Erste Aktivitäten

23. Januar 2008 · von Regine Frerichs

Zwischen den japanischen Schiffen - (c) Greenpeace/RezacWind 1, See leichte, flache Dünung, Luft 3 °C, Wasser 1 °C, bedeckt, trocken – Um um zwanzig vor sieben Uhr wurde ich geweckt: Es kann sein, dass sie anfangen zu jagen! So wirksam war der Weckruf auf der ganzen Tour noch nicht! Also schnellstens aufstehen, anziehen, Zähne putzen, Kaffee greifen und erst einmal an Deck rennen. Dort wurden die ersten beiden Boote schon über die Reling gehoben, blieben allerdings noch außenbords hängen.

Dann begann das Warten. Also erst einmal wieder in die Messe. Dort war mittlerweile das halbe Schiff versammelt und strapazierte den Toaster. Es sollte noch eine weitere Stunde dauern, bis es endgültig hieß, jetzt geht es los. Aber nein, sie fangen noch nicht an zu jagen, aber die “Nisshin Maru” und die “Oriental Bluebird” wollen längsseits gehen und bunkern.

Die “Oriental Bluebird” befindet sich illegal in diesen Gewässern, da sie keine Erlaubnis hat, bei der Flotte in die Walfangaktivitäten involviert zu sein. Das Schiff ist in Panama geflaggt und gehört somit nicht zur Flotte. Nunja, sie fährt seit Jahren mit, versorgt die Schiffe mit Diesel und übernimmt gefrorenes Walfleisch, weil die Ladekapazitäten der Nisshin Maru dafür offenbar nicht ausreichen.

Ich sollte heute morgen das Kameraboot fahren. Kaum waren alle an Bord, versuchte ich dichter an die Esperanza heranzufahren, damit wir das Wassern der Boote besser sehen könnten. Doch plötzlich stieg schwarzer Qualm aus dem Auspuff! Ich verlangsamte geringfügig und die Auspuffgase nahmen wieder eine normale Farbe an. Also noch einmal versucht: Dasselbe! Und auch bei mehr Gas geben, kam keine Reaktion vom Boot. Der Turbolader schien nicht zu funktionieren.

Über Funk wurde sofort die Brücke angerufen und Bescheid gegeben. Sofort kam die “African Queen”, die mittlerweile im Wasser war und übernahm die Besatzung, bis auf Clive, meinen Beifahrer. Langsam fuhren wir längsseits der Esperanza und wurden wieder an Bord genommen.

Während sich Marc, unser Bootsmechaniker, sofort daranmachte, das Übel herauszufinden, fuhren die beiden anderen Boote zur “Nisshin Maru” und “Oriental Bluebird”. “Billy G.” legte sich zwischen die beiden noch nicht ganz längsseits gegangenen Schiffe, während die “Queen” dicht dabei blieb.

Womit wir nicht gerechnet hatten: die ausgebrachten Fender waren untereinander mit Stahseilen verbunden, die dicht unter der Wasseroberfläche hingen. So war es eine Frage der Zeit, wann sich “Billy G.” verhaken würde. So lange das Boot zwischen den Schiffen lag, wurden Jetske und Heath mit den Wasserschläuchen traktiert. Ich weiß nicht, wie sie wieder frei gekommen sind, auf jeden Fall sind Boot und Mannschaft unversehrt wieder herausgekommen.

Anschließend kamen die Boote erst einmal zurück auf die Esperanza. Die Reparatur der “Susi Q”, war noch nicht abgeschlossen, aber es war der Turbolader. Zum Glück hatten wir einen zweiten an Bord. Nach dem Mittag waren alle wieder Einsatzbereit und es ging noch einmal zu den beiden Schiffen, die immer noch längsseits lagen.

Aber es waren auch noch zwei der Fangschiffe dabei, die sich sofort auf den Weg machten, um die Schlauchboote zu vertreiben. So entbrannten Verfolgungsjagden, bei denen unsere Schlauchboote aufs Korn genommen wurden. Auf allen Schiffen waren die Wasserwerfer, Wasserkanonen und Feuerlöschschläuche an.

Mir war oft nicht ganz wohl zumute, da mein Boot am morgen ja kaputt gegangen war. Und so hoffte ich bei jeder Attacke, der Motor möge den Gashebel annehmen, damit wir aus der Fahrtlinie kommen können. Die Fangschiffe sind extrem wendig und schnell. Natürlich nicht mit einem Schlauchboot zu vergleichen. Aber für gute 60 Meter Länge sind sie sehr beeindruckend. Erinnerungen an die Aktionen vor zwei Jahren kamen auf, als wir stundenlang dicht vor den Fangschiffen gekreuzt sind, um dem Harpunierer die Möglichkeit zum Abschuss zu nehmen.

