Verbrauchertäuschung mit Methode

18. August 2009 · von Benjamin Borgerding

Für deutsche Besucher des neuen Harry-Potter-Films beginnt die Märchenstunde seit dem 16. Juli schon im Werbeblock. Da verdreht der Energieriese RWE in seinem neuen Kinospot so unverfroren die Tatsachen, dass der Fantasy-Film danach wie Reality-TV erscheint. Damit wieder klar ist, was bei RWE Werbemasche und was Wahrheit ist, hat Greenpeace den Spot mit besserem Drehbuch neu produziert.

Wir zeigen den Energieriesen in unserem Clip nun, wie er wirklich ist: Nicht ein umher stapfender Klimafreund, der treu sorgend die Umwelt rettet. Sondern ein rücksichtsloses Monster, dass auf Atomkraft und Kohle setzt und die Erneuerbaren Energien mit Füßen tritt. Dem Konzern ist natürlich sehr daran gelegen, dass Verbraucher eine andere Sicht auf RWE bekommen.

Deswegen verwendet der Konzern auch sehr viel Zeit und Geld darauf, durch Werbung und Marketingmaßnahmen „grün“ zu erscheinen. Und zwar viel mehr, als er für Veränderungen seiner Wirtschaftsweise aufwendet, die tatsächlich seine negative Umweltwirkung vermindern würden. Ein klassischer Fall für den Greenwashing-Index.

Und dieses Greenwashing hat bei RWE Methode. So wollte der Konzern uns Verbrauchern vor einiger Zeit weismachen, Atomstrom sei eigentlich „ProKlima-Strom“. Genau wie der aktuelle Energieriese-Spot wurde auch diese Kampagne von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt ersponnen. Und die reagierte prompt mit juristischen Säbelrasseln, als sich Urgewald mit einer pfiffigen Gegenkampagne zu Wort meldete, um die verlogene Werbekampagne zu entlarven. Solche Korrekturmaßnahmen hat nun auch der neue Spot verdient. Information Superhighway bezeichnet ihn als „Negativ-Lehrbeispiel“ für Viral-Marketing weil er mit der Botschaft “groß = gut” dem Betrachter unvergleichlich schamlos und durchschaubar ins Gesicht lügt.

RWE und die anderen großen (Atom-)Energiekonzerne sind mit ihren Fakten am Ende. Ihr Rückzugstaktik besteht nur noch aus Täuschen, Tricksen und Vertuschen. Mal finden sie dafür willige Helfer in den eigenen Reihen, manchmal schaffen sie es sogar, die BILD-Zeitung vor ihren Karren zu spannen. Auf die andauernde dreiste Verbrauchertäuschung wollen wir jetzt die passende Antwort geben. In der Mitmach-Community GreenAction rufen wir deshalb ab heute in der Kampagne Stop Greenwashing! zu einem Remix der Werbekampagnen der Atom-Lobby auf. Vielleicht findet sich dann ja auch eine Antwort auf die Frage, wo im Riesen-Wunderland eigentlich die fünf Atomkraftwerke geblieben sind, die RWE betreibt.

Kommentare

  • Hans-Peter Rottler

    Hallo Herr Borgerding,

    1984 Georges Orwell`s Vision von “new speak”
    ist Wirklichkeit geworden. Da hilft nur Aufklären/Entlarven,
    und das machen Sie gut. Danke

    18.8.2009 um 16:34 Uhr · Antworten

  • Franz

    gutes und wichtiges video!

    18.8.2009 um 17:00 Uhr · Antworten

  • Hans Ventil

    RWE ist doch auch nur so ein sharholder value Schwachsinnsladen, der gar nicht anders kann als die allgemeine Gier zu befriedigen.

    18.8.2009 um 18:03 Uhr · Antworten

  • Stephan

    vielen dank für den beitrag. gut so und weiter so!

    18.8.2009 um 19:05 Uhr · Antworten

  • Ingo

    ..das Video als Gegenaktion gefällt mir gut. Doch ein wenig wundere ich mich über die Zahlen.

    Ihr sagt RWE hat einen Anteil von 2% an EE
    RWE sagt auf der eigenen Seite 5% und
    Wikipedia schreibt 10%

    Unglaubwürdig wirkt das auf mich weil ihr die Quellen nicht angebt, dabei würde sich der Blog doch dafür gut eignen. So wirkt das GP-Video als würde es in die selbe Lobbyfalle fallen – schade.

