Wüstenstrom ist in aller Munde. Dass es sich bei dem ehrgeizigen Projekt der DESERTEC Foundation um eine ernstzunehmende Technologie handelt, hat sich in Politik, Wirtschaft und den Medien (auch Spiegel-Online berichtet heute) herumgesprochen. Besonders erfreulich ist, dass mittlerweile Politiker aller Parteien die Vorteile des Projekts erkannt haben.
Solarthermische Kraftwerke sind nicht nur Balsam für den Klimaschutz, Wüstenstrom hat noch viel mehr auf dem Spiegel: Jede Menge Jobs nämlich – wie eine heute von Greenpeace und dem Club of Rome vorgestellte Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie ausführt. Zusammengefasst:
Durch den weltweiten Bau solarthermischer Kraftwerke können deutsche Unternehmen von 2010 bis 2050 mit einer Wertschöpfung von bis zu zwei Billionen Euro profitieren. Allein im Jahre 2050 würden für den Bau der Kraftwerke etwa 240.000 Arbeitskräfte benötigt.
In die Zahl sind wohlgemerkt nur die deutschen Arbeitsplätze eingerechnet. Weltweit beläuft sich die geschätzte Zahl auf 582.000. Das hört sich gut an und dürfte dem Konsortium, angeführt von der Münchener Rück, weitere gute Gründe für ein Engagement an die Hand geben. Hinter dem Projekt formiert sich derzeit eine breit aufgestellte Front aus Unternehmen und Politikern. Gestern etwa hat Friedbert Pflüger, im Bundesvorstand der CDU, eine begeisterte Laudatio auf Spiegel-Online gehalten:
Pflüger betont darin vor allem das entspannungspolitische Potential des Projekts, das er als „Nachbarschaftspolitik im besten Sinne“ bezeichnet. Dank der stärkeren Bindung Afrikas an Europa können „Arbeitsplätze und Wohlstand“ bewerkstelligt und so eine wirkungsvolle Eindämmung terroristischer Bedrohungen erreicht werden. Außerdem tritt Pflüger beherzt Befürchtungen entgegen, dass Projekt diene der imperialistischen Ausbeutung nordafrikanischer Länder:
Diese Länder sind bisher in den notwendigen Dialog nicht oder nur sehr unzureichend eingebunden. Desertec ist nur dann eine Chance, wenn es von Beginn an politisch und diplomatisch flankiert wird. Nicht wir in Europa entscheiden darüber, ob die Wüste für Energiegewinnung genutzt wird, sondern souveräne Staaten in Nordafrika.
D´accord. In einem anderen Punkt irrt Pflüger jedoch gewaltig. An einem Atomausstieg darf nicht gerüttelt werden. Pflüger formuliert behutsam:
Man verlängert maßvoll die Laufzeiten der sicheren deutschen Kernkraftwerke und finanziert mit der Hälfte der Gewinne die Zukunft der regenerativen Energien – zentral und dezentral; ohne neue ideologische Hürden.
Das DESERTEC-Projekt taugt jedoch keinesfalls als Argument für eine Laufzeitverlängerung. Im Gegenteil: Statt für eine Laufzeitverlängerung zu sorgen, ermöglicht es sogar einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomkraft. Anders als die Kernenergie blockiert es außerdem nicht den dezentralen Ausbau von Wind und Sonne in Deutschland, sondern ergänzt einen sauberen Energiemix aus Erneuerbaren. Andree Böhling von Greenpeace sagt dazu in der heutigen Presseerklärung:
Solarthermische Kraftwerke können nach Windkraft und Photovoltaik zum dritten deutschen Exportschlager im Bereich der Öko-Energien werden. Die Klimaveränderung erzwingt einen weltweit noch schnelleren Umstieg auf Erneuerbare Energien.