Mittlerweile wurde von der “Nisshin Maru” gefrorenes Walfleisch auf den Versorger geladen.
Und auf einmal hörten die Fangschiffe auf, uns zu verfolgen, die Wasserwerfer wurden ausgemacht, sogar die großen Wasserkanonen am Heck der “Nisshin Maru” waren plötzlich aus. Das war bestimmt nicht aus Freundlichkeit! Kaum kamen wir um die Hecks der beiden großen Schiffe, wurde uns sofort klar, was der Grund war! Die “Oceanic Viking” der australischen Regierung war auf der Bildfläche erschienen.

Auch sie ließen zwei Boote ins Wasser und fuhren zur “Nisshin Maru” und den restlichen Flottenschiffen. Und ein Blick auf die Anzeigen in meinem Boot beendeten auch diese Fahrt: Die Temperaturanzeige war auf 120 °C geklettert, und als ich die Drehzahl sofort herunter nahm, hörten wir auch den schwachen Alarm, der unter der Motorhaube am piepsen war.

Die “African Queen” nahm uns in Schlepptau und brachte uns zurück zur “Esperanza”, wo wir wieder an Bord gekrant wurden. Diesmal war ein Kühlwasserschlauch geplatzt…, aber zum Glück ist kein weiterer Schaden entstanden.
Und da es sein kann, dass wir morgen wieder früh aus den Betten müssen, werde ich mich jetzt dorthin zurückziehen.

Gute Nacht und liebe Grüße, Regine

Kommentare

  • lho

    Wirklich trauig, das es jetzt wieder loszugehen scheint… Diese verfluchten Walfänger! Und das ihr dann auch noch so hartnäckige Probleme mit den Booten habt!
    Haben die eigentlich die Maru inzwischen nachgerüstet, was die Eisklasse angeht? Oder zieht man es lieber vor, weiterhin russisch Roulette zu spielen und hofft, das nix passiert?

    23.1.2008 um 14:09 Uhr · Antworten

  • Michael Tischer

    Glückwunsch! Spiegel.de hat Euch heute als Bild des Tages!!!

    23.1.2008 um 18:07 Uhr · Antworten

  • Mensch, auch Fördermitglied

    Weiter viel Erfolg!

    Hoffentlich bleiben die Australier in der Nähe.

    23.1.2008 um 18:27 Uhr · Antworten

  • Michael

    Hallo, ich wünsche eine friedliche gute Nacht. Ich hoffe , die Australier helfen euch und ihr alle habt noch genügend Kraft. Eure Arbeit für den Walschutz ist nicht in Worte zu fassen, ich bin wort und sprachlos…..

    23.1.2008 um 23:53 Uhr · Antworten

  • Marion

    “Mittlerweile wurde von der “Nisshin Maru” gefrorenes Walfleisch auf den Versorger geladen.”

    Ich muß jetzt nochmal nachfragen,wie es sein kann,daß die Nisshin Maru gefrorenes Walfleisch übergibt,wo sie doch angeblich nicht gejagt haben/jagen können?
    Die Vorstellung finde ich schrecklich!
    Trotzdem weiterhin alles Gute!Haltet die Ohren steif-kalt genug ist es ja dafür.

    24.1.2008 um 09:12 Uhr · Antworten

  • lho

    In dem letzten GP Magazin stand was darüber drin, das ein Supertanker unterwasser schon 1 Tag vor Sichtkontakt zu hören ist. Wie verhalten sich die Wale bei Unterwasserlärm? Schwimmen die woanders hin? Bei Schiffslärm ja offensichtlich nicht, aber vielleicht bei einem Unterwasserkonzert von Marilyn Manson…? Da die Schiffe der Walfanggegner nicht mit den Jägern mithalten können, wäre es vielleicht eine Möglichkeit, in der Nähe der Nisshin Maru so einen Krach zu veranstalten, dass die Wale einen großen Bogen um das Zentrum des Mordens machen? Dann müssten die Jager u.u. länger und weiter unterwegs sein.

    “Ich muß jetzt nochmal nachfragen,wie es sein kann,daß die Nisshin Maru gefrorenes Walfleisch übergibt….”
    Marion, die haben ja bereits vor dem Eintreffen von GP und SS mit dem Schlachten begonnen und haben es dann aber bis jetzt unterbrochen.
    Vermutlich kann noch niemand sagen, wieviele Wale heuer schon erlegt wurden.

    24.1.2008 um 10:02 Uhr · Antworten

  • Sabrina Wilhelm

    Ahoi,

    die Gedanken, die Iho sich gemacht hat, sind mir auch schon durch den Kopf geschossen. Gibt es da keine Möglichkeit mit einer Art “Unterwasserkonzert”? Oder richtet man damit ggf. Schaden mit an?