    19.8.2009 um 00:53 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      In unserem Spot wird der Anteil der Erneuerbaren an der Stromproduktion von RWE für das Jahr 2008 auf 2 Prozent beziffert. Diese Zahl ist – gerundet – dem Bericht „Investitionen der vier großen Energiekonzerne in Erneuerbare Energien“ entnommen, den das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag von Greenpeace erstellt hat (Seite 31). Rechnet man die in der Regel bereits jahrzehntelang betriebenen und abgeschriebenen Wasserkraftanlagen heraus und betrachtet nur die neuen EE-Anlagen, dann reduziert sich der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bei RWE sogar auf nur 0,4 Prozent. Dass sich der Gesamtanteil der Erneuerbaren im Jahr 2008 bundesweit auf 15 Prozent belief, konstatierte jüngst ein Pressebericht des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BdEW).
      Laut RWE liegt der Anteil der Erneuerbaren für das Jahr 2008 bei 3,7 Prozent, von denen 0,6 Prozent zugekauft sind. (Nachzulesen im RWE-Bericht „Facts & Figures 2009“ auf Seite 158). Auch diese Zahl liegt noch weit unter dem Durchschnitt. In dem Wikipedia-Artikel führt der Link, der die für das Jahr 2009 angeführte Zahl belegen soll, ins Nichts.

      19.8.2009 um 12:40 Uhr · Antworten

      • Ingo

        Hi Benjamin, danke für die ausführliche Antwort. Vielleicht könnt ihr in Zukunft darauf achten solche Infos und Quellen auch direkt anzugeben (beim Youtube-Video und hier im Block) – da draußen sind einfach viele internetaffine Menschen und wenn die bei einer Schnellrecherche auf komplett andere Zahlen kommen, dann seit ihr als Greenpeace sofort unten durch…
        Den Wikipedia Artikel verbessere ich mal grad…
        Gruß,
        Ingo

        19.8.2009 um 16:13 Uhr

      • Ingo

        Hi Benjamin: Die zweite Quelle ist nicht richtig wiedergegeben. Die Anteile sind dort in “bn kWh” angegeben und nicht in Prozent. Danach sind es aber nur ca. 2% ! (Gesamtmenge selbst erzeugter Strom: 179.7bn kWh davon EE 3,7bn kWh)

        19.8.2009 um 16:49 Uhr

      • Benjamin Borgerding

        @ingo: Vollkommen richtig, vielen Dank für den Hinweis! Das macht die Sache natürlich noch eindeutiger.

        24.8.2009 um 11:18 Uhr

  • Daniel

    Geht doch Österreich ist ein Vorbild für die Welt mit den Atomkraftwerken . Good VID

    20.8.2009 um 18:58 Uhr · Antworten

  • Heiko

    Hallo Leute!
    hm Laut dem RWE-Bericht „Facts & Figures 2009“ haben die eine Bruttostromerzeugung von 11% in EE. (s. 89)
    Seh ich das falsch oder wie ist das nun ? Bitte um aufklärung.

    24.8.2009 um 10:25 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      @heiko: Die Zahl bezieht sich auf den Strom aller Stromerzeuger, nicht bloß auf den RWE-Strom. Wie oben näher dargelegt, finden sich auf S.158 desselben Berichts Zahlen, die den Anteil der verschiedenen Energieformen am RWE-Strom aufschlüsseln. Nach diesen Zahlen beläuft sich der Anteil der Erneuerbaren an einer Stromproduktion von 179,7 bn kWh auf gerade einmal 3,7 bn kWh.

      24.8.2009 um 11:17 Uhr · Antworten

  • hans

    Hallo es gäbe schon lange das 1 Liter Auto und auch sicher Technik um die Sonne wirklich effektiv zu nutzen aber viele Patente werden von den Riesen und den Ölmultis aufgekauft und dann ins Archiv gelegt.
    Der Mensch wird sich noch selbst vernichten indem er die Resourcen der Erde ohne Schamgefühl einfach plündert.
    Gruss Hans.

    25.8.2009 um 11:50 Uhr · Antworten

    • Markus Roder

      @ Hans:

      Ich fürchte, Dir fehlt leider das Verständnis für Physik und Dein Hang zur Verschwörungstheorie ist etwas überbetont :) . Auch die Nutzung der Sonne hat natuurliche Limitationen, etwa die Energiem, die pro Fläche überhaupt einstrahlt, wann dies passier tun wann der Strom überhaupt verbraucht wird.

