Es gibt keine Stromlücke

27. Juli 2009 · von Benjamin Borgerding

24. Juli 2009: Von siebzehn deutschen Atomkraftwerken sind acht gleichzeitig vom Netz. Durch den Ausfall der Kraftwerke werden rund 10.000 Megawatt weniger produziert, fast die Hälfte der Leistung aller deutschen AKW. Trotzdem surren die Rasierapparate, flimmern die Bildschirme und schleudern die Waschmaschinen munter vor sich hin. Was ist mit der viel beschworenen Stromlücke, die von deutschen Energieversorgungsunternehmen (EVU) in der Diskussion um Laufzeitverlängerung als Schreckensvision gezeichnet wird?

Die Anzahl der Ende Juli abgeschalteten Reaktoren hat für die Atomwirtschaft durchaus Brisanz: Nach dem vereinbarten Atomausstiegskonsens sollen in der nächsten Legislaturperiode sieben Reaktoren abgeschaltet werden. Anlagen, die beim Weiterlaufen fette Gewinne für die EVU bringen würden. Bei einem Aufschub um zehn Jahre winken allein EnBW bis zu 17 Milliarden Euro Zusatzgewinn oder sogar noch mehr. (Stand:13.08.2010).

Mit dem Stillstand ihrer Reaktoren wackelt nun das bisherige Hauptargument der Atomkonzerne für die gewünschte Laufzeitverlängerung: Würden die sieben Atomkraftwerke abgeschaltet, drohe Deutschland in wenigen Jahren eine gewaltige Stromlücke – unser Strom müsste dann aus französischen oder unsicheren osteuropäischen Atomkraftwerken importiert werden.

Die DENA-Studie

Die Atomlobby trägt das Thema Stromlücke vor sich her, seit im Frühjahr 2008 eine Kurzstudie der Deutschen Energie Agentur (DENA) erschien. Die „Kurzanalyse Kraftwerks- und Netzplanung in Deutschland bis 2020 (2030)“ erklärte die Stromlücke zur realen Bedrohung für Deutschland:

Bei Umsetzung des Energieprogramms der Bundesregierung, also bei einem sinkenden Stromverbrauch, wird bereits ab 2012 nicht mehr genügend gesicherte Kraftwerksleistung zur Verfügung stehen, um die Jahreshöchstlast zu decken. Bis 2020 wächst die Differenz zwischen Jahreshöchstlast und gesicherter Kraftwerksleistung auf rund 11.700 MW.

Etwa 12.000 Megawatt Differenz also, das entspricht der Kapazität von 15 Großkraftwerken. Klingt beunruhigend, aber einer kritischen Überprüfung können die Zahlen in der Studie nicht standhalten. Eine amtliche Widerlegung erfolgte im August 2008 mit dem „Monitoring-Bericht zur Versorgungssicherheit“:

Insgesamt bleibt festzuhalten: Für den Zeitraum bis 2020 dürften in Deutschland ausreichende Erzeugungskapazitäten zur Verfügung stehen, um die Versorgungssicherheit im Bereich der Elektrizitätsversorgung zu gewährleisten.

Im Detail: Der Bau von 11.000 der bis 2015 benötigten 15.000 Megawatt (MW) zusätzlicher Kraftwerksleistung ist bereits heute gesichert. Auch für die Realisierung weiterer 9.000 MW Kraftwerkskapazitäten bis 2020 sind keine grundsätzlichen Probleme zu erwarten. Statt der erforderlichen 20.000 MW sind bis 2020 sogar 30.000 MW in Planung. Der Vorratskauf an Kerzen kann also vorerst aufgeschoben werden.

Stellungnahme von Greenpeace

Auch Greenpeace nahm Stellung zu der DENA-Studie. In einer von Greenpeace beim Aachener Ingenieursbüro „EUtech Energie & Management“ in Auftrag gegebenen Studie wurde belegt, dass die DENA-Studie wissenschaftlich nicht haltbar ist. Die Prognose der DENA stützt sich auf verschiedene unzulässige Voraussetzungen. Zum Beispiel rechnet sie den erwarteten Strombedarf hoch (um etwa 4.000 MW), während sie das Potenzial der Erneuerbaren klein rechnet (um etwa 5.000 MW).

