Gorleben um jeden Preis

09. September 2009 · von Benjamin Borgerding

Atommüll strahlt und ist extrem gefährlich. Das weiß jedes Kind. Selbst die glühendsten Verehrer der Atomkraft würden das nicht bestreiten. Es darf aus diesem Grund bei der Entsorgung niemals darum gehen, das Zeug einfach nur möglichst schnell und unauffällig loszuwerden. Die Bilder von den verstürzten Fässern in der Asse sind so schockierend, weil sie den Eindruck erwecken, als sei das stinknormaler Müll, der mal schnell wegdeponiert wird.

Schon bei der Asse wurde emsig gemauschelt, besser ging es auch bei der Endlagersuche für hochradioaktiven Abfall nicht zu. Unter der Regierung Kohl ist diese Suche in erster Linie wie ein logistisches Problem behandelt worden. Die Devise: Das Zeug muss weg, am besten es verschwindet dort, wo es möglichst wenig Aufsehen erregt. Geradezu ideal wäre ein dünn besiedelter Landstrich, unverritzter Salzstock inklusive, vielleicht noch nahe an der deutsch-deutschen Grenze, um dem Klassenfeind eins auszuwischen.

„Heureka!”, muss es eines Tages in Reihen der CDU durch die Köpfe gegangen sein: „Gorleben!”

Dumm nur, dass die für die Prüfung zuständige Behörde, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), erhebliche Zweifel an der Eignung dieses Standortes erklärte. Die PTB hatte im Jahr 1979 Probebohrungen durchgeführt und die Ergebnisse 1983 in einer ersten Bewertung zusammengefasst. Danach muss in Gorleben bereits nach 600 bis 1100 Jahren damit gerechnet werden, dass radioaktive Stoffe ins Grundwasser geraten. Die Vorschriften für Endlager schreiben eine sichere Lagerfähigkeit von 1 Million Jahren vor.

So einfach ließen sich die Regierenden in Bonn jedoch nicht die Butter vom Brot nehmen. Es mehren sich die Hinweise, dass die Regierung Kohl damals selbst Hand anlegte, um Gorleben als Endlagerstandort durchzudrücken – gegen die Bedenken des PTB. Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute, dass die Ministerien für Forschung und für Inneres, damals unter den Ministern Heinz Riesenhuber (CDU) und Friedrich Zimmermann (CSU), die zuständige Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) aufgefordert haben, das Gutachten nach ihren Vorstellungen umzuschreiben.

Die Zeitung zitiert aus einem Fernschreiben der Ministerien für Forschung und Inneres an die PTB. Der Brief souffliert den Gutachtern ohne Scham einen Befund, der nicht nur kritische Stellen herunterspielt, sondern gleich die „Eignungshöffigkeit des Salzstockes Gorleben” erklärt

Diese Enthüllung muss Folgen haben für die derzeit laufende Diskussion um die Eignung von Gorleben. Unser Atomexperte Mathias Edler erklärt:

Merkel muss einsehen, dass die von ihr litaneiartig wiederholte „Eignungshöffigkeit” des Gorlebener Salzstocks eine Erfindung an den Bonner Schreibtischen der Kohl-Regierung im Jahre 1983 war. Wenn Merkel ein Fünkchen politisches Ehrgefühl besitzt, muss sie selbst einen Bundestagsuntersuchungsauschuss auf den Weg bringen, der die fast schon kriminellen Vorgänge ihrer Parteifreunde der Vergangenheit rückhaltlos aufklärt.

„Gorleben,” lautet immer noch die Standardantwort führender Unionspolitiker, der großen Atomkonzerne und des Lobbyvereins AtomForum auf die Frage nach einem geeigneten Endlager. Am 25.08.2009 schrieb etwa Katherina Reiche, ihres Zeichens stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende und energiepolitische Sprecherin der Partei, in einer Presseerklärung:

Immer wieder wird von ihm [Gabriel, bb] die Forderung erhoben, neue Endlagerstandorte zu suchen. Alle bisher gewonnenen fachlich-wissenschaftlichen Erkenntnisse haben jedoch die Eignung des vorgesehenen Endlagerstandortes Gorleben gezeigt.

