Historisch ist zumindest die Bewegung

14. Dezember 2009

Es ist genau Halbzeit bei der Klimakonferenz in Kopenhagen. Auch sechs internationale Greenpeace-Jugendliche sind dabei. Für die deutsche Greenpeace-Jugend bin ich das.

Letzte Woche haben wir uns orientiert, in dem riesigen Komplex des Bella-Centers. Rund 30.000 Menschen sind für den Klimagipfel akkreditiert. Wir haben versucht mit Delegierten zu sprechen. Ich habe mich bemüht, mit deutschen Delegierten ins Gespräch zu kommen. Ich wollte ihnen die Wünsche der jungen Generation klar machen. Doch es hat leider nicht so gut geklappt.

Alle sind extrem gestresst und alle Delegationsverhandlungen finden hinter verschlossenen Türen statt. Deswegen habe ich die gesamte deutsche Delegation förmlich und höflich eingeladen, sich am Tag der zukünftigen Generationen kurz mit uns Jugendlichen treffen. Wir wollen uns bei Kaffee und Keksen austauschen und ihnen eine Musikbildershow unserer Arbeit zeigen. Es kam keiner. Schade.

Wir waren auch im Plenum und haben zuhören können. Dort haben wir mitbekommen, wie fast alle Inselstaaten sich für ein neues, ambitioniertes und bindendes Protokoll aussprachen. Unterstützung dafür bekamen sie allerdings nicht. Schade.

Und weil das alles nicht wirklich leidenschaftlich ist – mit den Delegierten und der Konferenz – haben wir vor allem auch protestiert. Wie sowas aussieht, könnt ihr in dem Video sehen.

In der Konfernz verfolgen Delegierte die Massenbewegung draussen!
NGOs überreichen SegelDerzeit sieht es nicht so aus, als würde der Klimagipfel den wichtigen, guten und hohen Erwartungen gerecht werden. Was sehr schade ist. Doch es gibt noch eine Woche! Die zweite Woche ist die entscheidende Woche, da nun Minister und Regierungschefs anreisen.

Außerdem – und das ist wirklich genial – ist die Klimabewegung gerade auf dem historischen Höhepunkt! Und wird weiter und weiter und weiter wachsen.
Allein in Kopenhagen haben am Samstag 100.000 Menschen protestiert. Diese Massenbewegung fand sogar in der Konfernz selber Interesse (siehe Bild!). Nach der Demo überreichten Vertreter verschiedener NGOs den beiden wichtigsten Menschen dieser Konfernz Yvo de Boer (Chef vom UNFCCC) und Connie Hedegaard (Präsidentin der COP15) Segel aus allen Teilen der Welt. Die Segel dienen als Symbol für den globalen Protest und den weltweiten, eindringlichen Wunsch nach Klimagerechtigkeit!

Auch wenn weit mehr als 100.000 Menschen diesen Wunsch haben, trugen ihn hier 100.000 gemeinsam auf die Straße. Und das gab es in dieser Größe noch nicht. Uns gibt das Hoffnung. Hoffnung, dass es voran geht. Auch wenn es langsam voran geht, viel zu langsam.

100.000 in front of Bella Center want climate justice!

Beim Klimaschutz geht’s um Menschen – ums Überleben.

12. Dezember 2009

Richard bei der Demo zur Deutschen BotschaftNun sind fast genau zwei Wochen vergangen seitdem ich nach Kopenhagen gefahren bin und es hat sich verdammt viel getan. So viel, dass ich – leider – gar nicht dazu gekommen bin alles zu bloggen.

In der gesamten Woche vor der Konferenz haben wir mit 40 Jugendlichen aus 15 verschiedenen Ländern eine rund-um-die-Uhr Mahnwache am Platz „Kongens Nytorv“ in der Kopenhagener Innenstadt abgehalten. Wir haben Fahrradfähnchen und Buttons verteilt und wir haben vor vier Botschaften – der deutschen, brasilianischen, us-amerikanischen und französischen – einen fetten und lauten „Wake-Up-Call“ gemacht. Natürlich auch eine fast genauso laute und fette Demo zu den Botschaften hin. Und wir haben gefroren. Tagsüber und vor allem in den Nächten.