Das Ergebnis der EUtech-Studie: Die prophezeite Stromlücke im Jahre 2020 wird es nicht geben. Bei Einhaltung des von der Bundesregierung formulierten Energieeffizienz-Ziels ist sogar mit Überkapazitäten von rund 9.000 Megawatt zu rechnen.

Keine Stromlücke bis 2020

Die Deutsche Umwelthilfe machte „strategisches Kalkül“ hinter den Zahlen aus: Mit der Studie solle nicht nur eine Laufzeitverlängerung von AKW erreicht, sondern auch der Bau neuer Kohlekraftwerke angeschoben werden.
Besonders absurd sind die DENA-Prognosen, wenn man einen Blick auf den europäischen Strommarkt wirft. Denn Deutschland hat sich zu einem regelrechten „Stromexportland“ entwickelt:

2006 und 2007 wurde per Saldo jeweils die Jahresleistung von vier bis fünf Großkraftwerken ins Ausland geliefert. 2007 war dies möglich, obwohl die Atomstromproduktion wegen der langen Stillstände der Reaktoren in Brunsbüttel, Krümmel und Biblis regelrecht eingebrochen war.

Auch das Bundesumweltministerium gibt Entwarnung: Der Atomausstieg wird kein Loch in die Stromversorgung reißen:

Die Versorgungssicherheit bis 2020 ist wegen des Verzichts auf die Atomkraftnutzung gemäß der Vereinbarung der Bundesregierung mit den Energieversorgungsunternehmen vom Juni 2000 nicht in Gefahr.

Unterschätztes Wachstum der Erneuerbaren

Zu den Argumenten gegen eine Stromlücke kommt noch, dass Erneuerbaren Energien in Zukunft einen noch höheren Beitrag zur Energieversorgung leisten dürften als noch vor einem Jahr absehbar. Immer neue Studien klären über das enorme Wachstumspotential auf.

So weist etwa eine Studie des Europäischen Photovoltaik-Industrieverbandes (EPIA) mit dem Beraterunternehmen A.T.Kearney im Juni 2009 auf das enorme Wachstum der Photovoltaik-Technik bis zum Jahr 2020 hin. Nach dieser Studie dürfte Solarstrom bei Beibehaltung der derzeitigen politischen Rahmenbedingungen vier bis sechs Prozent des europäischen Strombedarfs abdecken, bei verbesserten Rahmenbedingungen sogar bis zu zwölf Prozent.

Kommentare

  • Der Übliche

    Traurig zu sehen, wie Greenpeace für den Klimawandel kämpft. Hurra hurra, verbrennt doch noch mehr Kohle, haut noch mehr CO2 in die Atmosphäre, hauptsache die Atomkraftwerke sind weg? Was ist das nur für eine Logik?
    Schön, dass Überproduktion stattfindet, kann man denn jetzt die Kohle, Erdgas und Ölkraftwerke abschalten und dann erst den sauberen Atomstrom? Ach ne, der könnt ja explodieren, lieber todsicher den klimawandel fördern als ein Risiko eingehen.

    Und überhaupt: es gibt keine Versorgungslücke? Seid ihr ein bisschen deppert im Hirn oder was? Hat RWE jetzt neuerdings einen Weg gefunden, Strom zu speichern und produziert schon mal für die nächsten tausend Jahre Strom vor oder was bildet ihr euch ein? Soll ich euch mal ne Studie schreiben, dass man Strom nicht speichern kann, vor allem nicht in Größenordnungen? Könnt ihr zwischen 2 Studien nicht geradeaus denken? Der Strom, der produziert wird, der wird auch irgendwo verbraucht, wenn nicht hier, dann im Ausland. Was meint ihr wohl, was passiert, wenn man jetzt diese ausgefallenen Kraftwerke abschaltet? Klar ist der Strommarkt groß genug, um so jämmrliche 10.000 MW abzufedern, auch ein paar Wochen lang. Aber für immer? Wie soll das funktionieren, wo soll der Strom herkommen? Die MW, die aktuell produziert werden, werden allesamt verbraucht. Produziert man 10.000 weniger fehlen die irgendwann.

