Gestern hatten Greenpeace-Aktivisten ein sieben Meter hohes Trojanisches Atom-Pferd vor das Konrad-Adenauer-Haus, die Parteizentrale der CDU in Berlin gezogen. Dort stellten Merkel (CDU) und Seehofer (CSU) ihr Wahlkampfprogramm vor. Von der Aktion gibt es auch ein Video. Ziemlich beeindruckendes Pferdchen, finde ich:
Der Tagesspiegel berichtete vorgestern von den Plänen, am Nationalpark Unteres Odertal in Polen ein Atomkraftwerk zu errichten. Im angrenzenden Brandenburg regt sich verständlicherweise merkliches Unbehagen über die unseligen Bestrebungen:
Während sich auf deutscher Seite sämtliche Stadt- und Regionalparlamente und die Landesregierung gegen die „risikobehaftete Kernkraft” ausgesprochen haben, begrüßen die westpolnischen Kommunen schon wegen der 1000 in Aussicht gestellten Arbeitsplätze den AKW-Bau.
Bereits vor zwanzig Jahren sollte in Polen ein AKW gebaut werden, die Pläne wurden nach dem Tschernobyl-Unglück jedoch zu den Akten gelegt. Dass man jetzt wieder umdenkt, ist mehr als beunruhigend.
Auch der niederländische Versorger Delta möchte für fünf Millarden Euro ein neues Atomkraftwerk bauen. Das neue AKW soll in der Nähe des einzigen noch aktiven niederländischen AKW in Borssele entstehen und 2018 ans Netz angeschlossen werden, gab Delta letzten Donnerstag bekannt. Betrüblich, dass die deutschen Medien diese Verlautbarung weitestgehend ignoriert haben.
Deltas Pläne entbehren dabei nicht einer gehörigen Portion Dreistigkeit. Schließlich hat die derzeitige Regierung den Bau neuer AKW für die Zeit ihres Regierungsmandats bis 2011 ausgeschlossen. Delta kann jedoch spitzbübisch davon ausgehen, dass der Antrag zum Bau eines neuen Kraftwerks erst in der folgenden Legislaturperiode bestätigt wird.
Der radioaktive Abfall aus Borssele landet in dem zum Kraftwerk gehörigen Zwischenlager COVRA. In den Niederlanden hat man ebensowenig wie in Deutschland eine Ahnung, wohin mit dem strahlenden Müll. Um auf die ungelöste Endlagerfrage hinzuweisen, haben Greenpeace-Aktivisten vor der Delta-Zentrale in Middelburg ein Endlager mit falschen Atommülltonnen aufgestellt. Im Gebäude stellte Delta währenddessen seinen Aktionären die Pläne für das Kraftwerk vor.
Wer des Holländischen mächtig ist, kann nähere Infos auf der Seite von Greenpeace Nederland einholen.
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Telematik2
da seht ihr’s mal, die Kernenergie ist im Aufwind, egal was die Deutschen so treiben…
macht aus eurem Pferd Holzpellets, dann hats wenigstens irgendeinen Sinn gehabt…
23.10.2010 um 14:54 Uhr ·
Lottina
Das liegt vieleicht daran, dass viele Menschen noch nicht verstanden haben, was Atomenergie bedeutet. Aber es lässt hoffen, dass gestern auch in Tokio Zehntausende auf der Straße waren. Ich hoffe, dass man anderswo nicht bis zum nächsten Fukushima oder Cernobyl wartet; mein Eindruck ist: Es werden immer mehr Kritiker, weil die Lügen inzwischen deutlich auf dem Tisch liegen.
20.9.2011 um 12:50 Uhr ·