Dazu passend: Das gerade veröffentlichte Thesenpapier des Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), in dem eine „Systementscheidung“ zugunsten der erneuerbaren Energien verlangt wird. Das Thesenpapier macht sich stark für den Ausbau schnell startender Kraftwerke mit gutem Regelverhalten anstelle von Grundlastkraftwerken:
TweetDie aktuelle Debatte um die „Alternative“ Kohle oder Kernenergie ist irreführend, denn beide Optionen resultieren in einer grundlastorientierten Elektrizitätsversorgung. Schon heute erscheint der Neubau von Grundlastkraftwerken bei einer Ausnutzung der Kapazitäten aus erneuerbaren Energien bis auf eine geringe Restleistung nicht mehr sinnvoll und mittelfristig nicht wirtschaftlich.












Cleantech Blogger
Desertec ist wirklich ein herausragend spannendes und zukunftsweisendes Projekt – vielleicht nur noch vergleichbar mit Masdar City – danke für die interessante Zusammenstellung zum Thema und für die Studie, auf die ich in meinem Blog heute auch näher eingehen möchte.
Schön, dass Greenpeace jetzt auch aktiv bloggt – die Zeit ist reif für die Cleantech-Revolution!
03.7.2009 um 09:08 Uhr ·
Norbert
Seht Ihr darin nicht eine Form des modernen Kolonialismus?
Schön und gut das WIR hier in Europa dann genügend Strom haben, weil WIR als die führenden Industrieländer natürlich den Strom benötigen, vor allen anderen. Vielleicht sollte dies auch diskutiert werden.
Weiterhin sind die beteiligten Unternehmen nicht auf den Umweltschutz aus, und wenn dann nur nebenbei, sondern es sind immer noch Industrie-Unternehmen die auf Ihren Gewinn fixiert sind. Ich glaube nicht, dass dadurch Wohlstand geschaffen wird, zumindest nicht in den Ländern Nordafrikas in denen politische Unruhen an der Tagesordnung stehen.
Vielleicht habe Ich es ja aber überlesen, aber wer finanziert das ganze Projekt hauptsächlich: die Unternehmen oder die Steuerzahler?
So gut das Projekt klingt, wird es hier dennoch idealisiert.
15.7.2009 um 16:23 Uhr ·
Norbert
Schaut euch das bitte mal an:
http://www.wahrheitsbewegung.net/index.php?option=com_content&task=view&id=15&Itemid=2
falls es nicht angezeigt wird geht mal unter wahrheitsbewegung.de und dann schaut mal nach dem Schwindel über die Erderwärmung.
Ich hoffe Ihr schaut das Video ganz an, es lohnt sich, und sollte einigen der Greenpeace-Aktivisten/-Mitglieder die Augen öffnen oder zumindest ein Denkanstoss sein.
Vielleicht passt dies hier nicht hundertprozentig rein, aber es lohnt sich trotzdem!
Ich kann es euch nur raten anzuschauen.
15.7.2009 um 17:20 Uhr ·
Tobias Staufenberg
Die sogenannten “Klimaskeptiker”, welche sich unter dem Deckmantel des philosophischen Skeptizismus als Aufklärer der Menschheit in Szene setzen sind aber dummerweise auch nicht die unabhängigen Freigeister, als die sie sich gerne sehen:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,599990,00.html
Hinter solchen Publikationen stecken meist knallharte Wirtschaftsinteressen.
17.7.2009 um 13:59 Uhr ·
holger krohn
Lieber Norbert
du soltest auch erwegen daß das ipcc nicht irt und es einen menschgemachten klimawandel gibt !!!denn wenn wir in 50 jahren festellen das ipcc hatte recht und wir haben nicht gehandelt dann haben wir ein echtes problem . wenn wir jetzt umbauen und uns von fossielen brenstoffen(übrigens fossile sind endlich) verabschieden hin zu erneuerbaren energien haben wir für die nägsten 100 generationen eine sichere energieversorgung und bestimmt nicht falsch gehandelt.
beste grüsse
holger
18.7.2009 um 11:32 Uhr ·
Norbert
Dann stellt sich mir doch die Frage, warum auf den Listen der Studien des IPCC trotzdem noch die Namen von Wissenschaftlern stehen, die sich ausgetragen haben, und warum gerade diese Berichte an manchen Stellen gekürzt sind? Und das gerade an den Stellen an denen man erkennen lassen will, das es Zweifel gibt, ob nun die Erderwärmung durch CO2 verursacht wird (bspw.)?