    Nein, tun sie natürlich nicht. Da schiebt Frankreich einfach ein paar Regler hoch und die AKWs dort produzieren das fehlende. Vielleicht sind wir auch dumm genug und schalten unsere ab, dann können die ein paar mehr bauen und sich dumm und dämlich verdienen. Und Deutschland darf das alles bezahlen, Abbau unserer AKWs damit wir den Strom aus Frankreich importieren dürfen….?

    Oh Gott, denkt doch mal nach, bevor ihr Blogs schreibt -.-

    27.7.2009 um 22:39 Uhr · Antworten

    • Marcus

      @ Üblicher: Das mit dem Nachdenken vorm Bloggen kann ich Dir selbst nur an´s Herz legen. Viel einseitiger geht´s nimmer…. Und informier Dich mal, wie viele Terrawatt alleine im letzen Jahr exportiert wurden, als ne ganze Reihe maroder AKW vom Netz war.

      27.7.2009 um 23:18 Uhr · Antworten

      • Der Übliche

        Bitte? Und ein Export, der die deutsche Wirtschaft und damit den Staat stärkt, ist neuerdings was schlechtes? Ich hab gerade gesagt, wir dürfen um Gottes Willen nicht mit dem Importieren anfangen…
        Und klar sind die marode, ich würd da auch nichts mehr reininvestieren, wenn die eh abgeschaltet werden. Ein Teufelskreis.

        28.7.2009 um 07:15 Uhr

    • Benjamin Borgerding

      @Üblicher:

      Ein Ausstieg aus Kohle UND Atom ist machbar. Wir können nur nicht gleichzeitig aus beiden aussteigen. Bestehende Kohlekraftwerke werden noch einige Jahrzehnte im Strommix enthalten bleiben, mit immer geringer werdenden Anteilen. Wie das vernünftig und klimaschonend zu bewerkstelligen ist, rechnet unser Plan B vor. Im Zentrum stehen die Maßnahmen Ausbau der Erneuerbaren, intensive Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung und Energieeinsparung.

      Du schreibst:

      Klar ist der Strommarkt groß genug, um so jämmrliche 10.000 MW abzufedern, auch ein paar Wochen lang. Aber für immer? Wie soll das funktionieren, wo soll der Strom herkommen? Die MW, die aktuell produziert werden, werden allesamt verbraucht. Produziert man 10.000 weniger fehlen die irgendwann.

      Du beziehst mit dieser Aussage leider nicht direkt Stellung zu den angeführten Daten und stellst stattdessen Behauptungen auf – ohne Belege. Lesen hilft: Wo der Strom herkommen soll, erfährst du aus oben genannten Studien. In der EUtech-Studie findet sich auf Seite 19 eine übersichtliche Tabelle. Eine Seite vorher wird erklärt, bei verstärktem Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Nutzung von dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung seien

      mittelfristig sogar Überkapazitäten in der Größenordnung von bis zu 9 GW zu erwarten. Selbst unter Berücksichtigung des im Greenpeace-Szenario „Plan B“ zu Grunde gelegten vorzeitigen Ausstiegs aus der Kernenergie bis 2015 gibt es keine Deckungslücke.

