Vor knapp zwei Wochen berichteten wir, dass Greenpeace das „Kommunikationskonzept Kernenergie“ der Unternehmensberatung PRGS für ein großes Energieversorgungsunternehmen vorliegt. Spiegel Online schrieb hierzu:
Der 109 Seiten lange Schriftsatz liest sich wie eine minutiöse Planung des Wahlkampfs.
Nach Informationen des Magazins hatte die PRGS das Konzept für den Energieversorger E.on verfasst. Ziel des Papiers war es, die öffentliche Debatte um Kernenergie positiv zu beeinflussen und die „gefühlsmäßig die Kernenergie unterstützenden – Multiplikatoren mit zusätzlichen Argumenten für die politische Debatte“ auszustatten. E.on wie auch die PRGS distanzierten sich auf Nachfrage von Spiegel Online jedoch umgehend von dem Papier. Dieses sei zwar „’für die E.on Kernkraft GmbH’ erstellt worden“, einen Auftrag für das Konzept habe es jedoch nicht gegeben.
„An der Nummer ist nichts, aber auch gar nichts dran“, teilte ein Konzernsprecher SPIEGEL ONLINE mit. Der PRGS-Schriftsatz sei „eine Art Bewerbungspapier“, mit dem die Agentur einen E.on-Auftrag an Land ziehen wollte.
109 Seiten ausgefeilte Strategie als Bewerbungsschreiben? Das erscheint fast übereifrig. Zumal wir die politische Debatte zum Thema Atomkraft verfolgt haben und just die im Papier genannten „Argumentationhilfen“ in der Rhetorik vieler Politiker wiederfinden konnten.
An der Richtigkeit dieser Aussagen zweifelt nun auch der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR). Ob Auftrag oder nicht, das wird der DRPR nach Informationen des Fachblattes Werben &Verkaufen (W&V) in den kommenden Wochen prüfen. Handelt es sich bei dem Konzept um eine Auftragsarbeit, „wäre dies ein klarer Verstoß gegen das Wahrhaftigkeitsprinzip, wie es die Deutsche Gesellschaft für Politik-Beratung (Degepol) in ihrem Kodex definiert hat.“ Thorsten Hofmann, Geschäftsführer der PRGS, ist als Mitglied der Degepol diesem Kodex verpflichtet.
Die Aussage, dass es absolut keinen Auftrag von Seiten E.ons gegeben habe, ist der W&V übrigens schon in abgemilderter Form zu lesen.
„Es gab lediglich einen Auftrag, neue Botschaften und Argumente zu entwickeln“, sagt Petra Uhlmann, Sprecherin der E.on Kernkraft, Hannover [gegenüber der W&V, vt]. PRGS sei aber mit dem gelieferten Konzept „weit darüber hinausgegangen“.
Ob E.on und PRGS an ihren Aussagen noch weitere Korrekturen vornehmen werden? Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Untersuchung des DRPR.
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