Ach ja, ich möchte noch entgegenhalten: Sind die Studien des IPCC wirklich ausschließlich von “unabhängigen” Wissenschaftlern erstellt worden? Stecken auch nicht hinter den ganzen regenerativen Energien eine ganze Wirtschaft, eine Wirtschaft die immer mehr floriert, und allein durch den Gedanken getragen wird, das wir Menschen die Verursacher allen Übels sind (hier auf die Umwelt bezogen) und das auch von jeglichen Medien postuliert wird?
Bezogen auf Desertec: Da stecken auch nur wirtschaftliche Interessen dahinter, in keinem Satz wird erläutert, dass wir damit Afrika wieder nur für unsere Interessen ausnutzen. Vielleicht tun wir (naja eher der Wirtschaftszweig für regenerative Energien) wieder etwas für die Umwelt, aber was tun man damit den Afrikanern an? Gehen Umweltinteressen vor Menschenrechte? Wie jeder sicherlich weiß, haben die afrikanischen Staaten strenge Auflagen, die es Ihnen nicht ermöglichen Ihre Kohle oder Gasvorkommen wirtschaftlich zu nutzen, viele Vorlagen dafür entstammen der Feder der IPCC.
Statt Krankenhäusern eine vernünftige Energieversorgung zu gewährleisten, gibt man Ihnen Solarplatten. Ich hoffe Ihr habt euch das Filmchen angeschaut und nicht schon nach den ersten 10 Minuten abgeschaltet.
18.7.2009 um 14:58 Uhr
Norbert
Lieber Herr Krohn,
wie sind sie sich eigentlich so sicher, dass das IPCC sich nicht irrt? Haben sie sich einmal intensiv mit der Zusammensetzung des IPCC vertraut gemacht? Hauptsächlich besteht er aus Politikern und Lobbyisten, sodass hauptsächlich staatliche Interessen vertreten werden, als das man sich auf die Wissenschaft stützt. Aber sie wissen das bestimmt. Weiterhin sind “was wäre, wenn”-Szenarien keine Hilfen, und zeigen schon sofort, dass diese nicht wissenschaftlich gestützt sind.
Wie sie auch wissen macht CO2 etwa 0,054% des Treibgases und 95% Wasserdampf aus, aber damit schweift man ja vom Thema des Artikels ab.
Was mich verwundert, auf mein erstes Kommentar sind Sie überhaupt nicht eingegangen. Schade, Ich hätte Ihre Meinung gerne gehört.
18.7.2009 um 15:22 Uhr
Simon Brücken
Hallo Norbert!
Das Zahlenspiel mit Wasserdampf und CO2 ist ein alter Hut und sagt erstmal gar nichts aus. Der Mensch beeinflusst den Wasserdampfhaushalt ja direkt nur wenig bzw. indirekt als positive Rückkopplung im Klimasystem (mehr Wärme = mehr Verdunstung = mehr Wasserdampf = mehr Wärme =…). Gerade weil CO2 mit seinem geringen Vorkommen eine so hohe Treibhauswirkung hat sind die anthropogenen CO2-Emissionen so bedeutend. Das vorindustrielle CO2-Niveau lag bei etwa 280 ppmV (parts per million im Volumenverhältnis), jetzt liegen wir bereits bei 380 ppmV!
Hinsichtlich des Klimawandels ist sich die wissenschaftliche Welt wirklich einig, von den paar Klimaskeptikern mal abgesehen, deren Argumente meines Wissens bislang allesamt als widerlegt bzw. gefälscht gelten. Natürlich ist auch der IPCC-Report nicht völlig unabhängig. Das erschreckende ist jedoch, dass die derzeitigen Entwicklungen (etwa in der Arktis) über die Prognosen und Szenarien der Klimawissenschaften hinausgehen.
