Die Szene kennen wir aus vielen Filmen: Mama und Papa bläuen ihrem Sprössling immer ein, dass es nicht in Ordnung ist zu lügen. Dann müssen die Eltern plötzlich doch einmal lügen. Hinterher müssen sie dem entsetzten Kind klarmachen, dass es manchmal okay ist zu lügen. Der Volksmund spricht in diesem Fall von einer Notlüge, bei Wikipedia folgendermaßen definiert:
Die Notlüge dient in der Regel zur Abwendung humaner oder ökonomischer Nachteile des Lügners oder einer Gruppe, vor allem um große strategische Ziele nicht zu gefährden.
Die Aussage, Atomstrom sei billiger Strom, ist eine solche Notlüge. Dies zeigt eine Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Den Autoren zufolge zahlen Verbraucher um so mehr, je größer der Anteil von Atomstrom im Strommix ihres Versorgers ist. Zudem widerlegt die Studie die Mär vom teuren Ökostrom: Speziell Familienhaushalte könnten mit Ökostrom statt Atomstrom nicht nur Geld sparen, sondern den Energieriesen auch empfindliche Kundenverluste zufügen. Bernward Janzing rät in der Tageszeitung dazu, unabhängige Ökostromanbieter zu wählen, da diese ihren Ökostrom meist billiger anbieten als die großen Energieversorger.
Der Bundesvorstand der Christlichen Demokraten gegen Atomkraft (CDAK) – des atomkritischen Flügels der CDU/CSU – hatte bereits Anfang Juni darauf hingewiesen, dass Atomstrom eigentlich nicht wirtschafltich sei. Grund sind die vielen externalisierten Kosten, also diejenigen Kosten, die nicht im Preis berücksichtigt sind. Das betrifft die Verseuchung ganzer Landstriche durch Uranbergbau, die Kosten der (immer noch ungelösten) Endlagerung, die Sicherheit der Transporte von strahlendem Material, etc.
Nach Angaben der CDAK hat eine Studie des Bundeswirtschaftministeriums bereits 1992 die vollständigen Kosten des Atomstroms mit 4 DM pro Kilowattstunde beziffert. Heute wären das ungefähr 2 Euro!
Billig ist der Atomstrom also de facto nicht. Bedenkt man, dass den Betreibern der Atomkraftwerke zur Zeit reihenweise die Kunden weglaufen, scheint die “Not” groß zu sein. Schließlich könnte die schöne Jahresbilanz den Bach runtergehen. Und was soll man dann den Aktionären erzählen? Doch nicht etwa, dass es nicht gelungen ist, das angelegte Kapital ohne Rücksicht auf Verluste zu vermehren? Nein, dann lieber eine kleine Notlüge zur rechten Zeit und hoffen, dass die Verbraucher blöd genug sind, drauf reinzufallen…
Also: Fleißig weiter zu unabhängigen Ökostromanbietern wechseln, wer es noch nicht getan hat. Tipps, Infos und eine Anleitung gibt’s hier.
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Norbert
Gratulation du hast also nun gezeigt, dass Atomstrom etwa 2 Euro pro Kilowattstunde kostet. Gut recherchiert.
Die tatsächlichen Kosten von reinem Ökostrom wurden hier aber nicht dargestellt. Somit ist kein Vergleich zu Atomstrom erkennbar, und es ist eine Farce, dann noch schlussendlich den Leser dazu aufzufordern, zu Ökostrom zu wechseln, obwohl eben kein Vergleich zustande gekommen ist.
Der Ausdruck da Vattenfall die Kunden “reihenweise” davon laufen ist schlicht eine Übertreibung. Man Bedenke was für einen Marktanteil Vattenfall allein in Deutschland hat.
20.7.2009 um 18:40 Uhr ·
Tatjana
Mal ganz anders gefragt, Norbert: Wie hoch sind denn die Externalitäten (also die gesellschaftlichen Kosten) von Ökostrom im Vergleich zu denen von Atomstrom?
