Dossier zur Asse in Die Zeit

11. September 2009 · von Benjamin Borgerding

In der neuen Ausgabe der “Zeit” gibt es ein ausführliches Dossier über die “komplexen Vorgänge in der Schachtanlage Asse II”. Wer sich bisher wenig mit dem Fall beschäftigt hat, findet hier einen sehr guten Einstieg in die Thematik und bekommt einige überaus interessante – und nicht weniger schockierende – Fakten serviert. Die besorgniserregende Schlussfolgerung am Ende des Dossiers ergibt sich aus dem unglücklichen Zusammentreffen von zwei Einzelfakten, die bereits für sich genommen das Gruseln lehren.

Fakt Nummer eins: Die Asse ist akut einsturzgefährdet. Das Leipziger Institut für Gebirgsmechanik „garantiert dem alten Salzstock Standsicherheit nur noch bis zum Jahr 2014“. Salz galt und gilt der Atomindustrie als ideales Wirtsgestein für radioaktiv verseuchten Müll. Das Beispiel Asse jedoch verdeutlicht, wie unberechenbar Salzstöcke sind. Einlaufendes Wasser sorgt zusammen mit den angelegten Hohlräumen im Salzstock für große Instabilität – und zusammen mit dem eingelagerten Atommüll für weitläufige Kontamination. Doch nicht nur die Asse lässt Zweifel an der Eignung von Salzstöcken aufkommen. Das Dossier führt aus: „In Norddeutschland sind von 255 Salzbergwerken 89 abgesoffen, jedes anders, auf eigene Art.“

Fakt Nummer zwei: In der Asse befindet sich radioaktiver Müll in großen Mengen, aufbewahrt in insgesamt 126.000 Fässern. Die Inventarisierung des in der Asse entsorgten Plutoniums ist schlampig bis lückenhaft geraten.  Bisher war die Rede von neun Kilogramm, kürzlich hat das zuständige Helmholtz-Zentrum zugegeben, es seien 28 Kilogramm. Eine Überprüfung ist kaum möglich, denn die Atommüllfässer sind mittlerweile zugeschüttet worden. Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), traut den Zahlen nicht. In einem Interview mit vdi Nachrichten erklärt er heute:

Ich habe den Schluss gezogen, dass wir uns auf den Bericht des früheren Betreibers GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit zum Asse-Inventar von 2002 nicht verlassen können. Das gilt auch für die im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums (NMU) vom TÜV geprüften Angaben für den Statusbericht des NMU 2008. Ich habe deshalb eine Neubewertung des Inventars der Asse veranlasst.

Eins plus zwei gleich Katastrophe. Nach dem Einsturz der Asse würde ein veritables Horrorszenario drohen – in den Worten der Zeit:

Hätten sich die 126000 Fässer erst einmal aufgelöst, würden sich die versuchten Lösungen in alle Richtungen ausbreiten. Die Grundwässer bei der Asse gehören zum Einzugsbereich der Weser, Hydrologen vermuten auch Verbindungen zur Elbe. Das Ende der Asse würde weit über die Region hinaus strahlen.

Bald soll die Entscheidung fallen, welches Schließungskonzept für die Asse verwirklicht wird. Klar ist: Ob die Asse nun mit Beton ausgefüllt wird, die Abfälle herausgeholt oder in einem noch tieferen Hohlraum gelagert werden – es bleibt zu hoffen, dass man der Katastrophe zuvorkommen kann.

Und dass man die Fehler der Vergangenheit nicht in einem anderen Salzstock wiederholt.

