Nuklearer Wahnsinn hoch zwei

13. August 2009 · von Benjamin Borgerding

Wie aus dem Neubau eines Atomkraftwerkes eine Unsummen verzehrende Geldverbrennung wird, demonstriert derzeit eindrucksvoll das EPR-Projekt im finnischen Olkiluoto.  Die polnische Regierung will sich nun sehenden Auges in eine ähnliche Kostenfalle stürzen. Polen hat den Zeitplan für den Bau eines neuen AKW vorgestellt – des ersten im Land. Da Polen keinerlei Erfahrung mit dem Bau eines Atomreaktors hat, wird es im Jahr 2020 – wenn der erste Block angeschlossen werden soll – wahrscheinlich ein veritables Deja-Vu-Erlebnis geben.

Der Standort für das AKW soll 2013 festgelegt werden, 2016 sollen die Bauarbeiten beginnen. Mit dem AKW möchte Polen die Pest mit der Cholera bekämpfen: Da derzeit 90 Prozent der polnischen Energie mit Kohlekraft erzeugt werden, liegen die nationalen CO2-Emissionen viel zu hoch. Jemand sollte Premier Donald Tusk dringend stecken, dass ein AKW kein probates Mittel ist, um dagegen vorzugehen.

Mit dem Kraftwerk sollen künftig auch Engpässe bei der Stromversorgung im Norden des Landes verhindert werden. Zbigniew Karaczun vom Polnischen Ökologischen Klub argumentiert dagegen: Der Bau des AKW sei auch deswegen eine unkluge Entscheidung, weil Polen der größte Engpass in den Jahren drohe, in denen das Kraftwerk noch gar nicht fertig gestellt sei.

Chaos in Mochovce

Dass der Bau eines Atomkraftwerks überaus zäh vorangehen kann, zeigt das Beispiel Mochovce. In der slowakischen Stadt wird seit Anfang der achtziger Jahre an vier Reaktor-Blöcken gebastelt. Zwei Blöcke sind bis heute nicht fertiggestellt, auch weil der Ausbau wegen fehlender Geldmittel zeitweise unterbrochen war. Die slowakische Regierung möchte das schnellstmöglich ändern und forciert den Weiterbau. Obwohl die nach EU-Recht vorgeschriebenemochovce_ebrd_action_18 Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die Inbetriebnahme noch nicht abgeschlossen ist, wird seit Mitte Juni weiter an dem Meiler gewerkelt.

Dagegen regt sich Protest, nicht zuletzt im 160 Kilometer entfernten Wien, wo das marode Kraftwerk als Gefahr für die Sicherheit empfunden wird. Die Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) hat die Instandsetzung des Kraftwerkes mit dem Kauf eines Autos aus den Siebzigern verglichen – und das völlig zu Recht. Eine Studie des österreichischen Ökologie-Instituts liest sich bedrohlich:

Ein Schwachpunkt ist demnach unter anderem, dass die eingemotteten Anlagenteile gealtert seien. Der Bau selbst sei in Folge der langen Zeit unzureichend dokumentiert. Zudem sei die Nachrüstung der veralteten Technik mit moderner Technik hochkomplex.

Außerdem stellt die Studie eine erhöhte Brandgefahr fest, da Notfallsysteme aufgrund der baulichen Konstruktion nur unzureichend voneinander getrennt seien. Es fehle darüber hinaus eine Schutzhülle, so dass kein ausreichender Schutz bei Flugzeugabstürzen gewährleistet werden könne. Greenpeace Österreich kritisiert, dass sich der österreichische Konzern STRABAG am Ausbau des Kraftwerkes beteiligt:

Dabei scheint es die STRABAG wenig zu stören, dass sich 95 Prozent der Menschen in Österreich gegen Atomkraft aussprechen, gegen grenznahe Atomkraftwerke protestieren, ein politischer Konsens zwischen den österreichischen Parteien herrscht, der Atomkraft ablehnt.

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  • [...] Nuklearer Wahnsinn hoch zwei Wie aus dem Neubau eines Atomkraftwerkes eine Unsummen verzehrende Geldverbrennung wird, demonstriert derzeit eindrucksvoll das EPR-Projekt im finnischen Olkiluoto. Die polnische Regierung will sich nun sehenden Auges in eine ähnliche Kostenfalle stürzen. Polen hat den Zeitplan für den Bau eines neuen AKW vorgestellt – des ersten im Land. Da Polen keinerlei Erfahrung mit dem Bau eines Atomreaktors hat, wird es im Jahr 2020 – wenn der erste Block angeschlossen werden soll – wahrscheinlich ein veritables Deja-Vu-Erlebnis geben. [...]

  • [...] Vor zwei Monaten berichteten wir über den Ausbau des AKW Mochovce in der Slowakei, gegen den sich im 160 km entfernten Wien heftiger Protest regt. Die Blöcke 1 und 2 des AKW sind seit 1998 und 2000 in Betrieb, der Ausbau zweier weiterer Blöcke wurde jedoch 1991 gestoppt und erst im Juni dieses Jahres fortgesetzt – trotz dramatischer Sicherheitsbedenken. [...]

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