Der Kommentar von Wolfgang Roth in der Süddeutschen bringt es auf den Punkt:

Wir haben doch schon einen Standort, lautet der Standardsatz vieler Unionspolitiker bis heute. Sie haben ihn, auch die FDP und die Stromkonzerne haben ihn, weil sie nie einen anderen wollten.

Kommentare

  • Heinz Haber

    Können Sie bitte mal aufhören so gegen die Atomkraft zu hetzen?
    Ein Grossteil der Probleme hat doch Rot Grün verursacht:
    Durch das Verbot der Wiederaufarbeitung produzieren wir viel mehr Atommüll pro Kliowattstunde als früher
    Durch das Bummeln bei der Endlagerung von Trittin und Gabriel haben wir den ganzen Müll an der Erdoberfläche und eben nicht sicher vergraben.
    Diese alten Dokumente sind doch total irrelevant, Gorleben wird jetzt erkundet und vorher weiss kein Mensch, ob es sich eignet oder nicht.
    Das Terrorrisiko kommt nicht von den Kernreaktoren, die sind mit 1,5 Meter dicken Betonwänden vor jedem denkbaren Anschlag geschützt, das Terrorisiko kommt von den Im Auftrag von Rot-Grün erichteten ungeschützten Lagerhallen, in denen jetzt die Castorbehälter mit dem nicht mehr wiederaufbearbeiteten Atommüll auf die nächste kleine Bombe warten.

    Und Ihr Energieplan B ist einfach nur unrealistisch.

    Solange es keine effizienten Stromspeicher gibt, können wir mit der ganzen Wind- und Sonnenenergie genau gar nichts anfangen, die destabilisieren vor allem mal das Stromnetz. So geht z.B. der letzte grosse Stromausfall in Europa nach der Ena-Studie vor allem auf das Konto der Windkraftwerke.
    Ausser Mehrkosten für alle beteiligten und Zunahme des Hungers in der dritten Welt produzieren Biokraftstoff, Wind- und Sonnenenergie nicht viel
    Und jetzt wollen Sie auch noch den CO2 AUssoss in Deutschland weiter anheizen indem SIe die AKWs abschalten und Gaskraftwerke als Ersatz nehmen.
    Schämen Sie sich!

    11.9.2009 um 14:04 Uhr · Antworten

    • Jonas

      1. “Ein Grossteil der Probleme hat doch Rot Grün verursacht:
      Durch das Verbot der Wiederaufarbeitung produzieren wir viel mehr Atommüll pro Kliowattstunde als früher”
      Die letzte und einzige (produktive) WAA in Deutschland war die im Forschungszentrum Karlsruhe. Diese stellte ihren Betrieb 1990 ein; kann sein, dass ich mich irre, aber war da nicht ein gewisser Herr Kohl im Amt (und blieb es noch bis 98)?

      2. “Diese alten Dokumente sind doch total irrelevant, Gorleben wird jetzt erkundet und vorher weiss kein Mensch, ob es sich eignet oder nicht.”
      Diese Dokumente beweisen, dass Personen, die auch heute noch in der Regierung sind, massiv in wissenschaftliche Arbeiten eingegriffen haben um ein für sie günstiges Ergebnis zu bekommen. Dies kann man mindestens als Indiz werten, dass heutige Aussagen derselben Personen genauer auf den Prüfstand genommen werden sollten.

      3. “Das Terrorrisiko kommt nicht von den Kernreaktoren, die sind mit 1,5 Meter dicken Betonwänden vor jedem denkbaren Anschlag geschützt, das Terrorisiko kommt von den Im Auftrag von Rot-Grün erichteten ungeschützten Lagerhallen, in denen jetzt die Castorbehälter mit dem nicht mehr wiederaufbearbeiteten Atommüll auf die nächste kleine Bombe warten.”
      Da sagen Studien aber was anderes. Ein Teil der deutschen Atmkraftwerke würde schon den Absturz eines (größeren) Sportflugzeugs nicht aushalten; den Absturz eines Verkehrsflugzeug (beinahe?) keins. Dass letzteres Szenario denkbar ist, ist spätestens seit dem 11. September wohl jedem klar.

      4. “Und Ihr Energieplan B ist einfach nur unrealistisch.”
      Ohne Beleg kritisieren Sie hier eine Studie als unrealistisch. Natürlich ist diese in gewisser Weise optimistisch und es wird wohl nicht ganz so kommen; dies liegt ja aber an den politischen Rahmenbedingungen, nicht an der fehlenden Machbarkeit des präsentierten Ansatzes.