      28.7.2009 um 13:26 Uhr · Antworten

    • Florian

      @Der Übliche
      Hallo, Wirklichkeitsverweigerung?!? Die AKWs laufen gar nicht! Ist das so schwer zu verstehen? Biblis A und B sind seit Januar bzw. Februar 2009 runtergefahren, Krümmel und Brunsbüttel haben schon seit 2007 keinen Strom mehr geliefert – abgesehen von dem peinlichen Betriebsversuch, der zu Stromausfällen und Überschwemmungen in Hamburg und der Freisetzung von Giftgas aus einem BAYER-Werk geführt hat. Acht AKW waren letzte Woche gleichzeitig nicht am Netz – kein Betrieb, kein Strom, nix, njet, nada. Trotzdem wird Strom exportiert und zwar nach Frankreich, wo die Reaktoren auch runter gefahren sind, weil das Kühlwasser zu heiß ist.

      28.7.2009 um 14:33 Uhr · Antworten

    • Cheops

      Wenn in Frankreich ohnehin Atomstrom produziert wird, wozu braucht es dann noch die deutschen AKW? Die Atompolitik der Franzosen können die Deutschen nicht beeinflussen!

      15.3.2011 um 02:05 Uhr · Antworten

  • Lotocus

    Trotzdem bleibt (wieder einmal) die Frage im Raum stehen, warum zuerst die KKWs abgeschaltet werden müssen, während die Kohle- und Ölkraftwerke weiter die Atmosphäre mit CO2 anreichern dürfen. Auch in anderen Blogs wird auf diese Frage (leider) nicht eingegangen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Greenpeace-Geschäftsführer Roland Hipp in dem Interview mit dem Spiegel (der Link lässt sich im Blog “Die 7 Wahrheiten über Atomkraft” finden) den Bau neuer Kohlekraftwerke als erforderlich ansieht. Für mich ein Schritt in die falsche Richtung. Wenn wir jetzt weiter an den fossilen Energieträgern Kohle, Öl und Gas festhalten, wie sollen wir dann jemals den Ausstieg aus diesen Energieträgern meistern? Wie lange werden diese Kraftwerke dann weiter “schmutzigen” Strom produzieren dürfen? 100, 150, 200 Jahre? Müssen erst riesige Wanderdünen durch Deutschland ziehen oder Getreideanbau in Antarktika möglich sein, bis wir bemerken, dass wir schon viel, sehr viel eher den Brennofen hätten ausschalten müssen?

    28.7.2009 um 00:10 Uhr · Antworten

  • Tim

    @Lotocus
    Die AKW müssen auch schnell abgeschaltet werden, weil sie dem Ausbau der Erneuerbaren Energien entgegen stehen. Die Atomkraftwerke können nicht auf die Spitzen und Täler von zum Beispiel Windenergie reagieren, man kann sie nicht “mal eben” hoch oder runter fahren. Das heißt so lange es AKWs für die Grundlast gibt, haben die Betreiber kein Interesse am Ausbau von Erneuerbaren Energien. Effiziente Gaskraftwerke können diese Wechsel wesentlich besser ausgleichen und nebenbei kann dort auch noch die Wärme weiter genutzt werden – Im Gegensatz zur Atomenergie.

    Die Atomkonzerne kommen immer mit Argumenten, die auf den ersten Blick plausibel erscheinen, wie der Stromlücke. Die Belege dafür bleiben sie aber schuldig, ersthafte Studienergebnisse zeigen irgendwie immer das Gegenteil. Die Stromkonzerne verdienen mit den alten Kraftwerken Milliarden… Wer lügt da wohl?