      Keiner, auch die Energiewirtschaft nicht, lässt absichtlich Dinge in der Schublade versauern, die viel Profit UND Entlastung der Umwelt bringen könnten.

      28.8.2009 um 17:24 Uhr · Antworten

  • Markus Roder

    Hallo liebe Greenpeacler,

    Gerade WEIL ich einer der vokalsten Vorstreiter erneuerbarer Energien (Eigenheim-Solarförderung, Desertec-Projekt, dezentrale Windkraft, Geothermie, Gezeitenkraftwerke…), von E-Fahrzeugen und der Beurteilen von Produkten / Services nach deren Öko-Bilanz bin, kann ich Eure harte Ablehnungshaltung gegenüber der Atomkraft nur schwer nachvollziehen.

    Warum wendet Ihr Euch nicht zuerst gegen die sowohl ökologisch als auch von der menschlichen Unfallbilanz WEITAUS belasteteren fossilen Energieträger? Haltet Ihr Kohle und Gas wirklich für besser als nukleare Energie? Womit wollt Ihr in der Abwesenheit einer globalen Energie-Infrastruktur den Energie-Sockelbedarf nachts und in windarmen Jahreszeiten abdecken? Was ist an der Aussage, dass Atomkraft (solange man BESTEHENDE Meiler weiter nutzt und keine neuen baut) weitgehend CQ2-frei ist, falsch? Dass der Energieträger sowohl in Abbau als auch in Transport und bei Endlagerung weitaus umweltfreundlicher als Kohle oder Gas ist, ist wohl unbestritten – weshalb auch namhafte Ökologen wie Patrick Moore (Ex-Greenpeace-Mitglied!) oder Aktivisten wie der “Bad Ecologist” (http://badecology.blogspot.com/2008/07/dumb-ecologist-nuclear-power.html) PRO-Atomstrom sind. Selbst eine unabhängige OECD-Anaylse zeigt, dass die Primär- und Sekundär-CO2-Emissionen von Atomkraftwerken sogar niedriger sind als die von Windkraftanlagen.

    Was MIR an Atomkraft nicht gefällt, ist die Endlager-Frage (die aber weitaus weniger kritisch wäre, wenn die NIMBY-Fraktion weniger egoistisch handeln würde) sowie die Unmöglchkeit, die Energieerzeugung zu dezentralisieren. Zur Abdeckung des Sockelbedarfs sehe ich aber keine umweltfreundlichere Alternative für den Energiemix.

    Ich hoffe, Ihr stellt in naher Zukunft Eure irrationale, (ungerechtfertigte!) Grund-Ängste der Menschen (“Böse, unsichtbare Strahlung!”) verstärkende Kampagne gegen einen vergleichsweise impactarmen Energieträger ein und wendet Eure Energien dem wharen Feind zu: Den fossilen Energieträgern. Dann gerne auch gegen deren Verwendung bei RWE.

    - Markus Roder

    P.S.: ich bin Werber, Wissenschaftler aus Leidenschaft udn in keiner Form auch immer (bislang ;) mit der Energiewirtschaft geschäftlich verbandelt.

    28.8.2009 um 11:05 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      Es geht um einen grundsätzlichen systemischen Wechsel bei der Energieversorgung: Weg von Atomkraft und den Fossilen, hin zu den Erneuerbaren. Mit unserem Plan B 2050 präsentieren wir eine Strategie, wie die Energiewende Wirklichkeit werden kann und die CO2-Emissionen bis 2050 fast auf null herunter gefahren werden können. Der Ausstieg aus der Kohle ist in diesem Plan ein fest integrierter und wichtiger Bestandteil.

      Was ist an der Aussage, dass Atomkraft (solange man BESTEHENDE Meiler weiter nutzt und keine neuen baut) weitgehend CO2-frei ist, falsch?

      Eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, d.h. also der Weiterbetrieb dieser Grundlastkraftwerke, würde den Ausbau der Erneuerbaren und somit die Umstellung auf Erneuerbare und eine bessere CO2-Bilanz verhindern. Die technischen Beschaffenheit von Grundlastkraftwerken verträgt sich nicht mit den Erneuerbaren. Grundlastkraftwerke lassen sich nicht an die Einspeisungen der Erneuerbaren anpassen, weil sie nicht dynamisch regulierbar sind. (Dazu kommt, dass bei Atomkraftwerken ein Auf- und Abfahren Auswirkungen auf den nuklearen Teil der Anlage hat.) Deswegen gibt es einen Systemkonflikt. Das hat kürzlich auch der Bundesverband der Windenergie festgestellt:

      Die Nutzung der Windenergie und längere Laufzeiten von Kernkraftwerken stehen in einem Systemkonflikt. Längere Laufzeiten für Kernkraftwerke blockieren den Ausbau der Windenergie. Sie verstopfen Stromnetze und Strommärkte und stellen in der Konsequenz den Vorrang der Erneuerbaren Energien in Frage.

      02.9.2009 um 14:43 Uhr · Antworten

    • franz

      desertec???
      Es ist klar, dass die (“globale”) Wirtschaftsstruktur, welche vor Allem den Machtwunsch weniger befriedigt, aus der fossil/atom- Energiewirtschaft kommt. Da werden Energieträger in einer handvoll Länder weltweit geschürft, welche eigentlich an allen Orten gebraucht werden, wo Menschen wohnen. An Orten, wo uns die Sonne entgegen kommt. Daher ist desertsol/desertec ein Projekt, welches in großtechnologischer Form/Organisation eine an sich gute Idee – erneuerbare Energien – in ihr Gegenteil verkehrt. Nämlich in neue Abhängigkeiten führt, welche wirtschaftliche, aber auch sicherheitspolitische Probleme aufwerfen.

      Es ist Zeit für die “2. kopernikanische Wende” – auch in Punkto Energie sollten wir unseren Blick nicht mehr nach unten, sondern nach oben richten. Und sehen, dass nicht die Erde, sondern die Sonne Mittelpunkt ist.

      07.3.2010 um 20:22 Uhr · Antworten

  • Ulrich Lambertz

    Hallo Herr Borgerding,

    grundsätzlich finde ich die Intention Ihres Greenpeace-Blogs schon lobenswert. Aber mit verleumderischen Beiträgen erreichen sie nicht wirklich die Aufmerksamkeit die Sie anstreben. Ich finde es ehrlich gesagt dreist, wie Sie mit Ihrer Wortwahl versuchen, Ihre Leser zu bekehren. Schon mal darüber nachgedacht, dass Sie auf einen großen Teil Ihrer Leser im gleichen Maße unglaubwürdig und “brainwashing” wirken wie es Ihrer Ansicht nach RWE tut? Fakten die Sie hier und da in Kommentaren versuchen zu belegen, erscheinen mir sehr wacklig und zu Ihren Gunsten gedreht zu sein. Ich unterstütze den Weggang von fossilen Energiequellen durchaus. Aber mit wirklichen Alternativen können auch Sie nicht aufwarten. Für den geneigten und kundigen Leser erscheinen Ihre Argumente unausgegoren. Ich bin kein Mitarbeiter von RWE (auch wenn man das aus meinem Beitrag durchaus herauslesen mag) und ich unterstütze die Forderung nach regenerativen Energiequellen durchaus. Jedoch sollte dies auf einem Level geschehen, das weder denunzierend noch verleumderisch ist. Mit der von Ihnen verfolgten Politik ziehen Sie sich zwar einige Fanatiker auf Ihre Seite, überzeugten Aktivisten jedoch dienen solche Beiträge allenfalls zum Schmunzeln … including me.

    Einen schönen Abend noch und mit freundlichen Grüßen aus dem Osten der Republik.

    Uli

    29.11.2009 um 22:37 Uhr · Antworten

  • juan calle

    Herr Ulrich Lambertz, ich bitte Sie!
    Aus dem Osten Nichts Neues.
    Juan

    08.8.2010 um 00:03 Uhr · Antworten

  • April Turner

    immer zeit für AUFKLÄRUNG…danke

    14.2.2011 um 15:35 Uhr · Antworten

Kommentar schreiben

Pflichtfeld

Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht

optional

Trackbacks

Permalink

Dieser Blogbeitrag ist unter folgender Adresse dauerhaft erreichbar:
http://blog.greenpeace.de/blog/2009/08/18/verbrauchertaeuschung_methode/trackback/