      5. “Und jetzt wollen Sie auch noch den CO2 AUssoss in Deutschland weiter anheizen indem SIe die AKWs abschalten und Gaskraftwerke als Ersatz nehmen.
      Schämen Sie sich!” (sic)
      Das Gegenteil ist der Fall: Je nach Studie produzieren KKW ein Viertel bis genauso viel CO2 wie hocheffiziente Gas-BHKW. Da allerdings KKW auf Grund ihrer Auslegung auf eine Grundlast in Zukunft den regenerativen Energien immer häufiger im Weg stehen werden, kann es nur eine Entscheidung für oder wider geben. Durch einen Ausstieg aus dem Ausstieg nähme die Kosteneffizienz der regenerativen eher ab, da eine vollständige Abnahme des mit ihnen erzeugten Stroms nicht mehr zu realisieren wäre. Ein weiterer Ausbau der regenerativen würde also behindert.

      Willkommen im Greenpeace-Blog

      12.9.2009 um 22:33 Uhr · Antworten

      • Heinz Haber

        zu 1)
        Wackersdorf wurde ja wohl kaputt demonstriert, genauso wie Hanau, bis 2005 wurde der sog. Atommüll jedoch wiederaufbereitet und wesentlich in seiner Menge reduziert.
        zu 2)
        Tritin und Gabriel verhindern seit nunmehr fast zehn Jahren, dass es in Gorleben in irgendeine Richtung vorangeht, ich finde das schwerwiegender. Die Erkundung ist jedenfalls immernoch fristgerecht abschliessbar, wenn Gabriel nur wollte.
        zu 3)
        Bis zum Reaktordruckbehälter z.B. in Biblis, wo immer herumgemäkelt wird sind mindestens 1,5 Meter Stahl und Beton, da kommt kein Flugzeug hin, schlimmstenfalls wird mal, was aber auch umstritten ist, die äußere Wand durchschlagen, dann tritt etwas radioaktiver Dampf aus, aber hallooo? Wir sind umgeben von Radioaktivität, das bischen Dampf lässt keinen aus den Latschen kippen und ist bei weitem KEIN GAU.
        ABER seit Rot-Grün lagert ein vielfaches an abgebrannten Brennstäben, und je abgebrannter desto giftiger, direkt neben dem AKW in einer Lagerhalle, das IST einfach Deutlich gefährlicher, weil das aber von Ökogläubigen Gutmenschen so verzapft wurde, weigert sich Greepeacs wohl, dies anzuprangern, dass lässt man lieber unter den Tisch fallen
        zu 4)
        Solange es keine massiven und kostengünstigen Stromspeicher gibt, sind die EE als ernsthafte Ergänzug zur Stromerzeugung nicht relevant. Für jedes Windkraftwerk brauchen Sie ein Schattenkraftwerk, das arbeitet, wenn der Wind nicht weht- Schauen Sie sich mal die EInspeisekurve an:
        http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Windstromeinspeisung.PNG&filetimestamp=20051204205301
        Wie wollen Sie damit unser Stromnetz stabil versorgen?
        Und dann will Greenpeace alle Autos auswechseln und alle Heizungen, wer soll das bitte bezahlen, und wann soll sich das amortiesieren
        zu 5)
        Das ist leider auch gelogen, die hohe Effizienz der Blockheizkraftwerkte ergibt sich nur dann, wenn die beim Heizen den Strom einspeisen dürfen, wenn die aber bedarfsgerecht einspeisen müssen, und irgendwer muss ja die Versorgungslücken auffüllen, also Strom erzeugen, wenn kein Wind weht und das Wetter diesig ist, und das ist auch dann, wenn man die Wärme vielleicht gerade gar nicht brauchen kann, und genau dann kracht der Wirkungsgrad vollkommen zusammen, dann sind die Blockheizkraftwerke in Puncto Stromerzeugung wesentlich schlechter als jede Grossturbine, mehr als 20-30% sind da nicht ‘drin.
        Dass KKW CO2 produzieren ist totaler Schwachsinn, sorry, bei keinem einzigen Schritt ist CO2-Entstehung erforderlich. Und so Rechnungen, wie wir vergleichen alle CO2 Nebenkosten eines kaputtdemonstrierten Reaktors wie z.B. dem THTR im Bezug auf die Kilowattstunde mit dem was ein irgendwie schon da seiendes Gaskraftwerk dann pro KWH erzeugt, die können Sie für sich behalten…
        Aber ausser den deutschen sieht zum Glück jeder ein, dass wir die Kernkraft noch ein wenig brauchen, weil es die einzige Klimafreundliche Stromquelle ist, die wir zur Zeit in relevantem Umfang zuverlässig nutzen können.