21.7.2009 um 03:39 Uhr ·
Mr.Zulu
An Norbert & Tanja: Vielleicht hat der Autor die Kosten für Ökostrom nicht dargestellt, weil es sie de facto für den Nutzer regenerativer Energien und für die Welt allgemein in der Gesamtbetrachtung gar nicht gibt!? Stelle dir doch diese Frage mal.
Und wenn der Ökostrom auch in der Anfangsphase (!) auf Kosten derjenigen mitfinanziert wird, die schmutzigen Strom beziehen, dann ist das GUT! Diese Kosten können gar nicht hoch genug sein. PUNKT.
AN ALLE:
WAS IST TEURER? DIE FOLGEN DES KLIMAWANDELS ODER DIE RETTUNG DES WELTKLIMAS? (Franz Alt)
Es ist ein Fakt, dass wir eine Verantwortung tragen und uns nicht mehr an fossile Brennstoffe und schon gar nicht an die Atomkraft klammern dürfen.
Ich habe mich schon oft gefragt, wieso es immer noch Menschen gibt, die den Klimawandel bewusst in Kauf nehmen und die Folgekosten dieses gewaltigen Wandels ignorieren oder ernsthaft beschönigen.
Jede PV-Anlage bzw. jede alternative grüne Energiequelle ist ein Sargnagel für die Atomkraft und andere Klimakiller. Wenn das die sog. “Externalitäten” für die Atomkraft sind, dann JA: Her mit mehr positive Externalitäten und WEG mit den negative externalisierten Kosten der dümmlichen Atomkraft!
Nur zur Info: Schon jetzt haben wir in der BRD mindestens 4 Atomkraftwerke durch erneuerbare Energien eingespart und jedes Jahr kommt mind. ein eingespartes Atomkraftwerk hinzu.
Die jährlich auf die Erde strahlende Sonnenenergie übersteigt den jährlichen Bedarf der ganzen Welt (!) um das 15.000-fache.
Wer da jetzt noch an die Zukunft der Atomenergie glaubt, hat rein gar nichts begriffen!!!
Ich möchte Dr. Franz Alt an dieser Stelle wieder sinngemäß zitieren: Heute sind wir alle Teil des Problems. Aber die einzig entscheidene Frage lautet: Wie werden wir Teil der Lösung?
Daher sage ich: Wir haben in Bezug auf regenerative Technologien kein Technologieproblem mehr. Es ist nahezu alles machbar. Was wir jetzt “nur” noch haben ist ein Umsetzungsproblem!!! Also packen wir es an… Die Lösung des Energieproblems und der Weg zum Frieden steht am Himmel!
Es grüßt
Mr.Zulu
21.7.2009 um 11:01 Uhr ·
Tatjana
@ Mr. Zulu
Meinteste mich? Ich heiße Tatjana, nicht Tanja. Und meine Frage war rhetorisch, denn wie Du richtig erkannt hast, sind die gesellschaftlichen Kosten von Atomstrom viel höher als die der Regenerativen. Auf Null würde ich sie allerdings nicht schätzen.. vielleicht schaue ich mir dazu mal den Link von Tobias an.
02.8.2009 um 01:58 Uhr ·
Tobias Staufenberg
Das Bundesumweltminiserium hat 2006 eine Studie in Auftrag gegeben, welche die externen Kosten von erneuerbaren Energien denen der fossilen Energien gegenüberstellt: http://www.erneuerbare-energien.de/files/erneuerbare_energien/downloads/application/pdf/ee_kosten_stromerzeugung.pdf
Ergebnis: Die externen Kosten der Erneuerbaren liegen weit unter denen der fossilen Energieträger. Betrachtet man dazu die hohen externen Kosten der Atomkraft, so wird deutlich, dass erneuerbare Energiequellen die einzige Option sind.
@Norbert:
Wenn Lichtblick 500 statt wie sonst 300 Neuanmeldungen seit dem Krümmelchaos meldet, kann man schon sagen, dass Vattenfall reihenweise die Kunden weglaufen. Alles andere wäre blanker Euphemismus.
Grüße von der Elbe!
21.7.2009 um 11:25 Uhr ·