    28.7.2009 um 15:03 Uhr · Antworten

    • Lotocus

      Mit deiner Aussage, KKWs können nicht einfach hoch- und runtergeschaltet werden, hast du natürlich vollkommen recht und dies möchte ich auch nicht bestreiten, und genau das macht sie für die Abdeckung der Grundlast nunmal zum Favoriten. Aber nun möchte ich wissen, wie du dir das mit den Gaskraftwerken vorstellst. Ich kann mir nicht denken, dass wenn jetzt Gaskraftwerke die KKWs ersetzen, die Atomlobby also verschwindet, jetzt auch noch die Kohle-, Öl-, und Gaslobby einfach den erneuerbaren Energien den Vortritt lässt und sich von allein auflöst. Eher das Gegenteil wird wohl der Fall sein. Diese Lobby wird im wahrsten Sinne des Wortes bis zur Vergasung um ihre Existenz kämpfen und mit der “Stärkung”, die sie durch den Wegfall der Atomlobby erhält, wohl noch schwieriger aus der Energieversorgung auszuschließen sein.
      Klar ist auch, dass die Energiekonzerne sich mit den KKWs dumm und dusslich verdienen. Meiner Meinung nach müsste man sie irgendwie dazu zwingen, diese Gewinne in die Forschung für Kernfusionsreaktoren (ich weiß nicht genau, ob Greenpeace auch etwas gegen Kernfusionskraftwerke hat, ich wär dessalb sehr erfreut, wenn hier jemand auf die Frage eingehen könnte…). Danach können ja die Fusionskraftwerke die Spaltungskraftwerke ersetzen, ohne dass die Atomlobby um ihre Existenz bangen muss. Die Tage der Kohle und Co – Kraftwerke wären damit gezählt, denn die erneuerbaren Energien und die “neue” Kernenergie dürften wohl mit Sicherheit den Energiebedarf abdecken.

      28.7.2009 um 22:08 Uhr · Antworten

  • Mike Kess

    Energie sparen und Effizienz rules!

    Das offizielle Ziel der Bundesregierung ist es die Energieproduktivität bis 2020 gegenüber 1990 zu verdoppeln. Das Umweltbundesamt (UBS) erklärt dazu, dass wenn der Stromverbrauch bis 2020 gegenüber dem Jahr 2005 um diese elf Prozent sinke, keine zusätzlichen Kohlekraftwerke über die heute schon im Bau befindlichen Kraftwerke hinaus gebaut werden müssten. Und dabei ist der Ausstieg aus der Kernkraft schon einbezogen.
    http://is.gd/1Slbz

    29.7.2009 um 10:01 Uhr · Antworten

  • Tim

    So weit ich irgendwo hier auf der Seite gelesen habe sagt Greenpeace, dass es Unsinn ist jetzt eine neue Technologie wie die Kernfusionreaktoren für neue Unsummen zu erforschen, wenn mit den Erneuerbaren Energien schon sichere und saubere Lösungen da sind. Lieber da weiterforschen!

    Und das AKWs den Erneuerbaren im Wege stehen sieht man ganz konkret am Beispiel England:
    http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/wind-macht-atom-unwirtschaftlich/

    Zitat: “Eon und EdF wollen in England keine neuen AKWs bauen, wenn dort erneuerbare Energien gefördert werden. Ein Eigentor – denn damit bestätigen sie die Argumente der Atomgegner.”

    29.7.2009 um 11:59 Uhr · Antworten

  • Martin

    Zu der Frage, warum man trotz Klimawandel lieber AKWs als Kohlekraftwerke stilllegen soll:

    Die Antwort liegt in dem Zeitraum für den die Hinterlassenschaften dieser Kraftwerke eine Bedrohung darstellen.

    Der Klimawandel ist eine echte Bedrohung, keine Frage, aber er wird uns in den nächsten paar Jahren betreffen. Das heißt, die Verursacher und deren unmittelbaren Nachkommen baden das Problem aus.

    Der Abfall der AKWs ist jedoch eine Bedrohung für Äonen. Plutonium hat beispielsweise eine Halbwertzeit von 24110 Jahren. Das ist länger, als die Menschheit sesshaft ist. Die Asse hat nicht mal 40 Jahre lang gehalten. Im westlichen Europa herrschen gerade mal 75 Jahre lang Frieden. Wie kann also ein Mensch für Jahrtausende garantieren, dass mit dem radioaktiven Abfall kein Unglück geschieht?

    29.7.2009 um 13:15 Uhr · Antworten

  • Lotocus

    @ Martin: Achso, ich wusste gar nicht, dass die Auswirkungen des Klimawandels, nachdem sie 50 Jahre gewütet haben, von allein wieder verschwinden. Welche “Halbwertszeit” hat denn der Klimawandel genau, wenn ich fragen darf?