        13.9.2009 um 12:10 Uhr

    • Lottina

      Leider hat Schwarz-Gelb durch die Verlängerung der Laufzeiten viele Probleme verursacht, die dazu beitragen, dass der – durchaus zu artige- Atomkonsens nicht zu Fortschritten führen konnte.
      Auch sind ebenfalls unter Schwarz-Gelb viel zu wenig Gelder in die Erforschung von Speichern gewandert, dafür schaffte man der Atomlobby – ohne Grund- wieder viele Vorteile.
      Vielleicht wäre es ja interessant, auch mehr über Energieverluste durch Widerstände zu forschen.
      Und warum geht es jetzt nicht schneller in die Erneuerbaren. Stattdessen fließt ein Teil des Geldes Geld in die Technologie zu Co2 Verpressung.

      20.9.2011 um 12:10 Uhr · Antworten

  • Heinz Haber

    oder meinten Sie mit KKW nicht Kernkraftwerke sondern Kohlekraftwerke? Dann will ich mich zu Pukt 5 nicht so aufregen :-)

    13.9.2009 um 14:38 Uhr · Antworten

  • Jonas

    zu 1)
    Auch wenn es Versuche gab, die durch Proteste verhindert wurden: Wo nimmt denn das Strahlungsinventar bei der WAA ab? Letztendlich wird der Atommüll sozusagen verdünnt, wenn überhaupt.
    zu 2)
    Gorleben ist ungeeignet. Die Standards, die ursprünglich angelegt werden sollten, wurden immer weiter heruntergeschraubt. Vielleicht doch mal die Artikel von Greenpeace lesen anstatt nur zu polemisieren? :)
    zu 3)
    Bei einem solchen Absturz muss es ja nicht zu einem Durchbruch bis in den Reaktor selber kommen. Wenn die Kühlung komplett versagt oder die Steuerung unterbrochen werden sollte, oder, oder, oder… Außerdem ist dies meiner Meinung nach auch einer der nicht so wichtigen Punkte
    zu 4) Schauen Sie sich doch hierzu einmal die Studie des Kombikraftwerks an. Dort ist von aus meiner Sicht sehr wenig Maximalleistung in Bezug auf Mindestleistung als Reserve ausgegangen worden, anhand des realen Verlaufs im Jahre 2006. http://www.kombikraftwerk.de
    zu 5) Sicherlich haben Sie hier teilweise recht. Dennoch ist allein die Umweltverschmutzung beim Abbau von Uran nicht zu vernachlässigen. Allein der Fakt, dass in den Armerzstätten nur 0,1% Anteil an Uran sind, das abgebaut wird, sollte ein Indiz sein.
    Sie reden auch die ganze Zeit von natürlicher Strahlung, von daher mal als Referenz: Allein das Radon, dass beim Abbau frei wird, sorgt dafür, dass es in den Abbaugebieten zu 20 bis 100 facher Strahlung über dem natürlichen Niveau kommt. Übrigens genauso wie bei den Ausleitungen der WAA.

    Und nein, ich meinte keine Kohlekraftwerke ;)

    Primär geht es ja aber auch nicht darum, aus reiner Ideologie gegen AKWs zu sein. Vielmehr ist es so, dass eine Energieerzeugung ohne Atomkraft möglich ist und von daher auch zu bevorzugen.

