PR-Desaster für Atomkraftlobby

23. September 2009 · von Jan Haase

Das gestern von Greenpeace bekannt gemachte Strategiepapier “Kommunikationskonzept Kernenergie – Strategie, Argumente und Maßnahmen” schlägt weiter Wellen. Die Unternehmensberatung PRGS, die das Papier erstellt hat, antwortete im Greenpeace-Blog (23.9.2009 um 08:01 Uhr), dass es sich “um eine von mehreren Ideensammlung aus unserem Hause handelte die zu Akquisezwecken entworfen wurden. Das Produkt war dann aber so schlecht und entsprach nicht den Standards unseres Hauses, dass wir den Akquiseversuch an dieser Stelle abgebrochen haben. Wir haben gemerkt, dass wir nicht die nötige Fachkompetenz in unserem Hause für den Bereich Kernkraft haben.”

Spiegel Online berichtet heute:

Auf dem Deckblatt des Strategiepapiers heißt es, der Schriftsatz sei “für die E.on Kernkraft GmbH” erstellt worden.

weiter sei in dem Papier explizit von einem “Auftrag” die Rede.

An einer Stelle, an der es um diverse politische Gespräche geht, heißt es: “Selbstverständlich wurden diese Gespräche ohne Nennung E.ons oder des Auftrags geführt.

E.on selbst distanziert sich laut Spiegel Online von dem Papier. Der PRGS-Schriftsatz sei “eine Art Bewerbungspapier”, mit dem die Agentur einen E.on-Auftrag an Land ziehen wollte. Zu einer Zusammenarbeit sei es aber nicht gekommen.

E.on wird es daher sicherlich freuen, dass Politiker aus CDU, CSU und FDP in den vergangenen Monaten trotzdem genau nach dieser Strategie argumentiert haben.

Kommentare

  • Florian

    Das das Produkt “schlecht” ist und PRGS “die nötige Fachkompetenz” fehlt, möchte ich an dieser Stelle gar nicht kommentieren. Die Finger haben sie aber nicht davon gelassen. Erst gestern (!) hat PRGS einen Newsletter veröffentlicht, in dem der Wahlkampf des “Anti-Atomkraft-Helden” Sigmar Gabriel kritisiert wird.

    http://www.prgs.de/fileadmin/user_upload/pdf/090922_Votum09_sieben.pdf

    23.9.2009 um 17:02 Uhr · Antworten

  • Florian

    Es mag daran liegen, dass Atomkraft nun doch zum wichtigen Wahlkampfthema geworden ist. Jedenfalls hat PRGS in ihrem Newsletter auch ohne die entsprechende “Fachkompetenz” fast jedes mal einen Artikel zu dem Thema geschrieben. Der Newsletter ist nur 2 Seiten lang, mit jeweils 6 Artikel. Nachzulesen im Archiv, http://www.prgs.de/de/public-affairs/newsletter-archiv.html

    In Ausgabe 1 (3.7.) wird gefragt: CDU-WAHLPROGRAMM: BEKENNTNIS ZUR UMWELT? Zitat: “Die Partei bekennt sich [...] zu einem „klimafreundlichen Energiemix” aus fossilen Energiequellen, Kern- und Erneuerbaren Energien.”

    Ausgabe 2 (30.7.): ATOMKRAFT – KRÜMMEL ENTFACHT WAHLKAMPF
    PRGS analysiert, dass die Union “kein Interesse daran haben [kann], dass das Thema Atomkraft zu einem der führenden Themen des Wahlkampfes wird.”

    Gesagt, getan, im Newsletter 3 (17.8.) wird nur allgemein über die Pläne von CDU und FDP für ein Energieministerium berichtet.