    Grüße
    Sabrina:-)

    24.1.2008 um 11:48 Uhr · Antworten

  • guido

    hallo ihr walfangwatcher von greenpeace!

    wie wäre es wenn ihr die koordinaten der nisshin maru an sea shepherd weitergebt? aber vielleicht seid ihr ja scharf auf die aufnahmen von sterbenden walen?
    -das erzeugt dann in der öffentlichkeit soviel schmerz, daß man unter vorgetäuschten walschutz noch mehr spendengelder eintreiben kann!

    die einzigen die wirklich aktiv die walfänger stören und unterbinden scheint sea shepherd zu sein!

    New Zealand Airforce Refuses Assistance to Whale Defenders

    A New Zealand Airforce Orion reconnaissance plane flew overtop of the Sea Shepherd vessel Steve Irwin this morning at 1025 Hours (Melbourne time) (2325 G.M.T.) The location of the over flight was 116 Degrees 38 Minutes East and 63 Degrees 12 Minutes South.

    2nd Officer Peter Hammarstedt radioed the plane to inquire if they had seen any Japanese whaling vessels. The plane replied that with a “negative” adding they were not looking for whaling vessels, they were patrolling for illegal fishing vessels.

    Mr. Hammarstedt notified them that there was a Japanese fishing trawler tailing the Steve Irwin named the Fukuyoshi Maru No. 68. The New Zealand Airforce replied that they were aware of another vessel in the area but were not allowed to release the name of the vessel. The crew of the Orion did wish the crew of the Steve Irwin luck but made it clear that they were not involved in searching for any Japanese whaling vessels.

    “Which begs the question,” said Captain Paul Watson. “How can they intervene against illegal fishing operations yet they will do nothing about illegal whaling operations. It is also strange that they made no inquiries of a Japanese fishing vessel deep inside the Antarctic Treaty Zone.”

    The Steve Irwin is not concerned with publicly releasing coordinates since the Japanese ship trailing the Sea Shepherd vessel is keeping the Japanese fleet notified of the movements of the Steve Irwin.

    “It would be nice to receive some support from Greenpeace right now,” said Captain Watson. “We are close to the Japanese fleet and we are using a great deal of fuel in searching for the fleet. Maybe Greenpeace can claim some carbon credits with a little assistance. In return we can promise that our presence with the Japanese fleet will guarantee that whaling will not resume, although I suspect that Greenpeace needs the resumption of whaling to secure their impotent annual eco-heroics photo-op.”

    Sea Shepherd has been securing Japanese fleet coordinates through the backdoor from Greenpeace. Unfortunately this information is covert and delayed allowing the Japanese fleet to continue moving away as Sea Shepherd approaches.

    “We all know who the Japanese are running from,” said Hammarstedt. “And it isn’t Greenpeace.”

    24.1.2008 um 11:56 Uhr · Antworten

  • Leo

    Liebes Esperanza Team

    sagt, fühlt Ihr nicht genauso wie Peter Hammarstedt von SSCS, wenn es um den Schutz von Walen geht?

    Mir blutet das Herz, wenn ich lese, wie Eure schwachsinninigen Verantwortlichen Euch die Kooperation mit anderen Tierschutz-Organisationen verbieten! Ich habe inzwischen einen Aufruf an meine Freunde geschrieben, dem Greenpeace Management mit Kündigung ihrer Fördermitgliedschaft zu drohen und besser Sea Shepherd zu unterstützen, sollte der Boykott von SSCS weiter anhalten.

    Anbei die Gedanken von Peter Hammarstedt 2nd Officer der Steve Irwin zum Verhalten von Greenpeace generell. Ich kann Euch versichern, daß seine Einstellung von der Mehrheit der Menschen, die ein Herz für Tiere haben, geteilt wird.

    Greenpeace’s Broken Record – a response to Karli onboard the Esperanza.

    But a day ago, Karli Thomas onboard the Esperanza took another call from me and another attempt at extending the olive branch of cooperation was slapped away. Through the bureaucratic static came the sound of her broken record that keeps playing the same tune – ‘we differ on our views on non-violent direct action’. I asked Karli if she was aware of our thirty year history of never causing an injury, certainly not a death, on either side of the whaling wars. She was. But the broken record kept on turning – despite the fact that we’d been sending the coordinates of the whaling fleet to Jonah Fisher onboard the Esperanza for the past week.

