Erstaunlich ähnlich: Politik und PR-Papier

25. September 2009 · von Viktoria Thumann

Seit Dienstag haben wir schriftlich, wie die Atomlobby den Verlauf der Kernenergie-Debatte vor der Wahl über Einflussnahme auf Politiker und Journalisten lenken könnte. Die PR-Agentur PRGS hat für den Energieversorger E.on ein entsprechendes Konzeptpapier entwickelt. Eine vertiefende Bewertung dieses Papiers hat LobbyControl vorgenommen.

Es ist „nicht unüblich, dass Agenturen derartige Papiere schreiben, um sie den Unternehmen anzubieten“ stellte gestern die „taz“ fest. Laut Agenturchef Hofmann soll dieses Papier, das „eine von mehreren Ideensammlungen“ von PRGS war, im Mülleimer gelandet sein. „Das Produkt war dann aber so schlecht und entsprach nicht den Standards unseres Hauses, dass wir den Akquiseversuch an dieser Stelle abgebrochen haben. Da überrascht doch, dass diverse der im Dokument genannten „Argumentationshilfen“ den Aussagen einiger CDU-/FDP-Politiker verblüffend ähneln. Zur Erinnerung: „In dem Konzept selbst heißt es unumwunden, Ziel der politischen Kampagne sollte es sein, ‘CDU/CSU und FDP mit neuen Argumentationsansätzen’ zu versorgen.“

Fünf Kernaussagen des Konzept-Papiers vom 19. November 2008 stellen wir im folgenden die passenden Politikeraussagen gegenüber:

1. Ängste vor Russland ausnutzen (Im Strategiepapier zu finden: S. 6, S. 39, S.42)

Mit diesem Blatt versuchte zum Beispiel Markus Söder (CSU) im ZDF-Wahlforum am 15.09.2009 zu trumpfen:

„…wollen wir nicht weg von Öl und Gas, wollen wir nicht weg von den Abhängigkeiten von Russland und anderen Ländern beispielsweise…“ (ab Std. 01:03:58)

2. Positive Verbindung von Erneuerbaren Energien und Kernenergie betonen (Im Strategiepapier zu finden: S. 40, S. 32)

Auch Dirk Niebel (FDP) betonte im Wahlforum:

„…Mehreinnahmen [von der Atomkraft] … notwendig, um Forschung zu betreiben für Speichertechnologien und Leitungstechnik, damit die Regenerativen grundlastfähig werden.“ (ab Std. 01:02:26)

3. Atomkraft ist Klimaschutz (Im Strategiepapier zu finden: S. 40, S.33)

Markus Söder (CSU) im MoMa Talk (ab Min. 02:21)

Ebenso würde Katherina Reiche (CDU) dem Klimawandel mit der Kernkraft begegnen („Klipp und Klar“, 10. Ausgabe/RBB, ab Min. 21:34)

4. Versorgungssicherheit und Brückentechnologie (Im Strategiepapier zu finden: S. 31, S. 32, S.40, S. 42)

Wieder Dirk Niebel (FDP) im ZDF-Wahlforum:

Niebel: „Bis wir die Erneuerbaren Energien grundlastfähig kriegen … bis dahin brauchen wir einen Energiemix mit den weltweit als am sichersten geltenden kerntechnologischen Anlagen in Deutschland, ansonsten müssen wir das regeln mit dem Zukauf …aus anderen weit unsicheren Anlagen ….“ Ab Std. 1:00:20)

Und Söder beim ZDF-Morgenmagazin: „Ich glaub’, dass die Verlängerung der Laufzeiten deswegen notwendig ist, als Brückentechnologie, dass wir Geld daraus schöpfen können, aus der Kerntechnik um Erneuerbare Energien voranzubringen ….“

5. „Deutsche Technologieführerschaft im Bereich Kernkraft“ (Im Strategiepapier zu finden: S. 40, S. 42)

Angela Merkel / Frag Angie – das Interview: Frage zur Kernenergie (ab Min. 00:58)

Oder Niebel (FDP) im ZDF-Wahlforum (ab Std. 01:00:46):

„.. weltweit sind circa 200 kerntechnische Anlagen in Planung oder im Bau und die werden auch errichtet werden, ist nur die Frage mit welcher Technologie und da bin ich der Ansicht … vorzugsweise mit der sichersten vorhandenen Technologie – und das ist die deutsche – denn wenn wir hier aus der kerntechnologischen Sicherheitsforschung aussteigen, weil man keine Perspektive mehr hat, führt das dazu, das andere Technologien angewendet werden, die weit unsicherer und deswegen wesentlich gefährlicher sind.“

Wir haben hier eine Liste mit weiteren vegleichbaren Aussagen online gestellt. Diese darf gerne ergänzt werden. Wir freuen uns über jeden Hinweis, wo sich weitere solcher Aussagen finden lassen.

Kommentare

  • Stefan Ziegler

    Irgendwie ist es schon bedenklich, daß sie die Herrschaften der sogenannten “Bürgerlichen Mitte” sich sogar schon das denken abnehmen lassen (müssen!?).
    Ab gesehen davon, daß das Geldverschwendung ist, sieht man doch mal, wie wenig die CDU/CSU und die FDP mit diesem Thema wirklich vertaut sind.
    Nun, Herr Söder ist ja schon seit Jahren, unbefangen von jeglicher Sachkenntnis in verschiedenen Ressourcen tätig, aber “Umweltminister” in Bayern sagt schon viel über den Sachverstand der CSU zu diesem Thema aus.
    In Bayern heiß sowas wohl frei nach Herrn Stoiber Kompetenzkompetenz. ;-)

    Schöne Grüße

    Stefan

    26.9.2009 um 06:45 Uhr · Antworten

  • Heinz Haber

    So, jetzt seid mal tolerant und freut euch, dass ihr nicht beweisen musstet, dass es ohne Atomstrom UND ohne mehr CO2 gegangen wäre, das wäre ein Desaster geworden, nun könnt ihr immer behaupten, es hätte doch geklappt – aber vielleicht könnt ich ja konstruktiv an der Weiterentwicklung der EE mitarbeiten, neue Staudämme für Energiespeicher zulassen und offen mit der Kernenergie umgehen und sie nicht komplett verteufeln, sie ist Teil unseres Lebens und wird es Gott sei Dank auch bleiben.
    Es ist doch viel besser alles Uran in Reatoren zu verheizen, als es z.B. Iranern zum Bombenbau zu überlassen. Gerade der Ausbau der Kernenergie könnte das endgültige Ende der Atomwaffen ebnen, denn wenn alles Uran 235 weg ist, KANN keiner mehr eine Kernwaffe bauen :-)

    27.9.2009 um 22:55 Uhr · Antworten

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