EPR – Europäischer Problem-Reaktor

23. Juli 2009 · von Tobias Staufenberg

EPR – diese Buchstaben stehen für vieles: ein quantenmechanisches Phänomen wird so bezeichnet, die elektronische Platzreservierung der schweizerischen Bundesbahn und sogar eine mexikanische Guerillabewegung schmückt sich mit dieser Abkürzung.
Allerdings stehen die drei Buchstaben noch für etwas anderes: European Pressurized Water Reactor – zu deutsch Europäischer Druckwasserreaktor.
Dabei handelt es sich um einen Reaktortyp der sogenannten dritten Generation, der vom französischen Energiekonzern Areva in Zusammenarbeit mit Siemens entwickelt wurde. Man setzte auf ein standardisiertes Design, um mehr Sicherheit und weniger Kosten zu erhalten. Beides ging nach hinten los: Die Reaktoren sind mit einer Leistung von 1.600 Megawatt (MW) leistungsstärker als andere Reaktoren – und enthalten somit auch mehr radioaktives Material. Die Sicherheit gegenüber Flugzeugabstürzen ist auch beim EPR nicht gewährleistet, so der Wissenschaftler John Large (leider nur auf französisch). Zusätzlich können EPR auch mit sogenannten Mischoxid(MOX)-Brennelementen betrieben werden, einer Mischung aus Uran und Plutonium, die jedoch anfälliger für Kernschmelzen ist und mehr radioaktive Abfälle produziert als herkömmliche Brennelemente.
Auch bei den Kosten hat sich Areva gehörig verschätzt. Im finnischen Olkiluoto wird zur Zeit einer von zwei EPR weltweit gebaut (weitere sind in Planung: die reinste Seuche…). Eigentlich sollte der Reaktor bereits in diesem Jahr ans Netz gehen, doch eine Pannenserie, die ihresgleichen sucht, verzögert den Bau immer weiter. Seit Baubeginn 2005 hat die finnische Atomaufsichtsbehörde über 2.200 Sicherheits- und Qualitätsprobleme notiert. Mittlerweile ist wohl nicht vor 2012 mit der Fertigstellung zu rechnen und die Kosten explodieren geradezu! Übrigens ist auch die bayerische Landesbank beteiligt …
In Deutschland wird es unter der aktuellen Rechtslage keinen Neubau von Atomkraftwerken geben. Sollte die neue Bundesregierung jedoch auf die Idee kommen, den Atomausstieg rückgängig zu machen, dann bekommen wir vielleicht unser eigenes Olkiluoto – direkt vor der Haustür.

Kommentare

  • Hans Kolpak

    Volksverhetzung durch Greenpeace

    Durch anhaltende Lügen, Halbwahrheiten und Verdrehungen begehen Erfüllungsgehilfen von Greenpeace eine ganze Reihe von Handlungen, die es wert sind, von Juristen überprüft zu werden.

    Unsere Enkel werden fragen: Was habt ihr gegen diese böswillige Propaganda des Ökoterrorismus unternommen?

    Hans Kolpak
    Partei der Vernunft

    24.7.2009 um 11:13 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      Herr Kolpak, unkonstruktive Beiträge sind hier unerwünscht. Erst recht, wenn sie von dem Pressesprecher einer sogenannten Partei der Vernunft gepostet werden. Juristisch überprüft werden sollte allenfalls Ihr Vorwurf der “Volksverhetzung”, denn der ist nicht nur hochgradig unvernünftig, sondern fast schon “Verleumdung”. Unsere Empfehlung: Einfach mal hier juristische Begriffe nachschlagen. Ein Mann der Vernunft lernt schließlich gerne dazu.

      24.7.2009 um 11:58 Uhr · Antworten

    • TimoT

      Ich denke, meine Enkel werden mich fragen: Warum muss ich mit meinen Steuergeldern immer noch Deine Atommüllagerung finanzieren? (-> Asse)

      24.7.2009 um 13:27 Uhr · Antworten

    • Georg

      Sehr geehrter Herr Kolpak,

      Vernunft? Partei der Vernunft? Was würden Vorreiter der Aufklärung wohl zu Ihrem “Kommentar” sagen? Über so eine Aneinanderreihung gehaltloser Vorwürfe (man mag nicht mal von einer “Meinung” sprechen) kann man eigentlich nur lachen. Sie disqualifizieren sich selbst.
      Kennen Sie die ursprüngliche Kalkulation für den EPR in Finnland und die heute veranschlagten Kosten? 2007 lagen sie um 1,5 Milliarden Euro über dem vereinbarten Festpreis von 3,2 Milliarden. Haben Sie aktuellere Zahlen? In jedem Fall geht der EPR frühestens 2012 ans Netz, eigentlich sollte er schon laufen. Also wo ist die Lüge, wovon reden Sie?
      Woanders ist es nicht besser: Das Wall Street Journal spricht im Zusammenhang mit den neuen Reaktoren in den USA von einem regelrechten »Preis-Schock«. Kostenschätzungen der bisher nur auf dem Reißbrett existierenden Atommeiler hätten sich »verdoppelt bis vervierfacht« schreibt das Blatt in einem im Mai erschienenen Report. »Die Eskalation bei den Preisen ist ernüchternd, weil Industrie und Aufsichtsbehörden hart gearbeitet haben, um die Neuentwicklungen wirtschaftlicher zu machen«, heißt es weiter. Die Kosten hätten selbst die schlimmsten Erwartungen übertroffen, zitiert das Blatt Jim Hempstead, einen Spezialisten für Großprojekte und Direktor bei Moody’s Investors.
      Atomkraft ist nicht nur gefährlich, hinterlässt nicht nur Jahrtausende strahlenden Atommüll, sondern ist auch noch teuer. Welche “Lügen” meinen Sie eigentlich?

      24.7.2009 um 17:32 Uhr · Antworten

  • J. Wanninger

    Meine Enkel werden mich fragen, ‘wieso haben damals Gutmenschen sich von einer Organisation manipulieren lassen, die nicht einmal zwischen 50 und 5000 unterscheiden konnte? Das waren doch propagandistische Lügner in bester Göbbels-Tradition!’

    15.12.2010 um 12:20 Uhr · Antworten

  • Mike

    Falls die Entsorgung der radioaktiven Abfälle gewährleistet wäre, hätte ich “eigentlich” nichts gegen Atomstrom. Allerdings ist der Umgang mit dem Atomabfall mehr als kriminell. Soweit ich gehört habe, soll schon verseuchtes Wasser ins Grundwasser vorgedrungen sein.
    Allerdings denke ich, daß das sehr menschlich ist. Da Regierungen (no-bail-out-Klausel) schon bestehendes Recht brechen, warum nicht auch die Atommüll-Entsorger. Ich sehe eine strahlende Zukunft mit Menschen, die mit ihren 4 Armen und 24 Fingern erheblich mehr leisten können. *ROFL*

    23.2.2012 um 22:35 Uhr · Antworten

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