Copyrightverletzung.

Bildet euch eure eigene Meinung und erzählt sie weiter. Die deutsche Version habt ihr ja hier im Blog, die englische steht inzwischen auf Vimeo.

Have a break, Nestlé!

17. März 2010
Vor dem Hamburger Kitkat-Werk © Greenpeace CC-Lizenz BY-NC-ND

Vor dem Hamburger Kitkat-Werk

Schokoladengeruch weht heute morgen um 5:40 Uhr durch die Straßen im Hamburger Stadtteil Wandsbek. Schon vor Sonnenaufgang stehe ich mit einigen anderen Greenpeace-Aktivisten vor dem Kitkat-Werk von Nestlé. Der Schokogeruch zeigt mir, dass wir an der richtigen Stelle sind. Hier wird der beliebte Schokoriegel Kitkat hergestellt.

Wir informieren die Nestlé-Mitarbeiter hier in Hamburg und an fünf weiteren Produktionsstandorten sowie der Deutschlandzentrale in Frankfurt darüber, dass für die Herstellung von Kitkat noch immer Palmöl verwendet wird, für das der Lieferant in Indonesien die Regenwälder rodet. Wir fordern von Nestlé, kein Palmöl aus Urwaldzerstörung zu kaufen.

Vorderseite unseres Handzettels © Greenpeace

Vorderseite unseres Handzettels

Die knapp 150 Mitarbeiter, die wir mit unseren Handzetteln erreichen, sind freundlich und gucken sofort auf den von uns verteilten Flyer: Er zeigt einen Orang-Utan, der von einer zur Pistole geformten Faust mit einem Kitkat-Riegel bedroht wird. Einige Gespräche ergeben sich, während es heller wird und der Schokogeruch uns süß umgarnt.

Nach knapp eineinhalb Stunden gehe ich mit meinen Mitstreitern frohen Mutes zur Arbeit. Ich bin voller Hoffnung, das nach Unilever und Kraft auch Nestlé endlich einlenken wird und seine Lieferverträge mit dem Palmöl-Hersteller Sinar Mas kündigen wird. Die Orang-Utans haben ganz nach dem Kitkat-Motto “Have a break, have a kitkat” eine Pause verdient. Eine Pause in der seit Jahren fortschreitenden Zerstörung ihres Lebensraumes durch Ölpalmplantagen.

In Bumba bewegt sich was

19. November 2009

Also wieder Bumba! Das dachte ich gestern Abend, als Andrea und ich nach unserem “field-trip” aus dem Wald wieder zurück waren. Ein Tag zuvor war mir die Stadt noch nicht ganz geheuer, jetzt habe ich mich schon fast an sie gewöhnt. Bumba, in der Region Equateur im nord-westlichen Kongo, soll angeblich über 200.000 Einwohner haben – was ich fast nicht glauben kann. Keine Autos, nur wenige große Straßen, vereinzelt Beleuchtung, heruntergekommene Häuser, die lange keine Farbe gesehen haben. Die Stadt hat sich immer noch nicht vom 10-jährigen Bürgerkrieg erholt, dem hier hunderttausende Menschen zum Opfer gefallen sind.

Die Bevölkerung Kongos gehört zu den ärmsten der Welt und der Wald war und ist immer noch für 40 Millionen Menschen im Kongo eine Grundlage ihrer Existenz. Hier finden sie ihre Nahrung, ihre Medizin und können jagen. Seit mehr als 20 Jahren sind internationale Holzfirmen im Kongo tätig. Die Holzfirmen, überwiegend europäisch, dringen immer weiter in die Urwälder ein. Der Raubbau am Wald ist auch ein Raub an der lokalen Bevölkerung. Die Holzfirmen müssen sich zwar verpflichten so genannte “cahier des charge” abzuschließen. Das ist eine Art Vertrag mit der lokalen Bevölkerung, in dem vereinbart wird, welche Gegenleistung die Bevölkerung bekommt, wenn die Holzfirmen den Wald fällen. Die vertraglich vereinbarte Leistung wird aber fast nie erfüllt.

Zusammen mit lokalen Nichtregierungsorganisationen hatte Greenpeace jetzt erstmals in Bumba ein zweitägiges Seminar organisiert, um den Vertretern der unterschiedlichen vom Holzeinschlag betroffenen Gemeinden ein Forum zu schaffen. Dort konnten sie sich austauschen und auch ihre Visionen für die Zukunft formulieren. Über 70 Dorfvertreter nahmen teil, die mit dem Motorrad, mit dem Einbaum, mit dem Fahrrad oder zu Fuss anreisten.

Das große Thema war der Holzeinschlag der Firma Siforco, einer Tochterfirma der deutsch-schweizerischen Danzer-Gruppe. Das Unternehmen brüstet sich in seinen Nachhaltigkeitsberichten über seine gesellschaftliche Verantwortung und sein unternehmerisches Leitbild der Nachhaltigkeit. Nachdem, was die Teilnehmer des Seminars erzählten ist das jedoch der blanke Hohn. Die Erfahrungen der Dorfbewohner sind andere. Und auch mein kurzer Besuch im Wald zeigt ein negatives Bild, wie die Firma mit den Urwäldern umgeht.

Danzer ist seit zwanzig Jahren in der Region und hat sich jetzt erst das erste Mal bei einem solchen Seminar blicken lassen. Und dass, obwohl der “offene Dialog mit Stakeholdern“ laut ihrem Internetauftritt besonders wichtig sei. Ich bin mir auch nicht ganz sicher ob nicht einfach nur deshalb jemanden geschickt hatte, weil ein deutsches Journalistenteam beim Seminar dabei war.

Wie auch immer, die Seminarteilnehmer haben Danzers Präsenz als ein wichtiges Signal gesehen und gewürdigt. Es bleibt zu hoffen, dass Danzer nun beginnt über seine Aktivitäten im Urwald nachzudenken und endlich die intakten Gebiete des Urwaldes verschont . Jetzt muss die Firma mit den lokalen Gemeinden einen Dialog beginnen, der schon längst selbstverständlich sein sollte. Greenpeace wird sich auf jeden Fall weiter in Bumba engagieren.