Kommentare

  • Heinz Haber

    Ich weiss ja nicht
    1) Die Asse war ein Testlager, irgendwo muss man halt probieren
    2) Im Gegensatz zu Gorleben wurde die Asse seit 100 Jahren durchlöchert, wo viele Schächte sind, steigt halt die Wassereintritts gefahr, in Gorleben hat keiner vor, das Salz in grossem Stil zu fördern, das “Absaufen” droht ja vor allem mal Bergwerken, also Anlagen wo in grossem Stil was weggeschafft wird
    3) Dass da in Asse Wasser eintritt war seit 20 Jahren bekannt
    4) Es gab von der Helmholzgesellschaft ein gut durchdachtes Verschliessungskonzept
    Lustigerweise wurde mehr radioaktives Kalium im Salzform aus der Asse herausgeholt, als da jetzt in den Fässern neu ‘drin ist
    Lustigerweise ist in den Millionen Tonnen Deckgebirge zig mal mehr Radioaktiviät drin als in den Fässern
    Was hier immer leicht übersehen wird, ist dass wir von natürlicher Radioaktivität umgeben sind, der ganze Erdboden und auch die Meere angfüllt sind mit Uran und Thorium, der Erdkern glüht nur deswegen noch heute, 4 Millarden Jahre nach der Erdentstehung, weil dort Kernspaltungsprozesse ablaufen, Radioaktives (Radon-) Gas dampft Tag und Nacht genau deswegen aus dem Erdkern aus.
    Wahrscheinlich hat sogar die Passivhauswelle schon mehr Strahlungsopfer verursacht, als alle deutsche Kerntechnik zusammen, denn was bitte passiert mit dem Radongas, wenn man ein Haus Gasdicht baut und nur minimalbelüftet zum Energiesparen, aber vergessen hat, die Bodenplatte Gasdicht auszulegen?
    Das lässt man aber wohl lieber unter den Tisch fallen?
    Das bischen, was da in Asse liegt hat bisher keinem geschadet, und es ist auch äußerst unwahrscheinlich, dass es irgendjemandem jemals schaden wird, selbst wenn man es mal im Grundwasser nachweisen könnte, was ebenfalls unwahrscheinlich ist, weil der Schacht ja unter dem Grundwasserspiegel liegt und Wasser extrem selten nach oben fliegt.

    14.9.2009 um 09:36 Uhr · Antworten

  • Dr.No

    Heinz Haber unterschlägt: 1. Pu (Plutonium) ist nicht Radon; 1 Mrd.-stel Gramm,
    eingeatmet oder im Trinkwasser aufgenommen, löst unabdingbar Krebs aus, lt. Toxikologen. U.a deshalb liess man den “Schneller Brüter” (Nicht Uran, sondern Pu-Reaktor) in Kalkar letztlich nicht ans Netz gehen; er hatte 10 Mrd. DM gekostet, zerronnen im Sand. 2. Zitat: “Asse liegt unterhalb des Grundwassers, also keine Gefahr für unser Trinkwasser”; Meine Frage: warum sagen uns das Bergwerksfachleute nicht und Geologen auch nicht? Ist das also eine Privat-Denk-Konstruktion des Hr. Haber? Das Leipziger Inst. f. Gebirgsmechanik zieht diesen Schluß auch nicht- nur Hr. Haber ! Er hat also eine Privat-Physik u. seine Privat-Geologie-Naturgesetze! Statt 1 Mio Jahre, hielt die Lagerstätte keine 30 Jahre! In 40 Jahren ist das Uran zu Ende- wie kann man da auf die Idee kommen, dennoch noch schnell AKWs in die Landschaft zu setzen ? Schon jetzt ist statt 1 % Uran nur noch 0,1% Uran in der Erdkruste; man muss das 10 fache abbagggern; Entsprechend hat sich in den letzten 7 Jahren das Uran um das 10 fache verteuert. Wie kann man dieser Energie weiter festhalten wollen, wo wir folgende Potenziale haben, wovon realisierbar scheinen bis 2020, lt BMU in [%]:Aus Wasser 8, Wind 35, GuD 25 für 60 Jahre, Biogas 8, Biomasse 12, Geothermie 7, Photovolt. 5= 100%;||||| [Windpotential 85% (Landwind 35%, Seewind 50% ( = 300 TWh, errechnet vom Team Dr. Czisch, Uni Kassel; Vortrag des Dr. Czisch an der TU München 2007; GuD 25, = Gas und Dampfkraftwerke mittels Erdgas, Seewind strom ist so billig, wie von Landwind, obwohl dort doppelte Invest.kosten, da auf See doppelter Ertrag; d.h., Erzeugungskosten: 4,6 Cent/ kWh -so die UNI Kassel !
    Dr.No

    15.10.2009 um 10:19 Uhr · Antworten

  • Ho Chi Minh

    Der Kollege “Haber” ist sowiso nicht ernstzunehmen und möchte hier doch nur ein wenig rumtrollen. Lasst ihn doch spielen.

    16.10.2009 um 12:23 Uhr · Antworten

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