    14.9.2009 um 18:01 Uhr · Antworten

  • Heinz Haber

    zu 1) Jetzt fallen 45 m^3 Höchstradioaktiver Abfall pro Jahr an bei einem 1,3 GW Kraftwerk, nach der WAA nur 3 m^3 warmer, höchstradioaktiver abfall (beides muss erst für zig Jahre in ein Zwischenlager).
    Durch die 4 Jahre rot-Grüne Atomgesetzreform wurde mehr von diesem Müll erzeugt als seit Bestehen der deutschen Kerntechnik (bei konsequenter WAA-Nutzung) angefallen wäre.

    zu 2)
    das ist falsch, das weiss man ja erst nach der ergebnisoffenen Erkundung, die aber seit nun mehr zehn Jahren gestoppt wurde (=Moratorium)

    zu 3)
    nicht seitlich wegdriften, bitte, die Gefahr bzgl. Terror liegt seit 4 Jahren in zunehmendem Umfang genau neben den Reaktoren und nicht dadrin!

    zu 4)
    Ich kenne diese Studie, leider ist sie nicht für Deutschland umsetzbar, da wir nur 6 GW installierte Stromspeicherkapazität haben, die laut Studie auch nicht weiter ausbaubar ist (oder wie gross ist die Freude bei Greenpeace, wenn wir noch ein paar 3-Schluchten-Dämme in Deutschland bauen?) DAS ist leider das einzige und grösste Problem der EE, die gewonnene Energie kann nicht gespeichert werden.

    zu 5)
    Rohurankosten sind nur 0,01 cent / Kilowattstunde. Da ist genug Geld ‘drin, um den Bergbau zu verbessern. Das ist kein Problem der Atomkraft, sondern des Kapitalismus, in den Kohlegruben Chinas sieht es noch viel grausiger aus…

    Das ist ja genau mein Ansatz, keine Ideologie – solange die Energiespeicher für die EE nicht verfügbar sind bin ich immernoch 100% dafür die EE zu erforschen und auch sie in einem begrenzten umfang subventioniert zu installieren, wie das heute der Fall ist, aber immer wenn Kohle oder Gas gegen Atomkraft steht ist sachlich die Atomkraft vorzuziehen, denn das CO2 kommt ganz sicher in die Umwelt und nicht nur ganz vielleicht, wie der Atommüll und die Kohle ist vor 350.000.000 Jahren entstanden, d.h. den CO2 Dreck hat die Welt auch die nächsten 350 Millionen Jahre an der Backe, der Atommüll ist in einem tausestel dieser Zeitspanne wieder abgeklungen und strahlt letztendlich weniger, als das Uran aus dem er gemacht wurde, denn dem Uran wird in den AKWs ja Energie entzogen….

    15.9.2009 um 17:31 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      Jetzt fallen 45 m^3 Höchstradioaktiver Abfall pro Jahr an bei einem 1,3 GW Kraftwerk, nach der WAA nur 3 m^3 warmer, höchstradioaktiver abfall (beides muss erst für zig Jahre in ein Zwischenlager).
      Durch die 4 Jahre rot-Grüne Atomgesetzreform wurde mehr von diesem Müll erzeugt als seit Bestehen der deutschen Kerntechnik (bei konsequenter WAA-Nutzung) angefallen wäre.

      Bei der Wiederaufbereitung handelt es sich um ein chemisches Trennverfahren, ohne Einfluss auf den atomaren Zerfallsprozess selbst. Das heißt, dass die Aktivität in der Summe gleich bleibt. Die Reduzierung hochradioaktiv strahlenden Mülls ist damit allenfalls ein Pyrrhussieg, denn die Menge des strahlenden Materials insgesamt potenziert sich, die wiedergewonnen Stoffe Uran und Plutonium werden nur in geringen Mengen wieder eingesetzt. Wiederaufbereitung ist schmutzig: WAA entlassen permanent radioaktive Emissionen in die Luft und verseuchte Abwässer in die Meere.

      zu 3)
      nicht seitlich wegdriften, bitte, die Gefahr bzgl. Terror liegt seit 4 Jahren in zunehmendem Umfang genau neben den Reaktoren und nicht dadrin!

