Echtes grönländisches Leben findet nicht in den größeren Orten wie Nuuk oder Ilulissat statt. Die meisten Siedlungen auf Grönland sind in Regionen, die nur per Schiff zu erreichen sind und nicht an eine Wasser- oder Stromleitung angeschlossen sind. Das Leben dort ist einfach und bestimmt durch die Natur. Einen Eindruck davon bekommen wir bei unserem Besuch in der Rodebay, einem kleinen Ort nördlich von Ilulissat, den wir nach gut einer Stunde Fahrt mit dem Schiff erreichen. Hier möchte ich gemeinsam mit dem Team vom Bravo Klima Camp Menschen treffen, deren Leben direkt von der Natur abhängt. Die Umweltveränderungen durch den Klimawandel wird deren Leben in Zukunft besonders stark beeinflussen.
Erst vor wenigen Tagen haben Forscher erneut darauf hingewiesen, dass die drastische Eisschmelze in den Sommermonaten in der Arktis auch einen gravierenden Wandel im Ökosystem nach sich zieht. Nicht nur Eisbären,
Vögel, Robben oder Krebse sind von den Veränderungen betroffen. Auch Strömungsverhältnisse im Meer, der Transport von Süßwasser und die Atmosphäre werden beeinflusst. Vermutlich werden neue Arten mit den veränderten Strömungen ins Nordpolarmeer kommen, während andere völlig aus der Nahrungskette herausfallen.
Das bringt meine Gedanken wieder zurück zu unserem Gespräch mit Ole. Er war auf eine Art ausgeglichen und zufrieden mit seinem Leben. Aber auch wütend und traurig, dass er keine Alternative dazu hatte, sein Leben zu ändern. Und zwar, weil wir aus den reichen Industrienationen jahrelang nicht eine Sekunde über die Auswirkungen unseres Handelns nachgedacht haben – und hätten wir nachgedacht, hätten wir unser Handeln vermutlich trotzdem nicht geändert. Politik und Industrie hätten es drauf ankommen lassen, so wie es sie es auch jetzt – kurz vor dem entscheidenden Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen – noch immer tun.
Zurück zu Rodebay: Es ist ein malerisches kleines Dörfchen mit vielleicht 30 kleinen bunten Häusern, einer Kirche, einer Schule und einer kleinen Fischfabrik. Hier könnte ich einige Zeit verbringen. Wir besuchen die Schule, in der uns der Lehrer und die sechs Schüler von ihrem Alltag erzählen. Tim, Katrin, Isabella und Christina hören gespannt zu und stellen viele Fragen. Alles ist so anders wie bei uns, aber viele Dinge ähneln sich auch: Die Schule geht von acht bis eins, es gibt Klassenarbeiten und Noten – nur sind eben alle sechs Kinder, auch wenn sie in unterschiedlichen Klassen sind, alle in einem Raum. Und anstelle von hitzefrei gibt es hier spontan frei, wenn die Fischschwärme kommen, so dass man raus zum Fischen fahren kann. Das Leben hier ist dann doch an den Rhythmus der Natur angepasst. Hoffentlich kann es noch lange so bleiben.
Auf dem Rückweg nach Ilulissat genießen die vier vom Klima-Camp ihre letzte Fahrt zwischen den Eisbergen hindurch.
Sie ziehen ein erstes Resümee: Was haben sie gesehen, was gelernt und was soll nun Zuhause verändert werden. So will Tim beispielsweise in Zukunft nur noch Recyclingpapier verwenden und auch seine Mutter überzeugen,
Toilettenpapier und Küchenrolle aus Recyclingware zu kaufen. Alle vier wollen ihren Freunden davon berichten was sie erlebt haben und was man selber tun kann. „Greenpeace”, sagt Isabella, „ist echt cool”. Ich hoffe, dass die vier von meinen Erklärungen zum Klimawandel ein bisschen was mitnehmen konnten und sie, wie ihre Freunde, rege Besucher der Greenpeace-Jugend-Seite werden. Und vielleicht starten sie auch bald ihre eigene Klimaschutz-Kampagne bei Green Action.
In Kangerlussuaq trennen sich dann unsere Wege. Die vier reisen über Kopenhagen zurück nach Deutschland – ich bleibe hier und fliege morgen weiter nach Tasiilaq. Dort werde ich die Arctic Sunrise in Empfang nehmen und selber an Bord gehen. In Tasiilaq beginnt ein neuer Abschnitt unserer Expedition. Ich freu mich drauf!
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jj
Ihr seid nicht gut genug
23.9.2010 um 09:27 Uhr ·