19.7.2009 um 11:59 Uhr ·
Norbert
Hallo Simon,
Danke für dein Kommentar. Nun habe Ich aber gehört, dass beispielsweise das Abschmelzen der Arktis (wie man so gern die abbrechenden Eismassen in Verbindung mit dem Klimawandel setzt) ein natürlicher Prozess ist, der immer wiederkehrt und etwa mit dem abfallen der Blätter im Herbst zu vergleichen sei, so zumindest nach einigen Wissenschaftlern der Harvard-Universität.
Betrachtet man das Erwärmen der Erde und den Einbruch von Kältezeiten, sind diese, betrachtet über einen Zeitraum von ein paar tausend Jahren, zyklisch. Und wir befinden uns demnach in einer Phase der Erwärmung. So gab es etwa im 14. oder 15. Jahrhundert eine große Kälteperiode. Davor etwa um 1000 etwa, baute man in Nordengland Wein an! Was für ein Klima hat da wohl geherrscht?
Bestimmt beeinflussen wir Menschen in der Zwischenzeit das Klima, aber nicht in dem Maße, dass man einer großen Katastrophe zusteuert. Auch glaube Ich nicht, dass man von einem Klimawandel in exorbitantem Ausmaß reden kann, wenn sich das Klima schon alle 500 Jahre stark verändert.
Weiterhin sind Prognosen und Szenarien der Klimawissenschaften (deren Ergebnisse erst nach Prüfung von Politikern veröffentlicht werden) unglaubwürdig, da es wirklich an manchen Stellen nur durch die unterschiedliche Eingabe einer Variablen im mathematisch geprägten Algorithmus zu verschiedenen Extrema im Zielwert kommen kann.
Es gibt auch nicht nur eine handvoll “Skeptiker”. Natürlich werden diese Wissenschaftler aber sofort als Ketzer dargestellt, da Ihre Meinungen und wissenschaftliche Arbeiten in der jetzigen vom Umweltwahn geprägten Gesellschaft keine Ohren finden, obwohl es sich lohnen würde, Ihre Arbeiten anzuschauen.
Ich finde es auch schade, das viele Menschen die etwas von Umweltschutz halten oder sogar regelrechte Fanatiker sind, sich gegenüber “oppositioneller Presse” taub stellen, und nur das hören wollen, was Ihnen passt. Aber leider ist der Mensch nun mal so. Deshalb würde Ich mich auch gerne über weitere Kommentare / Antworten freuen.
19.7.2009 um 20:27 Uhr ·
Dr. Gerhard Dües
“DESERTEC”: Parabolrinnenkraftwerke im Wüstensandstrahlgebläse…
Die Diskussion “DESERTEC – Wüstenstrom, FÜR und WIDER” betreffend, sind die Argumente contra Strom aus der Sahara von H. SCHEER zunächst gut nachzuvollziehen. Aber auch das Argument von GREENPEACE, man solle beides, dezentrale erneuerb. Energie u n d Solarthermie aus der Sahara nutzen, ist plausibel. So weit, so gut!
Eine “Fata Morgana” (H.SCHEER) wird dieses gigantische Projekt allerdings aus einem anderen Grunde noch werden, als von SCHEER prognostiziert. Diese Tatsache sollten die Damen und Herren Techniker als auch Manager und Politiker besser noch bevor sie in die Hände spucken bzw. entscheiden, berücksichtigen: es ist die “abschleifende” Wirkung von mit Saharasand beladenen Stürmen, denen kaum etwas widersteht, kein metallisches Eisen, kein Glas, auf Dauer nichts.
Oder hat man vor, die Parabolrinnenspiegel mit spez. Carbiden oder ähnlich harten
Substanzen zu beschichten und so zu schützen? Wohl kaum, da zu teuer !