      Die Gefahr durch einen Terroranschlag ist keine von uns in den Raum gestellte Behauptung, sondern von staatlicher Stelle bestätigt. Eine Studie der Gesellschaft für Reaktorsicherheit im Auftrag des Bundesumweltministerium hat etwa für Biblis erklärt, dass dort nach einem Flugzeugabsturz großflächige Zerstörungen des Reaktorgebäudes“ und eine „frühe Aktivitätsfreisetzung“ zu erwarten wären. Die Internationale Länderkommission Kerntechnik (ILK), in deren Reihen sich ausgewiesene Atomkraftbefürworter befinden, hat in einem Greenpeace vorliegenden vertraulichen Vermerk zu Untersuchungen betr. der Anlagensicherheit bei gezielten Abstürzen erklärt, bei einem Aufprall auf das Reaktorgebäude sei „mit schweren bis katastrophalen Freisetzungen radioaktiver Stoffe“ zu rechnen.

      Das ist leider auch gelogen, die hohe Effizienz der Blockheizkraftwerkte ergibt sich nur dann, wenn die beim Heizen den Strom einspeisen dürfen, wenn die aber bedarfsgerecht einspeisen müssen, [...] dann kracht der Wirkungsgrad vollkommen zusammen, dann sind die Blockheizkraftwerke in Puncto Stromerzeugung wesentlich schlechter als jede Grossturbine, mehr als 20-30% sind da nicht ‘drin.

      Mit dem Wort “Lüge” würde ich an Ihrer Stelle etwas vorsichtiger umgehen. Grundsätzlich haben Sie recht, dass der elektrische Wirkungsgrad eines Blockheizgradwerkes geringer als bei Kraftwerken mit reiner Stromerzeugung ist. Er ist auch niedriger, wenn das BHKW stromgeführt ist. Aber wenn man den Gesamtwirkungsgrad eines BHKW betrachtet(Primärenergieausbeute),wird dieser i.d.R. deutlich höher als 20-30% sein und damit deutlich besser als ein Kraftwerk mit reiner Stromerzeugung + zusätzliche Wärmeerzeugung.Von daher hantieren Sie hier auch mit unzulässigen Vergleichen!

      Dass KKW CO2 produzieren ist totaler Schwachsinn, sorry, bei keinem einzigen Schritt ist CO2-Entstehung erforderlich.

      Ganz sicher ist Kernenergie keine CO2-freie Technologie. Wer den gesamten Lebenszyklus von KKWs betrachtet – vom Uranabbau über die Anreicherung bis hin zur Endlagerung – stellt fest, dass auch bei der Produktion von Atomstrom CO2 freigesetzt wird. Das Öko-Institut hat eine Untersuchung veröffentlicht, die auch zu dieser Frage Stellung bezieht. Fazit: Mit Strom aus regenerativen Energiequellen lässt sich genauso viel oder mehr CO2 einsparen wie mit Atomstrom.

      Im Übrigen gilt: Die Umstellung auf die Regenerativen erfolgt keineswegs von heute auf morgen. Der Rahmen, den Greenpeace gesetzt hat – also ab 2050 nur noch Erneuerbare zur Stromerzeugung einzusetzen – ist realistisch. Die Umstellungen in der Infrastruktur, die erfolgen müssen, um diesen Wechsel zu zeitigen, betreffen durchaus nicht alleinig Stromspeichermöglichkeiten, sondern hängen maßgeblich von weiteren Strategien ab, etwa in den Bereichen Lastmanagement und Vernetzung.

