Kurzblockade am Schacht Konrad

01. September 2009 · von Mathias Edler

Die Mittagshitze wabert über der Landstraße. Die Nachricht, dass Greenpeace mit 15 Aktivisten auf den Reichstag geklettert ist und unter den in Stein gemeißelten Worten “Dem deutschen Volke” jetzt das Banner “eine Zukunft ohne Atomkraft!” hängt, führt zu großem Jubel.

Eigentlich sollten wir in einer halben Stunde in Wolfenbüttel sein. Aber die Trecker haben im ersten Kreisel nach unserem Aufbruch vom Camp-Platz eine “falsche” Abfahrt genommen: Zum Hüttengelände von Salzgitterstahl. So blockiert nun der ganze Konvoi die Einfahrt. Auf diesem Gelände befindet sich der kleinere Schachteingang Konrad 2. Während durch Konrad 1 Mensch und Material in die Schachtanlage gefahren werden, soll über Schacht 2 in Zukunft die Atommülleinlagerung stattfinden. 300.000 Kubikmeter schwach-und mittelradioaktive Abfälle sollen hier eingebracht werden, darunter über 800 Kilogramm Plutonium. Der Großteil wird wie in der Asse von den Atomkraftwerksbetreibern kommen – die Abfälle aus der “medizinischen Forschung” liegen von ihrem Anteil her im Promillebereich.

(c) Andreas Conradt / PubliXviewinG - Der Treck "sammelt" sich vor den Toren von Salzgitterstahl

(c) Andreas Conradt / PubliXviewinG - Der Treck "sammelt" sich vor den Toren von Salzgitterstahl

Schacht Konrad stand immer etwas im Schatten der Aufmerksamkeit. Viel stärker wahrgenommen wurden die als Endlager vorgesehenen oder schon in Betrieb genommenen Salzstöcke in Gorleben, Asse und Morsleben. Für Konrad wurde schon 1982 das Planfeststellungsverfahren nach Atomrecht begonnen und 2002 hat das Land den Plan schließlich genehmigt. Das ändert nichts daran, dass Konrad eben nicht das Ergebnis eines Auswahlverfahrens gewesen ist. Auch hier war das Hauptkriterium, dass sich der große Hohlraum unter der Erde als Lagerstätte anbot, weil der Eisenerzabbau eingestellt wurde. Doch die Grundwasser leitende Schicht, in der sich das Bergwerk befindet, hat direkten Kontakt zur Biosphäre zwischen Braunschweig und Wolfsburg. 20.000 Menschen leben hier auf fetten, besten landwirtschaftlichen Böden. Aber es ist wie bei der Asse. Die Landessammelstellen für Atommüll und die Zwischenlager der Energiekonzerne quellen über. Sie wollen ein Endlager. Punkt. Sicherheitskriterien werden so hingebogen, wie man sie gerade braucht. Nach zwei Stunden lösen wir die Blockade des Hüttengeländes auf und ziehen weiter nach Wolfenbüttel.

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