    In Ausgabe 6 (14.9.) geht es dann doch weiter, mit einem Artikel über den ENDLAGER-STREIT: “Gabriel (SPD) behauptete, die Regierung Kohl habe 1983 ein Gutachten über die Eignung Gorlebens als Endlagerstätte für Atommüll manipuliert.” Es ist keine Behauptung von Gabriel, sondern auch hier nachzulesen: http://blog.greenpeace.de/gorleben-um-jeden-preis/

    In Ausgabe 7 (22.9.) beschäftigt sich dann der Hauptartikel kritisch mit dem Wahlkampf des “Anti-Atomkraft-Helden” Gabriel.

    23.9.2009 um 17:53 Uhr · Antworten

  • Heinz Haber

    Was ist denn bitte genau das Desaster?
    Dass die ein paar gute Argumente auf 100 DIN-A4 Seiten geschrieben haben?
    Argumente, die man inhaltlich hier gar nicht aushebeln kann, warum man lieber die Tatsache, dass sie existieren kritisiert?
    Wieso darf Greenpeace Horroparolen auf AKWs leuchten und öffentlich die “Gegner” anprangern und die für eine zuverlässige Energieversorgung Vernantwortung übernehmenden Organisationen dürfen nicht mal nichtöffentlich ihre Argumente bündeln und die Meinungsfeinde zusammenfassen?
    Mein Gott ist das Kindisch
    An den AKW-Gegnern klebt immernoch noch der Strickpulimuff der 70ger, sinnentleert immer dagegen….

    23.9.2009 um 21:11 Uhr · Antworten

  • Thaniell

    @Heinz: Die Agentur gibt ja selbst zu dass die Argumentation Rotz ist, wer könnte sie besser widerlegen^^
    Problematisch ist, dass hier a) trotz aller Anti-Atomkraft Bekenntnisse das Thema doch wieder hintenrum eröffnet werden soll und b) die Lobby die Politiker mit Argumentenpapieren versorgt, selbige also nicht mehr selber denken sondern, Lobbyistenmüll nachplappern, was für die Energiefirmen natürlich toll, weil gewinnbringend ist, wenn da noch die ein oder andere Laufzeitverlängerung bei rausspringt.

    23.9.2009 um 22:19 Uhr · Antworten

    • Heinz Haber

      @Thaniel
      Du hast des Dir nicht selber durchgelesen!
      Die schreiben z.B. auch dass das Bundesumweltministerium Zahlen manipuliert um die Erneuerbaren Energien als Bedarfsdeckent darzustellen. Das Papier ist ein sehr nüchterne Bestandsaufnahme, die beide Seiten schildert und eine Argumentationslinie liefert, in der ich mich sogar wiederfinde. Es ist bei weitem kein Skandal, es spricht das glasklar an, was ich schon vorher ahnte (Sie Kombikraftwerkstudie und Dena-Studie) den Erneuerbaren Energien fehlt der Stromspeicher, sind sind auf abshebare Zeit nicht Grundlastfähig und Bedarfsdeckend und bedürfen der Zufeureung von Fossilen Brennstoffen oder Atomenergie. Das kann auch Greenpeace nicht wiederlegen, das versucht hier auch gar keiner mehr, es wird nur die existenz des Papiers skandalisiert und Kritisiert. Und offensichtlich hat Greenpeace es Spiegel online zugespielt, die stossen ins gleich Horn – es wird Skandal gebrüllt, weil Sachargumente nicht existieren…

      23.9.2009 um 22:26 Uhr · Antworten

      • Thaniell

        Sag ich doch dass ich das Papier nicht komplett gelesen hab. Wozu auch.
        Umgekehrt hast du aber meinen Beitrag nicht wirklich gelesen.
        Der ‘Skandal’ ist nicht, dass es auch Argumente Pro-Atom gibt (üblicherweise überwiegen die Kontra nur), sondern dass hier von Wirtschaftsseite versucht wird die Politik zu manipulieren. Eine öffentliche Stellungnahme abgeben ist eine Sache, über eine PR-Agentur hintenrum versuchen die eigene Meinung durchzudrücken unter Ausnutzung vorhandener Ängste in der Bevölkerung eine Andere.
        Freilich, es ginge schmutziger und das liest sich noch halbwegs vernünftig beim Überfliegen, ist aber trotzdem sehr unfein.

