Hat jemand “Matrix Reloaded” gesehen, den zweiten Teil der Matrix-Saga? In dem Film sagt eine Figur namens Merovinger über die Schönheit der französischen Sprache:
I love French wine, like I love the French language. I have sampled every language, French is my favorite. Fantastic language. Especially to curse with. Nom de dieu de putain de bordel de merde de saloperie de connard d’enculé de ta mère. It’s like wiping your arse with silk. I love it.
Etwas Ähnliches muss sich die Atomlobby gedacht haben, als sie eine „Renaissance“ der Atomkraft ausgerufen hat. Das Wort klingt viel schöner als das schnöde deutsche „Wiedergeburt“. Einer Überprüfung hält die Behauptung jedoch auch auf französisch nicht stand. Egal, in welcher Sprache man es sagt: Von einer Renaissance ist nichts, nada, rien zu spüren.
Nach Vorstellung des französischen Atomkonzerns AREVA „wiedergeboren“ werden soll die Atomkraft derzeit in Gestalt der Europäischen Druckwasserreaktoren der dritten Generation (EPR), angeblich die modernsten respektive sichersten respektive schönsten AKW aller Zeiten. Zwei dieser neuen Wunderreaktoren sind derzeit im französischen Flamanville und im finnischen Olkiluoto (OL3) im Bau.
Der Konzern AREVA, die werdende Mutter der Reaktoren, befindet sich jedoch, gelinde gesagt, in überaus schweren und zähen Geburtswehen. Zuerst plagten ihn die immer neuen Horrormeldungen aus Olkiluoto, die von Verzögerungen – mittlerweile ist frühestens 2012 mit einer Fertigstellung zu rechnen – und explodierenden Kosten (5,3 Milliarden Euro) kündeten. Jetzt kommen auch noch schwere Beanstandungen am Sicherheitsdesign der Reaktoren durch drei (!) Aufsichtsbehörden dazu.
In einer gemeinsamen Erklärung haben die Aufsichtsbehörden von Frankreich (ASN), Großbritannien (HSE/ND) und Finnland (STUK) kritisiert, dass das Kontrollsystem und das Sicherheitssystem im EPR nicht unabhängig voneinander funktionieren. Offenbar wurden die EPR-Reaktoren von waschechten Schildbürgern entworfen: Das Kontrollsystem ist für den Normalbetrieb des AKW zuständig, das Sicherheitssystem soll die Sicherheit des AKWs gewährleisten, wenn das Kontrollsystem ausfällt. Wenn beide System nicht ausreichend voneinander getrennt sind, kann es passieren, dass sie gleichzeitig ausfallen. Eine solche Konstruktion wäre schon bei einer Mikrowelle suboptimal, bei einem AKW ist sie unfassbar fahrlässig. Dennoch wird in Finland bereits seit 2004 und in Frankreich seit 2006 an den AKW gebastelt.
Was macht AREVA? Erstmal abwiegeln. Schließlich möchte der Konzern möglichst viele neue Adoptiveltern für den EPR finden. Deshalb wird von Firmenseite weder zeitgemäße Fertigstellung noch Sicherheit des Reaktors in Frage gestellt:
Das Unternehmen werde dafür bis Jahresende den Beweis erbringen, erklärte das Staatsunternehmen. Wie der französische Energiekonzern EDF, der den Bau des französischen EPR-Kraftwerks in Flamanville am Ärmelkanal in Auftrag gegeben hat, erwarte Areva durch die Mängel keine weiteren Bauverzögerungen
Warum dieses fanatische Festhalten an dieser offenkundig unsicheren, teuren und schmutzigen Technologie? Noch das letzte Argument für die Atomkraft ist entkräftet worden, so auch die vielbeschworene “Versorgungssicherheit”: Frankreich, das dreiviertel seines Stroms aus Atomkraftwerken gewinnt, muss zwischen November 2009 und Januar 2010 4000 Megawatt (MW) Strom aus dem Ausland importieren, weil derzeit fast ein Drittel aller Atomreaktoren wegen Wartungsarbeiten oder Störfällen stillsteht.











[...] Zuletzt haben die Aufsichtsbehörden von gleich drei Ländern in einer gemeinsamen Erklärung auf ei…. Die Aufsichtsbehörden von Frankreich (ASN), Großbritannien (HSE/ND) und Finnland (STUK) haben darauf hingewiesen, dass Kontrollsystem und Sicherheitssytem im Reaktor nicht voneinander getrennt funktionieren, so dass im Notfall beide zeitgleich ausfallen könnten. Dass dieses Problem erst fünf bzw. drei Jahre nach Baubeginn der Kraftwerke zur Sprache kommt, ist eine ungeheure Fahrlässigkeit. [...]