      16.9.2009 um 15:30 Uhr · Antworten

  • Heinz Haber

    1) Sie wiedersprechen sich selber! Einerseits haben sie natürlich damit recht, dass die Menge des radioaktiven Materials nicht verändert wird durch die WAA. Aber konsequent weitergedacht heisst das, dass die Kernenergie die Radioaktivität auf dieser Erde reduziert, denn die Kernspaltung beschleunigt die Energieabgabe aus dem Uran, allerdings hilft uns das nicht weiter, weil Uran schwaächer aber noch sehr sehr viel länger allein vor sich hinstrahlen würde, liesse es man in Ruhe.
    Aber, die WAA ist eine Aufkonzentration. Nach der Entnahme der Brennstäbe sind diese noch über Jahrzehnte warm und nicht endlagerungsfähig, daher müssen sie in ein Zwischenlager. Diese 45m^3 werden durch WAA auf 3m^3 Aufkonzentriert und verglast. Damit sind sie sicher eingekapselt. Die Aussage, dass sich die Menge des strahlenden Materials potentiert ist unrichtig und widerspricht ihrer Eingangsbemerkung. Es fallen noch 10m3 radioaktive Abfälle an, die direkt endgelagert werden können. Das gewonnene Plutonium kann im MOX-Elementen die in etwa 10 der 17 deutschen AKWs verwendet und recycelt werden, dadurch tritt ein erneuter Spareffekt ein, denn von den Bernnelementen werden ja nur die 3,5 % U235 abgebrannt, der Rest ist mehr oder weniger strahlender unwichtiger Kram, und genau davon und von Uranerz kann man sich dann für den nächsten Brennstab ein wenig sparen.
    Innerhalb der Grenzwerte können schwachradioaktive Elemente bei der WAA an die Umwelt treten, das ist aber zu vernachlässigen, da wie sie vielleicht gar nicht wussten, es auch eine natürliche Radioaktivität gibt, von der wir umgeben sind, und immer wenn diese nicht wesentlich erhöht wird, kann man das ignorieren, wenn man nicht strahlenphobisch ist, in diesem Falle müssten Sie aber im Zelten nächtigen, denn 1,2 der 2,4 Millisvert die wir jedes Jahr natürlich abbekommen ist ja das Radongas aus den Zerfallsprozessen des Erdbodens, und das lachen wir uns in besonderem Masse z.B. in denen von “ihnen” so geliebten, aber leider ziemlich gasdichten niedrig-Energie und Passivhäusern an…

    zu 2)
    Sie weichen aus. Der Reaktorkern ist gut geschützt die jährlich entstehenden 45m3 Müll neben dem Reaktor (der dank Rot-Grün da herumligt) nicht so gut…

    zu 3)
    95% Wirkungsgrad ist gelogen, wenn man die VW-Lichtblick Heizung dafür einsetzen will, die Sonnen- und Windarmen Tage mit Strom zu überbrücken, das geben Sie ja selber zu. Dass das “besser” ist kann ich nicht bestätigen, denn es erzeugt CO2, was eine Lösung mit AKW+Fernwärme, oder wenn Sie das aus psychologischen Gründen nicht so mögen, AKW+Wärmepumpe nicht machen würde. Und die Kohle hat 350 Millionen Jahre gebraucht um zu entstehen, die zu erwartende Zeitspanne die uns das CO2 ärgern wird ist also tausend mal länger als das längste Endlager halten muss

    zu 4)
    Ganz sicher brauchen wir für eine KWH Solarstrom heute 10 mal mehr CO2 als für eine KWH Kernenergie, Und- ich bleibe dabei- alle Schritte bei der Kernenergie liessen sich auch CO2 frei abwickeln, dass es jetzt anders gemacht wird kann so lange kein Argument gegen Atomstrom sein, solange sie mit demselben Argument für den Solarstrom hantieren, nämlich dass man Solarzellen auch CO2-frei herstellen könnte und das jetzt noch anfallende CO2 daher nicht so schlimm ist.

    16.9.2009 um 17:07 Uhr · Antworten

    • Lottina

      Ich bin Herrn Borgerding dankbar für die Klarstellung. Atomenergie ohne CO2? Uran fördern, transportieren, für die Wiederaufbereitung vorbereiten ohne? Vielleicht mit dem Solarmobil?
      Ich würde lieber einmal Ihre Gedanken zur Gefährlichkeit von MOX-Brennstäben nach Fukushima wissen. Finden Sie das ethisch vertretbar ? Wäre es nicht besser,
      darüber nachzudenken, wie wir Technologien entwickeln können, die die Ressourcen des Planeten schonender nutzen können?

      20.9.2011 um 12:24 Uhr · Antworten

  • Lottina

    Gerade finde ich einen sensationellen Hinweis auf das US Fachblatt Science, 23.9.2011:
    Neues Forschungsergebnis , Wasserstoffspeicherung durch Einsatz von hocheffizienten sehr einfachen Eisenkatalysatoren unter milden Bedingungen direkt aus Ameisensäure (Rostocker Forscer vom Leibnitz-Institut für Katalyse und der Uni Rostock zusammen mit Schweizer Forschern der TH Lausanne)
    Das entstehende CO2 kann wieder zur Herstellung von Ameisensäure verwendet werden, daraus resultiert ein CO2 – neutraler Prozess.

    23.9.2011 um 11:35 Uhr · Antworten

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