Am Morgen plötzlich dicht in Eis gepackt

01. September 2009 · von Iris Menn
(c) Nick Cobbing/Greenpeace - Der Helheim-Gletscher

Der Helheim-Gletscher

Ich liege in meiner Koje und mein Körper bewegt sich im Rhythmus des Schiffes hin und her. Nur, wenn der Schiffsbug in ein Wellental fällt, komme ich zeitverzögert hinterher, als würde ich in einem schnellen Aufzug fahren. Jedes Erzittern des Schiffsrumpfs geht auch durch meinen Körper. Ich spüre, wie das Schiff sich mühselig durch die Wellen kämpft. Ich bin dem Schiff sonst wohlgesonnen, aber jetzt gerade wünsche ich mich an einen anderen Ort.

Wir sind auf dem Transit von Kangerdlussuaq zum Gletscher auf dem 79. Breitengrad und das Wetter meint es nicht gut mit uns. Ich bin nicht wirklich seekrank aber auch nicht wirklich fit. Am besten geht es, wenn ich in der Koje liege. Lesen oder am Computer arbeiten ist utopisch.

Wir hatten vier Tage Datenaufnahme am Kangerdlussuaq-Gletscher und seinem zugehörigen Fjord. Die “Arctic Sunrise” war am Morgen nach unserer Ankunft plötzlich dicht in Eis gepackt – offensichtlich hatte es in der Nacht einen größeren Abbruch gegeben. Gordon Hamilton und Leigh Stearns haben ihre GPS-Geräte und Kameras vom Frühjahr eingesammelt und neue installiert, während Fiamma Straneo ihre ozeanographischen Messungen durchgeführt hat.

Im Kangerdlussuaq-Fjord haben wir auch erneut Moorings installiert, das heißt Messsonden an Bojen und Ankern befestigt, die ein bis zwei Jahre im Fjord verbleiben und Temperatur, Strömung und Salzgehalt messen. So erhalten Fiamma und ihre Kollegen einen gesamten Jahresverlauf an Daten, der zusätzlich zu den Einzelaufnahmen unerlässlich ist, um das Klimasystem zu verstehen. Langzeitmessungen sind bisher selten und so freuen wir uns alle, dass drei dieser Geräte aus dem Erbe eines deutschen Greenpeace-Förderers finanziert werden konnten.

(c) Nick Cobbing/Greenpeace - Vorbereitung der Messgeräte

Vorbereitung der Messgeräte

Der erste Blick auf die bisher aufgenommenen Daten in den beiden Fjorden (Sermilik und Kangerdlussuaq) zeigt: Es ist reichlich warmes Wasser in den Fjorden vorhanden. Im südlicheren Sermilik-Fjord ist das Wasser wärmer als im Kangerdlussuaq-Fjord, aber auch hier ist das Wasser in der Tiefe noch immer wärmer als das polare Oberflächenwasser. Natürlich müssen die Daten noch genauer analysiert werden, bevor die Forscher eine eindeutige Aussage treffen können oder ihre Theorie belegen könnten. Nun bleibt die spannende Frage: Wie sieht es auf dem 79. Breitengrad aus? Gibt es auch dort warmes subtropisches Wasser?

Zunächst müssen wir allerdings bis dorhin gelangen. Wir haben mittlerweile unseren Kurs aufgrund der Eisbedingungen geändert. Anstatt entlang der Küste nach Norden, fahren wir nun weit draußen auf offenem Meer Richtung Spitzbergen bis auf die Höhe von 79 Grad. Dort angekommen ändern wir dann den Kurs nach Westen und versuchen, uns mit der Eisdrift Grönland anzunähern.

Kommentar schreiben

Pflichtfeld

Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht

optional

Permalink

Dieser Blogbeitrag ist unter folgender Adresse dauerhaft erreichbar:
http://blog.greenpeace.de/blog/2009/09/01/am-morgen-plotzlich-dicht-in-eis-gepackt/trackback/