Es wäre nur eine Frage von wenigen bis mehreren Jahren und die anfangs so glänzenden Spiegel verlören ihren Nutzen bringenden Glanz, würden matt und daher völlig funktionslos. Wer mal längere Zeit in der Sahara war, wird sich eine Vorstellung von der erosiven Wirkung der Sahara-Sandstürme gemacht haben: effizienter als das beste Sandstrahlgebläse.
Frage und Bitte: Ist es möglich…, … nein, man sollte doch besser derartige Solarthermiekraftwerke, wie bereits in den ANDASOL-Projekten verwirklicht bzw. geplant, im ebenfalls sonnenglühenden (wenn auch bei etwas (!) geringerer Insolation) Andalusien (Südspanien) bauen. Dort hat man keine Sandstürme, mehr
Wasser zur Kühlung, keine “Terrorgefahr”, keinen “Neokolonialismus oder sonst was”, und man muß mit der Technik der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung nicht durchs Mittelmeer. Ich hoffe, die geographischen Kenntnisse / techn. Kompetenz von Managern und Politikern nicht über Gebühr strapaziert zu haben.
Manchmal frage ich mich, ob in diesem unseren Lande neben den ganz Gierigen nur noch Deppen zuhause sind.
Der Leser dieser Zeilen ist selbstredend von dieser Vermutung ausgenommen.
Dr. Gerhard Dües
19.7.2009 um 20:58 Uhr ·
Norbert
Leider sind in Spanien die Steuern für Grund und Boden erheblich teuerer als in afrikanischen Ländern, oder gar in der Sahara selbst, sodass es wirtschaftlich ein Disaster darstellen würde, dort die Sonnenenergie großflächig nutzen zu wollen, wenn es nicht richtig breit vom Staat oder der EU finanziert / subventioniert wird.
Der Punkt mit den Sandstürmen ist aber mehr als plausibel.
19.7.2009 um 21:13 Uhr ·
Florian Pithan
Das Problem ist – es gibt keine, wenn überhaupt eine handvoll, ernstzunehmende Wissenschaftler die sagen, dass es keinen menschengamchten Klimawandel gibt. Diesen vielleicht 5 seriösen Menschen stehen tausende Wissenschaftler gegenüber, die nach Auswertung ALLER Fakten (und nicht nur der die einem gerade in den Kram passen) eindeutig sagen: es gibt den Klimawandel. Dann gibt es die Skeptiker, größtenteils Menschen die eben keine Wissenschaftler sind die Ahnung vom Thema haben, die das alles anzweifeln. Ich bin für jedes Argument offen, und ich kenne die meisten Argumente der Klimaskeptiker, aber leider sind sie alle Stuß. Manche Menschen können einfach mit der Wahrheit nicht leben, und suchen sich dann hahnebüchene Erklärungen. Der Tod von Michael Jackson, die Mondlandung, der Klimawandel, der 9.11.2001 – überall gibt es hier Skeptiker und Verschwörungstheoretiker, die keine Ahnung haben (vor allem nicht von Physik) aber alles besser wissen.
Holger Krohn hat schon recht:
99,9% der ernstzunehmenden Wissenschaftler stecken alle unter einer Decke und irren sich, und 0,1% hat Recht?
Ja theoretisch ist das möglich, Wunder passieren. Aber deshalb jetzt den Kopf in den Sand stecken und so tun als wäre nichts?
Um das Ganze mal argumentativ zu betrachten:
Ja, es fallen immer wieder Gletscherstücke ins Meer. Schlimm ist nur, dass es seit einiger Zeit viel mehr sind als es sein dürften. Sie argumentieren so: Es ist doch völlig normal, dass ich 200 Euro vom Konto abhebe, das habe ich immer schon so gemacht. Ich sage: Ja OK, wenn sie das einmal pro Woche gemachthaben früher und jetzt jeden Tag machen, haben sie trotzdem ein Problem.
