Laufzeitverlängerung – eine wirtschaftliche Innovationsbremse

16. Oktober 2009 · von Benjamin Borgerding

In einem Beitrag auf Spiegel-Online fordert Christian Schwägerl heute Union und FDP dazu auf, die Gunst der Stunde zu nutzen und sich die Förderung der Erneuerbaren auf die Fahnen zu schreiben:

Mit einem solchen Schwerpunkt könnte die neue Bundesregierung die deutsche Position als Exportweltmeister von China zurückerobern und Hunderttausende neue Arbeitsplätze ermöglichen.

Schwägerl bemerkt konsterniert, dass sich derzeit das genaue Gegenteil abzeichnet: Viele Köpfe in der Union möchten sich nicht auf eine Energiewende einlassen. Einen Landesumweltminister der CDU zitiert er mit den Worten: „Es gibt bei uns immer noch viele, die erneuerbare Energien plattmachen wollen.“ So lässt bei den Koalitionsverhandlungen selbst das Kommuniqué der Umwelt-AG ein klares, zukunftsorientiertes Bekenntnis pro Erneuerbare vermissen.

Statt Deutschland zu einem Kompetenzzentrum in Sachen Erneuerbare zu machen und so eine neue Kernindustrie heranreifen zu lassen, setzen Union und FDP auf Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken. Eine Rolle rückwärts in punkto Wirtschaftsförderung. Denn mit einer Entscheidung für Laufzeitverlängerung verspielt Deutschland leichtfertig eine technologische Führungsposition in Europa.

Im Greenpeace-Reader „Kein Rückfall ins Atomzeitalter“ stellt Prof. Martin Jänicke vom Sachverständigenrat für Umweltfragen in seinem Beitrag ausführlich dar, warum technologische Expertise in Deutschland gerade bei den Erneuerbaren zu finden ist und ihr Ausbau durch Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken gefährdet wird. Jänicke weist auf die beeindruckende Erfolgsstory der Erneuerbaren-Industrie hin, die bereits jetzt 280.000 bis 350.000 Menschen in Lohn und Brot hält. Gleichermaßen ist in Deutschland auch bei den energieeffizienten Technologien und Produkten rasantes Wachstum zu verzeichnen.

Damit diese Vorreiterrolle gewahrt bleibt, muss Deutschland jedoch am Atomausstieg in seiner jetzigen Form festhalten. Jänicke: „Mit ihrem starren zentralisierten Grundlastangebot ist die Atomenergie der natürliche Gegner der erneuerbaren Energien und der unerlässlichen Effizienzrevolution.“

Stichwort “Effizienz”.  Jänicke erklärt auch, wie durch das starre Stromangebot von Atomkraftwerken eine geradezu absurde Situation entsteht: Der von den Kraftwerken überschüssig produzierte Strom muss – da er nun mal da ist – auf Teufel komm raus verbraucht werden. Dadurch zieht er Technologien wie Nachtspeicherheizungen und andere Klimakiller nach sich. Atomenergie und mehr Energieeffizienz stehen daher in einem direkten Widerspruch. Jänickes Fazit lautet:

Deutschlands Erfolgsindustrie ist nicht die Nuklearbranche. Und unsere wirtschaftliche Zukunft hängt nicht an den Kostenvorteilen, die abgeschriebene Kernkraftwerke vorübergehend bieten könnten. Diese Rolle spielen die erneuerbaren Energien und die Technologien für den intelligenten Energieeinsatz. Vor einigen Jahren kannten wir deren Erfolgsgeschichte noch nicht. Aber jetzt kennen wir sie.

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