        23.9.2009 um 22:44 Uhr

      • Heinz Haber

        Ach Gottchen
        auf Türme krabbeln und Totenköpfe an Kühltürme projezieren ist dann genau was?
        Wieso dürfen die nicht manipulieren?
        Wo steht das?

        23.9.2009 um 23:01 Uhr

      • w3world

        @Heinz und alle Anderen:
        Diese Argumentation ist doch auf die gleiche Strategie wie die des Papiers gebaut. Kernkraft als Klimaschützer verkaufen und von Versorgungssicherheit reden. Und Endlager brauch man sowieso…. schon klar

        In dem Papier gibt es tatsächlich ein paar unwiederlegbare Argumente, wie z.B.:

        Thema Endlager:
        “In einem von Technologie dominierten Alltag, der in 30 Jahren Forschung keine überzeugende Lösung für das Problem gefunden hat, mehren sich die Zweifel, ob jemals eine Lösung gefunden werden kann.”

        “Die Meinungsführerschaft in der Debatte um ein sicheres Endlager ist bislang bei den Kernkraftgegnern.”

        Zu Terrorismus:
        Diese Stahlbetonhülle ist so massiv, dass sie in jedem Fall den Absturz eines Jagdflugzeugs aushält. Moderne Kraftwerke (Neckarwestheim II, Isar II) halten bei einer Fluggeschwindigkeit von etwa 400 km/h sogar den Absturz einer mittleren Verkehrsmaschine stand.

        Leider sind Verkehrsflugzeuge doppelt so schnell. 0_0

        Insgesamt ist die Ganze Schrift ein einziger Aufruf der Bevölkerung durch heuchelei, Sympathie und Vertrauen zu entlocken. Durch Angstmache
        eine Änderung der Denkrichtung zu forcieren:

        “Zugeständnisse prüfen in Richtung Strompreis, “Atomsteuer” Klimaschutz-Fonds etc., um das Image aufzubessern und um Verhandlungsmasse während der Koalitionsverhandlungen
        und der Phase der Regierungsbildung zu gewinnen.”

        “Vor allem das Thema Geostrategie eignet sich, um bestehende
        Ängste in der Bevölkerung vor einer Abhängigkeit von Russland zu nutzen.”

        “Keine Werbekampagnen pro Kernenergie fahren, da diese angesichts des Vertrauensverlusts der EVU unglaubwürdig und damit kontraproduktiv wirken.”

        Verheimlichen statt Lügen:

        “Folgende Themen sollten wegen ihrer Komplexität oder Zwiespältigkeit nur reaktiv behandelt werden:
        - Kernenergie als Preisdämpfer an der EEX,
        - mögliches Strahlenrisiko wissenschaftlich ausgeschlossen (erhöhte Leukämie-Raten) ”

        Auch die Absurdesten Argumente werden wieder ausgepackt:

        ” deutsche Technologieführerschaft im Bereich Kernkraft.”

        wie lange soll das Uran denn reichen? Was hat man denn von einer Technologieführerschaft die in keiner Weise Nachhaltig ist?

        Des weiteren wird als Speichertechnologie für ErneuerbareEnergien nur das Modell des Skandinavischen Pumpspeicherkrafwerks genannt.
        Es gibt aber auch noch Druckluftspeicherkraftwerke. Der Wirkungsgrand wurde inzwischen schon auf 70% gesteigert und es benötigt keinerlei Fossile Brennstoffe mehr (früher wurde Gas benötigt).