Die Warmzeit – ja wir befinden uns in einer kleinen Warmzeit. Das Schlimme daran ist: Wir setzen unseren Klimawandel noch obendrauf! Und machen es noch wärmer! Obwohl es eh schon Sommer ist drehen wir die Heizung noch auf volle Pulle!
Der Wein in Nordengland muss häufig als Gegenthese für den Klimawandel herhalten. Wer des Englichen mächtig ist kann hier (http://www.realclimate.org/index.php/archives/2006/11/english-vineyards-again/ oder hier: http://www.realclimate.org/index.php/archives/2006/07/medieval-warmth-and-english-wine/) nachlesen warum das, mit Verlaub, Quatsch ist. In Kurz zusammengefasst: In England wurde immer Wein angebaut, auch in den letzten zweihundert Jahren, es weiss bloss kaum einer.
Im Übrigen werden die Studien von Wissenschaftlern NICHT erst nach Prüfung durch “Politiker” veröffentlicht.
Die Klimaszenarien sind auch NICHT unglaubwürdig, sondern zeigen in ihrer Summe eindeutig den Menschengemachten Klimawandel. Daran gibt es leider nichts zu rütteln.
Ansonsten kann ich nur sagen: Wir sind hier weder in der Kirche (dort ist “glauben” völlig OK) noch am Verhandlungstisch. Hier geht es um knallharte Wissenschaft, vor Allem Physik. Es ist völlig egal, ob Norbert glaubt, dass wir das Klima ein bisschen beeinflussen, aber nicht viel. Genauso egal ist es, ob Norbert glaubt, dass ich einen lila Ferrari besitze. Beides, den Klimawandel und die Ferrarifrage, kann man EINDEUTIG beantworten, wenn man denn genügend recherchiert.
Ich bin auch um Gottes Willen kein fanatischer Umweltschützer der nichts anderes hören will – gebt es mir, das gute Argument, dass die gesamte Klimawissenschaft auf den Kopf stellt. Ich werde es überprüfen, und sollte es haltbar sein, werde ich eine große Party schmeissen. Ein Großteil meiner Sorgen würde wegfallen, wenn es den Klimawandel nicht gebe – warum sollte ich ihn also erfinden?
19.7.2009 um 21:19 Uhr ·
Florian Pithan
@Gerhard Dües:
Warum sollte man Solarkraftwerke “nur” in Andalusien und nicht in der Sahara bauen? Zum Einen ist die Sonnenstrahlung höher. 2800 Stunden in der Sahara gegen 2100 Stunden an den besten Standorten Andalusiens. Das macht einen großen Unterschied. Zweitens kann man nicht den gesamten Strom für Afrika, den nahen Osten und 15% des europäischen Stroms in Andalusien produzieren. Dafür ist Andalusien zu klein. Man kann aber den gesamten Strom für Afrika und den nahen Osten in der Sahara produzieren. Das macht Sinn, denn der Strombedarf dort wird wachsen und wir müssen sehr darauf achten, dass dort keine Kohlekraftwerke gebaut werden – allen Menschen zuliebe.
Im Übrigen sind 80% der Sahara Steinwüste und nur 20% Sandwüste. In der Steinwüste sind die zu erwartenden Probleme mit Sandstürmen viel Geringer. Ich möchte im Übrigen darauf hinweisen, dass es auch in Kalifornien und Andalusien viel Sand/Staub gibt. Probleme bereitet aber eher die Reinigung der der Spiegel (ist aber lösbar) als ihre “Abnutzung”.
19.7.2009 um 21:33 Uhr ·
Dr. Gerhard Dües
Andalusien wäre schon besser,
da die Staubpartikel dort bei Stürmen eine wesentlich geringere kinetische Energie tragen als die Partikel bei Sandstürmen in der Sahara. Infolge dessen ist die Wirkung des Windschliffs auch erheblich geringer. Apropos Steinwüste: Waren Sie schon mal in der Steinwüste des Tademait-Plateaus in der algerischen Sahara? Fahren Sie dorthin und Sie sehen dort die unglaublich starke “Schleifwirkung” von Sahara Sandstürmen. Warten Sie dann bitte auch auf einen Sandsturm. Ihnen dürfte Hören und Sehen vergehen.
