Das Ende von Belene?

29. Oktober 2009 · von Benjamin Borgerding

Langsam sollte sich herumgesprochen haben, dass Atomkraft ganz und gar nicht billig ist.  Ein Blick nach Finnland genügt: Dort bekommt der Atomkonzern AREVA, der in Okiluoto den Bau eines EPR-Reaktor (OL3) durchführt, schmerzlich zu spüren, wie ein Prestigeobjekt der Atomindustrie sich zu einem Milliardengrab entwickelt: Die Fertigstellung des Kraftwerks ist auf mindestens 2012 vertagt, die Kosten werden das anfängliche Budget vorraussichtlich um mehr als zwei Milliarden Euro übersteigen. Derweil begräbt RWE seine Beteiligung am Ausbau des AKWs im bulgarischen Belene – aus “wirtschaftlichen Gründen.”  Das gab die RWE-Zentrale in Essen am Mittwoch bekannt.

Vor zehn Monaten stieg RWE mit 49 Prozent in die Projektgesellschaft Belene ein. Plan war, das Kraftwerk nach seiner Fertigstellung 2015 gemeinsam mit dem bulgarischen Energieversorgungsunternehmen NEK zu betreiben und dazu den Ausbau mit einer Finanzspritze von 1 Milliarde Euro anzustoßen.

Von jeher umstritten war das Projekt vor allem aufgrund des Standortes:  Belene befindet sich  in einer seismisch aktiven Region – es besteht Erdbebengefahr. 1977 kam es nur 12 Kilometer entfernt zu einem Beben, bei dem 120 Menschen starben. Dessen ungeachtet wurde in Belene bereits 1987 mit dem Bau von zwei Reaktorblöcken begonnen. Bürgerproteste und Finanzierungsprobleme konnten das Projekt nur drei Jahre später wieder stoppen. Ad acta wurden die Baupläne jedoch nicht gelegt. 2006 wurde das russische Unternehmen Atomstroiexport (ASE) als neuer Bauherr auserkoren, die Finanzierung wollten auch die Deutsche Bank und die HypoVereinsbank stemmen helfen. Nach heftigen Protesten, u.a. durch Greenpeace, zogen die Banken ihre Beteiligung jedoch wieder zurück. Aufgegeben wurde das Projekt – wie damals gehofft – jedoch auch da noch nicht.

RWEs Rückzug ist auch ein Erfolg des massiven Protests von Gruppen wie Urgewald und Greenpeace – auch wenn der Energieversorger seine Entscheidung anders begründet:

Der Ausstieg habe allein wirtschaftliche Gründe, betonte eine RWE-Sprecherin am Mittwoch. Bei der Finanzierung seien Meilensteine nicht erreicht worden. Eine Vertragsklausel lasse deshalb den Ausstieg aus dem Projekt zu. Das Engagement habe RWE bislang einen Betrag in niedriger zweistelliger Millionenhöhe gekostet.

Die RWE-Sprecherin möchte offenkundig den Verdacht zerstreuen, RWE habe die Sicherheitslage in Belene falsch eingeschätzt. Lieber werden explodierende Kosten eingestanden als nur ansatzweise der Eindruck vermittelt, man habe es bei der Atomkraft mit einer gefährlichen Technologie zu tun. Das Wichtigste aber ist, dass die Bauarbeiten in Belene endlich eingestellt werden. Hoffentlich ein für allemal.

Kommentare

  • Heinz Haber

    Naja, dann haben Sie ja Recht behalten, Herr Borgerding, “Laufzeitverlängerung – eine wirtschaftliche Innovationsbremse”
    Warum soll das RWE jetzt noch in Bulgarien was bauen, wo es den Strom für Deutschland zu Hause erzeugen darf?
    Ich versichere Ihnen, wenn rot rot grün die Wahl gewonnen hätten, hätte RWE das Teil gebaut!

    31.10.2009 um 10:48 Uhr · Antworten

  • Heinz Haber

    Herbstdepression?
    Leute, was ist los?
    Es gab einen Zwischenfall in Gorleben, es gab eine Sicherheitsbeanstandung am Areva EPR 1600, einige fordern Baustopp, und hier Schweigen im Walde????

    Seid ihr so gaaaanz langsam von der Kernenergie überzeugt? Wollt ihr auch mehr Reaktoren für eine Klimafreundliche Zukunft? Darf ich hoffen?

    03.11.2009 um 18:02 Uhr · Antworten

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