AKW: Nach der Wahl ist vor dem Bau

16. September 2009 · von Benjamin Borgerding

Wie die Financial Times Deutschland (FTD) heute berichtet, lagert ein ziemlich brisantes Papier in der Schublade von Bundesforschungsministerin Anette Schavan (CDU). Es handelt sich um eine Studie, in dem 100 Wissenschaftler den Bau neuer Atomkraftwerke empfehlen und zu einer neuen Endlagersuche in Tongestein raten. Keinesfalls ist dieses Papier ad acta gelegt: Die FTD führt aus, das Bundesforschungsministerium habe sich mit den bei der Studie federführenden Akademien darauf verständigt, das

Konzept erst nach der Bundestagswahl der Öffentlichkeit vorzustellen, da sonst die Gefahr bestände, dass es im Wahlkampf untergeht oder zerredet wird.

Was „zerredet wird“ in diesem Fall bedeutet, ist klar: Das Eisen „Neubau“ ist der CDU zu heiß, um es so kurz vor der Wahl noch einmal anzupacken. Wenn die Studie jetzt veröffentlicht würde, sähe Kanzlerin Merkel sich gezwungen das Forschungsministerium zurückzupfeifen. Schließlich gibt bei Fragen nach ihrer Meinung zur Atomkraft seit Wochen gebetsmühlenartig die Losung aus, Atomkraftwerke seien nur „Brückentechnologie“. Nach der Wahl könnte das Eisen jedoch merklich abgekühlt sein. Dann könnte man über die Empfehlung nochmal nachdenken.

Mit der Geheimhaltung ist es jetzt jedoch vorbei: Das Blog Journalismus & Recherche hat die Studie dankenswerterweise ins Netz gestellt.

Die CDU liebäugelt also insgeheim auch mit dem Neubau von AKW. Das zeigt nicht nur das Schavan-Papier. Greenpeace hat unlängst Statements zusammengestellt, in denen CDU-Politiker mehr oder weniger unverhohlen Werbung für den Neubau von AKW machen. Unter den Atomkraft-Fürsprechern auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger:

Es müssen die Rahmenbedingungen für den Neubau von Kraftwerken verbessert werden, damit Kraftwerke in Deutschland gebaut werden: Egal ob für Wind oder Wasser, für Biomasse oder Sonne, für Kohle mit CCS oder für Kernenergie der neuen Generation. (Oettinger in seiner Rede beim CDU-Wirtschaftsrat in Berlin 16.06.2009)

Oettinger indessen dürfte nicht alles in der unter Verschluss gehaltenen Studie gleichermaßen ansprechen. Schließlich findet sich Tongestein, das von den Wissenschaftlern als Alternative zu Salzstöcken bei der Endlagererkundung empfohlen wird, vor allem in seinem Bundesland. Dass selbst die größten Befürworter der Atomkraft den Atommüll ungern vor der eigenen Haustür deponiert sähen, dürfte nicht bloß für den bajuwarischen Nachbarn zutreffend sein.

Kommentare

  • torsten

    Jedes Bundesland welches dem Laufzeit- und AKW Neubauquatsch zustimmt, sollte verpflichtet werden, für die AKWs im Bundesland Endlager einzurichten. Dann wäre der Atomausstieg ganz schnell da.

    16.9.2009 um 19:10 Uhr · Antworten

  • Heinz Haber

    Wie schade dass das nur so ein blödes gestreutes Gerücht ist damit die unentschlossenen rot rot grün wählen
    Es wäre so schön, wenn CDU und FDP endlich vernüftig würden, aber leider ist Frau Merkel total stur, es gibt auch eine Anfrage bei direktzurKanzlerin wo der Ausbau abgelehnt wird, dabei wäre das einzig sinnvolle.