Übrigens wird Sahara-Sand äolisch bis hinüber nach Südamerika transportiert. Aber das wissen Sie möglicherweise.
Ohne Beschichtung würden die Parabolspiegel in der Sahara recht schnell matt geschliffen werden. Nicht so in Andalusien!
Und Andalusien ist gross. Dort bauen die Spanier ohnehin in erheblichem Umfang Bewässerungskulturen an, die kostbares Nass vergeuden unter Pestizideinsatz usw. Weite Flächen sind zudem praktisch ungenutzt, also Fläche ist vorhanden.
Ansonsten könnte man auch noch CSP einsetzen, die weniger an Fläche benötigen würde.
Meine Frage an Sie: Welche Beschichtung der Parabolspiegeloberflächen würden Sie denn vorschlagen? (In der Sahara wäre “Diamant” wohl die sicherste Lösung…hm…).
Wenn eine Firma aus dem Konsortium Desertec diese Frage zu beantworten imstande wäre, müsste dies die Firma SCHOTT Solar sein. Vielleicht wartet sie aber auch noch auf gute Vorschläge.
MfG: G. Dües
20.7.2009 um 16:30 Uhr ·
Florian Pithan
Also die Spiegel werden nicht von Schott, sondern von Flabeg und neuerdings auch Solel und RioGlass geliefert.
Die Sahara ist so groß wie die Vereinigten Staaten, Andalusien nicht. Das gibt schon einen Unterschied.
Ob eine Beschichtung notwendig ist, wird man sicher in 5 Jahren wissen, wenn das Parabolrinnenkraftwerk in Ägypten eine zeitlang am Netz war.
Ich mache mir da aber nicht allzuviele Sorgen drüber.
20.7.2009 um 18:34 Uhr ·
Dr. Gerhard Dües
Daß die Spiegel nicht von SCHOTT geliefert werden, ist mir bekannt. Diese Firma ist aber weltweit in der F+E von Spezialgläsern usw. mit die Nr. 1. Gehen Sie in die Forschungslabors und Sie sehen i.d.R. Gläser von SCHOTT.
Sie blicken im Hinblick auf die mögl. Gefahr der “Vermattung” der Spiegeloberflächen also optimistisch drein. Hoffentlich haben Sie recht! Ich denke, ein Blick auf die Mohs´sche Härteskala wird, d.h. entspr. Belastungstests werden Klarheit bringen.
Ich Übrigen fand ich die Idee, in der Sahara solch ein Ding zu realisieren, zunächst auch gut, bin aber aus den genannten Gründen zu anderen Standorten (rund ums Mittelmeer) gekommen, einer davon ist Andalusien.
Darf ich Ihnen eine Frage stellen: Was halten Sie von der Firma Solar Millennium? Auch “börsentechnisch”? Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich freuen!
MfG: Dr. Gerhard Dües
21.7.2009 um 09:01 Uhr ·
Florian Pithan
Ich hoffe natürlich, das weltweit möglichst viele Standorte erschlossen werden. Jeder wird seine spezifischen Nachteile haben. Doch bevor wir hier die anderen Leser mit technischen Details langweilen, schreiben Sie mir doch bitte eine Mail (f.pithan@greenpeace-aachen.de)
21.7.2009 um 18:31 Uhr
Tatjana
Ich bin absolut für das Desertec Projekt, aber ich finde es schon merkwürdig, dass bei der Palmöl-Diskussion immer die Vertreibung von sogenannten Indigenen erwähnt wird, dies seitens Greenpeace aber bei Desertec völlig in der öffentlichen Diskussion vernachlässigt wird. Gibt es in den Projektgebieten tatsächlich keine Bewohner? Wem gehört das Land und wer nutzt und bewohnt es de facto? Und was ist aus den “dezentralen Erneuerbaren” geworden?