    29.7.2009 um 20:01 Uhr · Antworten

  • Gast

    Eure Diskussionen sind ja schön und gut, doch lasst Ihr dabei einen zentralen Punkt völlig außen vor.
    Wenn man sagt, dass mehr Strom exportiert als importiert wird, mag man gesamt gesehen Recht haben. Jedoch muss man noch wesentlich mehr Faktoren berücksichtigen!
    Strom ist nunmal ein völlig besonderes Produkt.
    Andere Produkte kann man lagern. Strom nicht. Jedenfalls nicht in solchen Mengen, wie es manchmal erforderlich wäre.
    Ins gesamte europäische Stromnetz muss immer genausoviel Strom eingespeist werden, wie auch in diesem Moment herausgenommen wird. Natürlich gibt es dabei etwas Spiel, aber dies auch nur begrenzt. Wenn also zu viel Strom oder zu wenig Strom ins europäische Netz eingespeist wird, bricht es zusammen.
    (wer dazu nähere Informationen haben will, kann sich über die UCTE informieren; deren Aufgabe ist es, dies zu überwachen und kann notfalls bestimmte Gebiete vom Netz nehemn um einen Blackout im gesamten Europa zu vermeiden)
    Zur Hochkonjunktur von Kernkraft und Kohlestrom war dies alles noch recht übersichtlich. Doch je mehr Windräder ans Netz gehen, umso schwieriger wird die Sache. Derzeit sind 20.300 Windräder ans deutsche Stromnetz angeschlossen. Diese produzieren alle zusammen je nach Wetterlage mal 20.000 MW, mal 80 MW. Im Durchschnitt sind es etwa 4.200.
    Da ins Stromnetz aber nicht zuviel Strom eingespeist werden darf, müssen sich sämtliche andere Kraftwerke nach den Windprognosen richten. Zu diesem Zweck haben die Netzbetreiber hochkarätige Meteorologen beschäftigt. Meist liegen deren Prognosen sehr gut, sodass nur geringfügige Anpassungen der anderen Kraftwerke nötig sind.
    Aber manchmal liegen sie falsch.
    Was passiert dann?
    Wenn die Windräder zu wenig produzieren, müssen kurzfristig Kraftwerke hochgefahren werden oder bereits laufende ihre Leistung verstärken. Dies ist jedoch sehr teuer und reicht nicht immer aus.
    Dann müssen die Netzbetreiber auf der europäischen Strombörse (eex) innerhalb von Minuten günstigen Strom anderswo erwerben.
    Dies ist in der Regel Kernenergie aus Frankreich
    Was passiert, wenn zu viel Windenergie erzeugt wird?
    Dann muss der überschüssige Strom innerhalb von Minuten verkauft werden – sonst wird man von der UCTE vom Netz genommen was teure Schäden bei den Kraftwerken verursacht.
    Was aber, wenn niemand den Strom benötigt? (die anderen nutzen ja auch Windenergie)
    Strom kann leider nicht entsorgt werden und auch nicht in diesen Mengen gespeichert werden. Er muss verbraucht werden. Dh. die Netzbetreiber müssen soweit mit dem Preis runtergehen, bis sie einen Abnehmer finden.
    In diesen Fällen nimmt der Strom an der eex NEGATIVE Preise an!
    Die Netzbetreiber geben also sowohl Geld für die Stromerzeugung aus (sie sind durch das EEG dazu gezwungen), als auch dafür dass sie ihn loswerden.
    Das kostet sie natürlich eine Menge Geld, was sich auf den Strompreis auswirkt.
    Es ist also fahrlässig einfach zu sagen, “Deutschland exportiert mehr Strom, als es importiert; also brauchen wir weder Kernenergie noch Kohlekraftwerke”.
    Wir benötigen sie leider, um eine konstante Netzfrequenz zu halten…

    26.8.2009 um 11:28 Uhr · Antworten

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