    When is targeting property used to kill, especially when it is illegal property, a violent act? Surely, if someone has a rifle, and they’re about to shoot somebody, a human or otherwise, and I tear that rifle out of their hand and break it across my knee, that is an act of non-violence. Allowing that person to pull the trigger would be violent; it would be complicity in that act of violence. Since the day I joined Sea Shepherd, I’ve refused to be complacent to any act of violence by remaining passive.

    If I walked by a person beating a dog in my native city of Stockholm, I would put an immediate stop to it – and make sure that that person never touch another animal again. If I heard a situation of domestic violence occur in my apartment complex, I would break down that person’s door and get involved (the Steve Irwin crew calls me ‘the Hammer’, and although I only weigh in at about 135 lbs and doubt my physical ability to do it, I’d still break my shoulder trying). So why should my reaction to illegal whaling be any different?

    A whaling vessel is incapable of suffering. But a whale feels pain as intensely as you or I – especially if an explosive-tipped harpoon enters their soft white flesh, shredding their gargantuan organs to pieces before forcing them to suffocate in their own blood. I will never understand how doing everything within one’s power, while not injuring anybody, to stop that cruel slaughter can be labeled violent.

    For me, ‘Save the Whales’ isn’t a message that you wear on your sleeve. It isn’t a motto or a slogan painted on a banner or printed on a button – it’s something that you live by, a belief that you reflect by your actions. When Captain Paul Watson was approached by long-time Greenpeace campaigner John Frizell after sinking half of Iceland’s whaling fleet in Rejkavik Harbor in 1986, he was told that the action that eventually led to shutting down Iceland’s illegal whaling operations for one-and-a-half decades was an ‘unforgivable and despicable act.’ Captain Watson turned to him and said, “John, I didn’t sink those ships for you. I didn’t sink them for Greenpeace. I sunk them for the whales. Find me one whale that disagrees with our actions and we’ll stop.” Since that day, our number one concern continues to be representing our clients; the whales, seals, dolphins, sea turtles, and fish of the world’s oceans; the best that we can. The whales come first.
    Fundraising comes second.

    In The Australian today, Greenpeace Campaigner Sara Holden called the boarding of an illegal whaling vessel by two of our crewmembers nothing more than a ‘distraction’. When can the biggest story about Japanese whaling to ever hit the world news wire ever be called a ‘distraction’? Only when it conflicts with another environmental group’s fundraising programs.

    24.1.2008 um 17:49 Uhr · Antworten

  • Simon

    Hallo Leo, hallo Guido

    Regine hat in der Vergangeheit bereits verdeutlicht, warum Greenpeace nicht mit Sea Shepherd zusammenarbeitet. Außerdem bat sie, die Kommentare zu ihrem Blog NICHT für diese Diskussion zu nutzen, da es ihr Kraft und Nerven raubt. Deshalb bitte ich euch, diese Diskussion wo anders zu führen (wenn es denn sein muss), etwa auf greenpeace.org, wo es derartige Diskussionen im Foren-Bereich gibt. Oder wendet Euch an die Hauptamtlichen Greenpeace-Campaigner in Hamburg (greenpeace.de).
    Aus diesem Grund werde ich mich inhaltlich hier auch nicht mehr zu dem (auch hier bereits x-fach dikutierten Thema) äußern.

    Beste Grüße,

    Simon

    24.1.2008 um 21:23 Uhr · Antworten

  • Rollo

    Das Thema ist noch immer aktuell! Gibt es denn von Greenpeace hier was neues?

    07.6.2010 um 22:19 Uhr · Antworten

  • Weinversand

    Kürzlich kam eine TV-Reportage über den Einsatz der Freiwilligen gegen die Nisshin Maru. Ja, man mußte die Aktion im wichtigsten Moment abbrechen, weil aus Geldmangel kein neuer Treibstoff gebunkert werden konnte. Traurige Sache.

    16.8.2010 um 12:44 Uhr · Antworten

  • kuddel68

    Ich finde, dass trotz der vielen Arbeit, die von greenpeace geleistet wird, immer noch extrem wenig davon in die öffentlichkeit gelangt. Warum mag das Thema hier online so lange undiskutiert geblieben sein?

    29.1.2011 um 18:37 Uhr · Antworten

  • Bruno Staubehälter

    Spendet doch an Sea Shepferd wenn euch die Vorgehensweise von Greenpeace euch nicht gefällt. Greenpeace ist nun mal gewaltlos und SSCS spielt Schiffe versenken, das ist der Unterschied.
    Aktuell kümmert sich Greenpeace halt lieber um “dringendere Probleme”.
    Gewaltfrei wurde Greenpeace gegründet, gewaltfrei wollen sie auch bleiben.
    Kein “Larifari”-Verein aber auch keine (wie Wikipedia SSCS beschreibt) “militante” Organisation.

    29.1.2011 um 20:55 Uhr · Antworten

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