21.7.2009 um 03:49 Uhr ·
Florian Pithan
Im Rahmen des Desertec-Konzeptes wurde schon darauf geachtet, Menschenrechte nicht zu vergessen. Gerade auf unverbriefte Weiderechte von Nomaden etc. muss man achten. Man darf allerdings auch die Staaten dort nicht aus der Verantwortung entlassen. Letzten Endes sind sie es, die diesbezüglich entscheiden und handeln müssen.
Desertec ist als Ergänzung zu unseren heimischen, teils dezentralen EE gedacht, nicht als Ersatz. Man darf nie vergessen, dass ein Großteil der Energie so oder so in Afrika bleiben wird, um den dortigen Energiehunger zu stillen.
21.7.2009 um 18:35 Uhr ·
Dr. Gerhard Dües
Die Wüste Sahara ist fast menschenleer.
Schauen Sie in den Westermann Schulatlas und sehen Sie sich die Karte der Bevölkerungsdichte an!
Neben wenigen verbliebenen Touareg-Nomaden gibt es, natürlich abgesehen von den Bewohnern vereinzelter Oasen, in der algerischen Sahara keine Menschen. Die Vorräte an fossilem Grundwasser in der Sahara nehmen rapide ab. Ohne Wasser gibt es kein Leben. Auch und gerade in diesem Punkt wäre das DESERTEC-Projekt wegen der Möglichkeit, die Energie zur Wasserentsalzung bereit zu stellen, begrüssenswert.
Dann könnte man getrost die Sahara wieder bevölkern – früher, vor tausenden von Jahren, war sie ja schon mal bewohnt – diesmal vielleicht auch – da zuhauf präsent – mit aussortierten Managern und Politikern, die sich dann mit der Urbarmachung der an sich sehr nährstoffhaltigen und fruchtbaren Wüstenböden bei dann möglicher Bewässerung nützlich machen könnten. Ich denke da an Leute wie CEO´s von Energieversorgern wie Vattenfall, EON usw, aber auch an “Ausstieg- aus- dem- Ausstieg(s)-kandidaten” wie A. Merkel und viele andere…, bei vor Ort üblichen Bezügen.
Auch in diesem Sinne : MfG : Dr. G. Dües
21.7.2009 um 09:31 Uhr ·
Wolfgang Martin
Im neuen Solarbrief gibt’s dazu auch einige Meinungen,
auf Seite
http://www.sfv.de/artikel/400_milliarden_fuer_desertec.htm
und von Franz Alt s dieses:
http://www.sfv.de/artikel/franz_alt_-_saharastrom_fuer_deutschland.htm
Na ja und Hermann Scheer wurde schon erwähnt
Mfg
22.7.2009 um 17:00 Uhr ·
Matthias Holländer
Vielleicht ist die technische Frage des Projekts sowieso irrelevant, da die Sahara zwar nicht bewohnt, trotzdem aber benutzt ist. Ich würde mich nicht gerne mit ständigen Forderungen, Erpressungen und Zerstörungen durch Terroristen konfrontiert sehen. 400 Millarden Euro ist eine außreichnde Summe um Terroristen anzuziehen, wenn sie dort noch nicht längst sind siehe folgenden Artikel bei Spiegel online: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,679840,00.html . An einem anderen Standort (falls es einen geeigneten gibt) würde ich das Projekt jedoch sehr begrüßen!
MfG Matthias
03.3.2010 um 16:36 Uhr ·
trailblazer
Wieviel Platz in der Wüste ist, ist für Europa nicht relevant, denn wir haben auf unseren Dächern und Flächen vor Ort genug Potential, um uns selber zu versorgen.
Solche zentralen Stromquellen fördern nur wieder neue Abhängikeiten und Monopole der Energieversorger, die ja gerade nicht das Ziel sind.
Abgesehen davon bietet sich so ein Projekt hervorragend als Terrorismusziel an und wenn man etwas technisch daneben geht, gehen bei uns im großen Stile die Lichter aus.
03.3.2010 um 17:08 Uhr ·