    16.9.2009 um 19:38 Uhr · Antworten

  • Heinz Haber

    Ich habe gerade auf Phönix eine Sendung über unser Öl und die globale Erwärmung gesehen
    Leute ihr versündigt euch mit eurem Abschaltwahnsinn an der gesamten Menschheit, AKWs durch Gaskraftwerke zu ersetzen ist das grösste Klimaverbrechen, was man begehen kann.
    Wenn das Klima bald umkippt und wir am Ende der fossilen Resourcen sind, wird man euch am nächsten Windrad aufknüpfen, wenn bei uns das Stromnetz wegbricht und alles stillsteht.
    Wir haben keine Alternative zur Kernenergie, es wird noch mindestens 40 Jahre dauern bis die erneuerbaren Energien unseren Energiehunger decken.

    17.9.2009 um 22:16 Uhr · Antworten

    • Greeny Cree

      … hier riecht es sehr, nach CDU und Atomlobby + Panikmache + Einschüchterung + und, und, und…

      20.9.2009 um 12:18 Uhr · Antworten

      • Heinz Haber

        Hey, das stimmt! Ich habe Panik!
        Ich habe Angst, dass wir bald das Land mit Gaskraftwerken pflastern, die über die von Fischer und Schöder beworbenen Gaskonzerne / Pipelines mitunter bei uns mit Gas versorgt werden.
        Ich habe Angst, dass der Strom bald 40 cent kostet.
        Ich habe Angst vor Desertec, und dass uns Nordafrikanische Potentaten dann in Sekunden das Licht ausknipsen könnnen, das was heute bei der Gasabschaltung durch Russland noch drei Monate dauert und bei einem Uran-Embargo drei Jahre dauern würde….
        Und ich habe Angst, dass wir ‘ne Klimakathastrophe bekommen und keine technischen mittel in der Hand haben uns dagegen zu stemmen.
        Und ich bin kein Lobbyist….

        21.9.2009 um 15:42 Uhr

  • Andy

    Hallo,
    der Atomausstieg scheint ja nun wieder vom Tisch. Eine Verlängerung soll´s geben, so wie ich gehört habe. Wann begreifen es die Politiker endlich, dass wir auf erneuerbare Energien setzen sollen?!

    Gruß Andy

    03.11.2009 um 11:16 Uhr · Antworten

  • Heinz Haber

    Tuen die Politiker das nicht? Haben die die ganze Ökoaufschläge auf den Strompreis endlich wieder abgeschafft? Wurde das EE-Gesetz endlich wieder kassiert? Wäre mir neu! Ich weiss nur dass der Stromkunde bisher direkt 28 Millarden Euro für Okostrom mehr bezahlt hat und indirekt bestimmt nochmal ähnliche Beträge blechen musste (Netzausbau, Öko-Steuer, KFW-Förderprogramme, etc…) – Setz mal alleine weiter, Andy, ich finde es reicht langsam mit dem Millardenverschleudern….

    03.11.2009 um 14:23 Uhr · Antworten

  • Simon Brücken

    “Heinz”, ich dachte du wärst nicht gegen die Erneuerbaren. Das EEG ist eines der sinnvollsten Gesetze, die in den letzten Jahren verabschiedet wurden und das ist ja wohl ein Klacks gegen die Folgekosten der fossilen Energien

    03.11.2009 um 19:37 Uhr · Antworten

  • HeinzHaber

    Ich bin nicht dagegen, aber gegen 100 Milliarden Subventionen, die uns bei den EE insgesamt in den nächsten Jahren drohen, wenn wir nichts mehr machen, wer soll das bezahlen??? Wieso kann man nicht schlauer agieren? Erst mal eine Forschungsrunde einlegen (Stromspeicher müssen her) bevor der Ausbau in den Wahnsinn getrieben wird? Jetzt schon haben wir zu Starkwindzeiten “negaive” Strompreise – d.h. die Erzeuger müssen was zahlen, damit einer den Strom abnimmt, das kann doch nicht so hirnlos weitergehen….

    03.11.2009 um 23:12 Uhr · Antworten

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