Kohle ist Vergangenheit – Klimasolidarität jetzt!

28. Oktober 2009 · von Viktoria Thumann

Die Zeit rennt, noch knapp 40 Tage bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen. Dort soll zwischen dem 07. und 18. Dezember ein Nachfolgeprotokoll für Kyoto beschlossen werden. Bisher sieht es nicht nach Einigkeit und einem schnellen Abschluss aus. Schon in der EU ist man sich uneins. Klar ist, dass die reichen Industrienationen die Entwicklungsländer finanziell unterstützen müssen. Anders können diese eine Reduktion ihres Treibhausgasausstoßes nicht bezahlen – und schließlich sind es auch vor allem die Industrienationen, die den Klimawandel größtenteils zu verantworten haben. Doch genau diese Finanzierung ist ein Streitpunkt. Einerseits hadert die EU überhaupt damit, irgendwelche Finanzzusagen zu machen. Auf der anderen Seite fordern die osteuropäischen Staaten, EU-intern weniger bezahlen zu müssen.

© Karol Grygoruk/Greenpeace - Banner in Malaszewicze: Kohle ist Vergangeheit - Klimasolidarität jetzt!

Banner in Malaszewicze: Kohle ist Vergangeheit - Klimasolidarität jetzt!

An vorderster Front mauert wieder einmal Polens Ministerpräsident Donald Tusk. Das ist absurd. Polens Strom wird zu rund 90 Prozent mit Kohle erzeugt – dem Klimakiller überhaupt. Allein die dadurch verursachten CO2-Emissionen sind höher als die Emissionen der 36 ärmsten Länder der Welt.

Doch nicht nur Tusk kann blockieren. Greenpeace-Aktivisten haben heute Morgen am polnisch-weißrussischen Grenzübergang Malaszewicze eines der größten Kranportale zum Erliegen gebracht. Dort sollte Kohle von russischen in polnische Züge verladen werden. Genau wie der Klimawandel ein globales Problem ist, arbeiten auch die Aktivisten international zusammen. Sie kommen aus Polen, Schweden und Griechenland. Ihren Protest wollen sie bis zum Ende des Gipfeltreffens am Freitag fortsetzen. Auf ihrem Banner steht neben dem Konterfei Tusks: “Kohle ist Vergangenheit – Klimasolidarität jetzt!”.  Sie fordern einen allmählichen Ausstieg Polens aus der Kohlestromversorgung und einen Verzicht von Kohle-Importen aus dem Osten. Außerdem verlangen sie, dass der polnische Ministerpräsident eine starke EU-Position in Kopenhagen unterstützt.

Schon bei einem Ministertreffen im März war es Tusk, der sich gegen klare Zusagen von Finanzhilfen für die Entwicklungsländer gesperrt hat. Die Summe, die es zu bezahlen gibt, klingt zunächst auch enorm: Bis 2020 sind jährlich etwa 110 Milliarden Euro Unterstützung nötig. Auf die EU entfallen dabei 35 Milliarden Euro pro Jahr. Zu viel? Pro Kopf wären das gerade einmal 1,30 Euro für jeden Europäer pro Woche. Mancherorts bekommt man dafür noch nicht mal ein Glas Bier. Ein verkraftbarer Verzicht also – und einer, der angesichts des fortschreitenden Klimawandels dringend nötig ist.

Wir sind gespannt, was für ein Verhandlungsmandat die 27 Staats- und Regierungschefs beschließen werden. Der Countdown läuft!

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