Doch wir haben nicht nur auf Trommeln gehauen, Banner gemalt und Fahrradfähnchen montiert. Wir haben zusammen gegessen, zusammen Nachtschichten abgehalten und geweint. Und das nicht nur beim Abschied, sondern auch beim Briefing und zwischendurch. Weil der Klimawandel einfach so ein verdammt emotionales Thema ist und so viel daran hängt. Weil es nicht nur um ein paar Gase geht, sondern um Menschen. Um Überleben.

Wir haben auf unserer Jugend-Homepage jeden Tag live gebloggt. Wer also auschecken will, was wir genau gemacht haben und was wir genau erlebt haben, der steppt einfach mal auf unseren Blog vorbei unter: www.greenpeace-jugend.de Dort findet ihr übrigens auch in Zukunft immer alle News und Blogs zu unseren Jugend-Aktionen!

Viele eindrucksvolle und inspirierende Fotos gibt es auf flickr: www.flickr.com/solargeneration Und wer das Ganze sich in Kurzmeldungen angucken will: www.twitter.com/gpjugend Dort twitter ich jetzt auch live von der Konferenz. Doch dazu beim nächsten Mal mehr!

Beste Grüße aus Kopenhagen,
Richard

Greenpeace Yoth Vigil in Copenhagen 2nd Day
Greenpeace Yoth Vigil in Copenhagen 2nd Day

Cop-15 climate meeting in Copenhagen, Denmark.
Cop-15 climate meeting in Copenhagen, Denmark.

Warum nach Kopenhagen?

28. November 2009

Ich sitze gerade im Zug nach Kopenhagen. Doch warum nur?
Warum bin ich nicht zu Hause in Hamburg – und chille? Warum bin ich nicht auf dem Kiez – und mach ordentlich Party? Warum fahre ich zu so einer öden Klimakonferenz?

Ein Traum.

Vor fünf Jahren landete ich, Richard (18), in der Kölner Greenpeace-Jugendgruppe. Was ich in den seitdem erlebte, prägte mich spürbar:
Ich erlebte wie es ist, mit 150 anderen Jugendlichen gemeinsam ein geiles Wochenende zu verbringen. Wie es ist mit 150 anderen Jugendlichen auf der Straße zu stehen und für unsere Zukunft zu kämpfen. Und auch wenn alle anderen Jugendlichen doch auf ihre Art tatsächlich ganz anders waren, so hatten wir doch eines gemeinsam: unsere Träume, Ziele und Hoffnungen!

Ich erlebte – nein wir alle erlebten – wie es ist, etwas bewegen zu können!

Es es nicht der Wunsch Krawall zu machen, der mich nun nach Kopenhagen treibt. Es ist nicht der Wunsch „dagegen“ zu sein, zu demonstrieren, zu protestieren.
Es ist der Traum.
Es ist der Wunsch zu bewegen und zu inspirieren.

Und das schöne ist: Ich werde nicht alleine sein. Es werden hunderte, vielleicht tausende, Jugendliche aus aller Welt in den nächsten Wochen in Kopenhagen sein, um Menschen, Politikern und der Welt zu zeigen, dass nun wirklich endlich etwas getan werden muss! Dass es eine enorme Generationenungerechtigkeit ist, wenn Politiker immer noch in erster Linie wirtschaftlich basierte Entscheidungen treffen und wir und die Generationen nach uns dabei für den Eimer sind. Und wir wollen zeigen, dass Kopenhagen die historische Chance für ein weltweites und konsequentes Klimaschutzabkommen ist!

„Wir wollen heute für morgen sorgen“ – Der Spruch ist alles andere als schön. Klingt nach Stadtreinigung.
Im Englischen gefällt es mir schon viel besser ;-) :

„Make tomorrow
Make tomorrow today
What better measure of what you were doing here
Then what you can leave behind
All the children of your children’s children
Do you ever think what they’re going to find
Make tomorrow
Make tomorrow
Where the sacred meet the scared
Make tomorrow
Make tomorrow today“,

Song „Make Tomorrow“ auf “OVO” von Peter Gabriel.

Bis bald,
Richard