        Zitat aus Wikipedia:

        “Das weltweit erste CAES-Kraftwerk wurde Ende der 1970er Jahre in Deutschland, in Huntorf bei Elsfleth, gebaut und 1978 in Betrieb genommen. Es hat die Aufgabe, Grundlaststrom des nahe gelegenen Kernkraftwerks Unterweser in Schwachlastzeiten aufzunehmen und in Spitzenlastzeiten ins elektrische Netz einzuspeisen. Außerdem soll das Speicherkraftwerk im Fall eines Netzzusammenbruchs die Stromversorgung des Kernkraftwerks absichern. Geführt wird das Kraftwerk von E.ON Kraftwerke GmbH”

        Wenn man genau hinschaut erkennt man hier auch die Tolle “Versorgungssicherheit“ welche Atomkraftwerke bieten.
        Wer hier Ironie herauslesen möchte darf das gerne tun.

        Positiv bewerten konnte ich tatsächlich den Abschnitt:

        4.1.4 Beispiel virtuelles Kraftwerk
        “Einer (ler wicl)tigsten Aufgaben der Energieversorger ist es, in Zukunft die Integration der erneuerbaren Energien ins Netz zu gewährleisten.”

        leider nur bis hier hin danach wird die Idee des virtuellen Kraftwerks gemeuchelt und behauptet die Investition lohne nur bei Laufzeitverlängerung.

        So nu aber Schluss, ein wenig selber lesen schadet auch nicht ;-)

        25.9.2009 um 12:10 Uhr

  • JLloyd

    In einer früheren Version des SPON-Artikels wurden eine Liste mit Namen ‘günstiger’ Ansprechpartner kolportiert. Ist diese Liste noch irgendwo zu haben ?

    25.9.2009 um 08:51 Uhr · Antworten

    • Jan Haase

      Die Liste stammt aus dem “Kommunikationskonzept Kernenergie – Strategie, Argumente und Maßnahmen” das bei uns im Blogeintrag verlinkt ist (Seite 22 und 23).

      25.9.2009 um 11:10 Uhr · Antworten

  • Günther Eiser

    Zunächst möchte ich Frau Dr. Merkel zum Einstieg in den Ausstieg der Atomenergie gratulieren. Wieder einmal zeigt diese Koalition ihr Fingerspitzengefühl im Umgang mit Lobbyisten. Nicht nur unser Vizekanzler, nein auch seine Chefin kann Geschenke verteilen auch größere als der FDP Chef. Warten wir ab wer, wem als nächstes eine Wohltat zukommen lässt. Ach ja da ist doch noch die Sache mit der Endlagerung des Atommülls. Hier haben sich Merkels Vorgänger und ein ehemaliger Ministerpräsident Niedersachsens in die Geschichtsbücher dieser Republik verewigt. Morsleben, Asse II, Gorleben und Schacht KONRAD, damit sind wir bestens für die nächsten Jahrzehnte gerüstet.

    Mein Vorschlag zur Beruhigung von Volkes Wille/Stimme ein Zwischenlager für hochradioaktiven Müll neben dem Kanzleramt, damit könnte das Regierungsviertel wenn nicht ganz Berlin, Energiekosten drastisch senken. Früher oder später hätten wir ausreichend zweibeiniger Glühwürmchen. Das wäre doch toll oder? Weil ich bereits Volkes Stimme(n) erwähnt hatte, hoffentlich wird mir die Zeit bis zur nächsten Bundestagswahl nicht zu lang und hoffentlich ist das Gedächtnis des Wählers nicht wieder so kurz wie schon zu oft. Ich erinnere an 16 Jahre Dr. Helmut Kohl (kurz Birne). Keiner hatte ihn gewählt und trotzdem blieb er Bundeskanzler. Um Himmels willen keine 16 Jahre Angela vs. Guido. Denn nicht aus zu denken welche entsetzliche Änderungen wir von dieser Mannschaft noch erdulden müssen. Diese nicht zu überzeugen wollende Koalition hat max. noch zwei Jahre.

    Spätestens dann brauchen wir die nächste Bundestagswahl.

    In diesem Sinne haltet durch.

    07.9.2010 um 00:32 Uhr · Antworten

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